„Spätrömische Dekadenz im Endstadium“: Amthor-Auftritt in CDU-Doku geht viral


„Dagegen wirkt Ludwig XIV. wie ein bodenständiger Dude“: Amthor-Aufreger um Strandkorb und Designer-Möbel

Stand: 28.09.2026, 08:06 Uhr

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Ledersofa für 25.000 Euro, Strandkorb auf dem Balkon: Ein ZDF-Clip über Staatsminister Philipp Amthor (CDU) sorgt im Netz für Spott und heftige Kritik.

Berlin – Ein kurzer Clip aus der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ hat Unions-Politiker Philipp Amthor (33) eine Welle des Spotts eingebracht. Zu sehen ist der Staatsminister für Bund-Länder-Angelegenheiten beim Einzug in sein neues Büro im Kanzleramt – inklusive Strandkorb auf dem Balkon.

Philipp Amthor (CDU), Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt, steht im ARD-Wahlstudio.

Erst einmal die Brille richten: CDU-Staatsminister Philipp Amthor steht für sein Auftreten in der ZDF-Doku „Inside CDU“ in der Kritik. © Marcus Brandt/dpa

Merz hatte Amthor im Juli aus dem Digitalministerium, wo er zuvor Staatssekretär war, als Staatsminister ins Kanzleramt geholt. In Folge vier der zweiten Staffel mit dem Titel „Rumms“ kommentiert er seinen neuen Posten staatstragend: „Natürlich ist das jetzt auch ein Karrieresprung. In der Regierungszentrale merkt auch jeder: Da muss jeder Federstrich sitzen. Da streckt sich jeder noch einmal ein bisschen mehr.“

Amthor-Aufreger in CDU-Dokumentation: Strandkorb und Designer-Möbel harsch kritisiert

Wenig später lässt der gebürtige Mecklenburg-Vorpommer einen Strandkorb auf den Balkon vor seinem Büro schaffen. „Ja, das sieht doch super aus“, sagt er, als das Möbelstück vom Lieferanten hereingerollt wird. Über die Ausrichtung des Strandkorbs erklärt er: „Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich ihn mal nutzen werde zum Erholen, kann ich den mir immer noch zum Kanzlergarten drehen.“

Aufgefallen ist Nutzern in den sozialen Netzwerken zudem die Ledersitzecke in Amthors Büro – offenbar die „Le Corbusier“-Reihe des italienischen Möbelherstellers Cassina, Kostenpunkt: mehr als 25.000 Euro. Bei den Möbeln handelt es sich um Bundesinventar, das der Staatsminister weder selbst ausgesucht noch bezahlt hat.

Im Netz sorgten die Bilder dennoch für heftige Reaktionen. Mehrere Nutzer erklärten, sie hätten die Szene zunächst für Satire oder KI-generierte Inhalte gehalten. Ein User kommentierte: „Spätrömische Dekadenz im Endstadium.“ Ein anderer schrieb: „Dagegen wirkt Ludwig XIV. wie ein bodenständiger Dude.“ Dazu kursieren Fotos von Amthor mit dem an Marie Antoinette angelehnten Spruch: „Soll das Volk doch Kuchen essen.“ Manche Kommentare gehen noch weiter: „Amthor wird der Totengräber der CDU werden.“

Erinnerung an 2019: Zerstört sich die CDU aus den eigenen Reihen heraus?

Doch wo Schatten, da auch Licht. Meint: Es gibt auch versöhnlichere Stimmen. Eine Nutzerin schrieb: „Ach, irgendwie ist das lustig mit dem Strandkorb. Ich gönne ihm den Strandkorb.“ Allein ein Instagram-Beitrag von „ZDF heute“ zu der Szene wurde bis Sonntagabend mehr als 1600 Mal kommentiert.

Für die CDU kommt der Auftritt zur Unzeit: Die Partei kämpft nach schwachen Ergebnissen bei drei Landtagswahlen – in Mecklenburg-Vorpommern flog sie sogar aus dem Parlament – ohnehin mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Amthor selbst äußerte sich in der Doku an anderer Stelle selbstkritisch zu diesem Thema: „Es gibt ja dieses schöne Sprachbild, dass Glaubwürdigkeit zu Fuß kommt, aber mit dem Pferd davonreitet. Das ist auch ein treffendes Bild, weil es natürlich so ist, dass einmal verlorene Glaubwürdigkeit sich besonders schwer wieder erarbeiten lässt.“

Beobachter sehen Parallelen zur Wirkung des Rezo-Videos „Die Zerstörung der CDU“ von 2019 – nur, dass der Auslöser diesmal aus den eigenen Reihen der Partei kommt. Was Designer-Möbel und ein Strandkorb alles bewirken können. (Quellen: „Inside CDU“, dpa, bild.de, X-Account von Christopher Pietsch) (han)