Dank Dachterrasse und Speicher: Wohnungsdilemma im Kloster gelöst
Stand: 29.07.2026, 05:56 Uhr
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Es gibt also doch eine Lösung für das Wohnungsdilemma im ehemaligen Kloster von Miesbach, das als Kinderhaus genutzt wird. Der Miesbacher Architekt Christian Mahr hat sich das Gebäude angesehen und einen von der Kita getrennten Zugang konzipiert. Auch der Denkmalschutz zieht mit.
Miesbach – Die Aufgabe klingt anspruchsvoll: Konzipiere einen zweiten Zugang in einem fertig restaurierten Gebäude, der hinauf zu zwei Dachwohnungen führt, ohne dabei einen (Sicht-)Kontakt zu den benachbarten Kinderbetreuungseinrichtungen zuzulassen. Denn gerade die fehlende strikte Trennung zwischen Kita und privatem Wohnraum ist der Grund, warum die beiden stadteigenen Wohnungen bislang nicht vermietet wurden.
Im Zentrum steht der Schutz der Kinder, der auch nicht dadurch gewährleistet werden kann, wenn man die Wohnungen an Kitapersonal vermietet. Denn auch Angestellte haben ein privates Leben mit privaten Sozialkontakten, die seitens der Einrichtung nicht einsehbar sind.
Doch nun liegt die Lösung auf dem Tisch. Wie der Miesbacher Architekt Christian Mahr im Stadtrat erklärte, nutzt er dazu das Treppenhaus, das dem Kindergarten als Fluchtweg dient und das sich verglast zwischen dem Mittelteil und der ehemaligen Klosterschule im Süden befindet. Oben wird der Weg vom Treppenhaus über einen höhenmäßig anzupassenden Speicher und erneut über das Treppenhaus zu den beiden Wohnungen geführt. Das alles ohne Kinderkontakt. „Die Fluchttüren ins Treppenhaus lassen sich nur von der Kita aus öffnen“, erklärt Mahr.
Zudem hat sich der Planer auch das Rettungswegthema der Wohnungen noch einmal angesehen und eine neue Lösung zum zweiten Rettungsweg entwickelt. Während die östlich gelegene Wohnung vom Parkplatz aus per Drehleiter ansteuerbar ist, braucht die westlich gelegene Wohnung einen Fluchtbereich.
Bislang dient eine Fluchtrampe auf dem Dach dafür, doch laut Mahr war man beim Denkmalschutz mit dieser bestehenden Lösung nicht glücklich. Deshalb wird nun eine 25 Quadratmeter große Dachterrasse errichtet. „Das steigert den Wohnwert, und der Denkmalschutz findet diese Lösung auch besser“, sagt Mahr. Die schriftliche Freigabe liege bereits vor.
Kreisheimatpfleger Markus Bernlochner hatte bei einem Vor-Ort-Termin auf den unpassenden Charakter des Rettungspodestes hingewiesen. Bei der Dachterrasse soll das Geländer möglichst filigran und zurückhaltend ausgeführt werden. Aus Sicht der Verwaltung werde durch die Dachterrasse das Vermietungspotenzial erhöht.
Für die dritte Wohnung über der Krippe im nördlich gelegenen Bereich gibt es dagegen keine bauliche Lösung – hier wird an der organisatorischen Schraube gedreht. Das heißt: Die Diakonie als Trägerin übernimmt die Räume und nutzt sie als Büro und Besprechungszimmer (wir berichteten).
Für diese Lösung muss die Stadt aber noch mal in die Kasse greifen. Die zu erwartenden Kosten für den Umbau liegen insgesamt bei rund 180.000 Euro brutto.
Im Stadtrat kam die vorgelegte Lösung gut an. „Die Kuh ist vom Eis“, stellte Paul Fertl (SPD) zufrieden fest. „Das ist eine gute Lösung, und die Stadt hat zwei schöne Wohnungen.“ Nicht zuletzt wegen der Dachterrasse hofft Fertl, dass es nun etwas leichter fällt, den Engpass bei den Erzieherinnen zu überwinden.
Markus Seemüller (FL), der bei der Lösungsfindung mächtig Druck gemacht hatte, bedankte sich bei Mahr für die Lösung. Gleichzeitig bedauerte er es, dass man sich nicht schon früher darum bemüht habe. Stefan Griesbeck (CSU) war ebenfalls mit dem Ergebnis zufrieden. „Ein Architekt von hier kann auch zielorientierte Lösungen finden“, stellte er mit Blick auf das Münchner Büro B rown Goldbach fest, das den Klosterumbau geplant hatte. „Es muss nicht immer ein Büro aus München sein.“