WhatsApp-Betrugsmasche mit Abstimmungslinks: So kapern Kriminelle Ihr Konto


Die Polizei warnt vor einer WhatsApp-Betrugsmasche, die derzeit gezielt das Vertrauen unter Freunden und Familie ausnutzt. Kriminelle verschicken Nachrichten mit Links zu angeblichen Online-Abstimmungen oder anderen Aktionen. Wer den Anweisungen folgt, etwa einen QR-Code scannt oder einen Bestätigungscode eingibt, gibt den Tätern Zugriff auf das eigene WhatsApp-Konto.

Danach schreiben die Betrüger die gespeicherten Kontakte an und bitten unter einem Vorwand um Geld. Betroffen sind normale Nutzer, die gutgläubig auf eine Nachricht von scheinbar bekannten Personen reagieren. Der folgende Überblick zeigt, wie die Masche funktioniert, welche realen Schäden bereits entstanden sind und mit welchen konkreten Schritten Sie Ihr Konto schützen können.

Ein Fall aus dem Landkreis Rostock zeigt, wie schnell es geht

Ein Fall ereignete sich im Bereich des Kriminalkommissariats Sanitz. Ein 65-Jähriger aus dem Landkreis Rostock erhielt laut Polizeipräsidium Rostock bereits am Freitag, dem 24. Juli 2026, einen Link von einer ihm vermeintlich bekannten Person und folgte den Anweisungen.

Kurz darauf hatten die Betrüger sein WhatsApp-Konto übernommen und verschickten in seinem Namen Nachrichten an seine Kontakte. Darin baten sie wegen einer angeblich dringend notwendigen Zahnbehandlung um finanzielle Hilfe.

Trotz einer schnellen Warnung des Mannes überwiesen einige Kontakte bereits Geld. Wie hoch der Schaden ist, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts des Betrugs sowie des Ausspähens von Daten.

QR-Codes gelten seit 2025 als eigenes Betrugsrisiko, weil die Zieladresse vor dem Öffnen oft nicht sichtbar ist. (Symbolbild)

QR-Codes gelten seit 2025 als eigenes Betrugsrisiko, weil die Zieladresse vor dem Öffnen oft nicht sichtbar ist. (Symbolbild)

© Michael Weber imagepower

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Rostock bearbeitet das Kriminalkommissariat Gadebusch derzeit einen fast identischen Fall. Auch dort gaben sich die Täter als vertraute Kontaktperson aus und täuschten eine finanzielle Notlage vor – dieser Betrug wurde jedoch rechtzeitig erkannt und angezeigt.

So professionell gehen die Täter vor

Die polizeiliche Auswertung der Chatverläufe verdeutlicht laut einem Bericht von news.de, der sich auf das Polizeipräsidium Rostock stützt, die hohe Professionalität der Kriminellen. Die Nachrichten sind sprachlich authentisch gestaltet, Rückfragen der Kontakte werden plausibel beantwortet.

Um eine Entlarvung zu verhindern, lehnen die Täter Telefonate und Sprachanrufe systematisch ab. Als Ausreden dienen etwa eine angebliche „Betäubung nach einer Operation“ oder „technische Probleme“.

Warum die Masche technisch funktioniert

Der Kern des Angriffs ist die Übernahme des Kontos über die Geräteverknüpfung. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschrieb bereits am 14. Januar 2026 eine Phishing-Methode namens „Ghost Pairing“, bei der Täter die offizielle WhatsApp-Funktion zur Geräteverknüpfung missbrauchen. Opfer werden über gefälschte Seiten dazu gebracht, Telefonnummer, Kopplungscode oder QR-Freigabe einzugeben. Der Angriff kann unbemerkt bleiben, weil WhatsApp auf dem eigenen Handy weiter normal läuft.

IT-Sicherheitsexperten erklären laut dem Fachblog der-it-blog.de: Durch den Klick auf den Link oder den Scan des QR-Codes autorisieren Opfer unbewusst eine neue Web-Sitzung für die Angreifer, ein sogenanntes Session Hijacking.

Auch die QR-Komponente ist kein Zufall. Die Verbraucherzentrale ordnet QR-Codes seit 2025 als eigenes „Quishing“-Risiko ein: Weil viele Smartphones die Zieladresse vor dem Öffnen nicht transparent anzeigen, lassen sich Nutzer besonders leicht auf Fake-Seiten lotsen.

So schützen Sie Ihr WhatsApp-Konto

Die Polizei rät, ungewöhnliche Nachrichten immer telefonisch zu überprüfen und keine unbekannten Links oder QR-Codes zu nutzen. Zusätzlich helfen diese Schritte:

In den WhatsApp-Einstellungen lassen sich unbekannte Sitzungen unter „Verknüpfte Geräte“ aufspüren und beenden.

In den WhatsApp-Einstellungen lassen sich unbekannte Sitzungen unter „Verknüpfte Geräte“ aufspüren und beenden.

© gutaper/ imago/imageBROKER

Rückruf statt Rückzahlung: Bei Geldforderungen die Person zunächst anrufen und den Wahrheitsgehalt prüfen. Zwei-Schritt-Verifizierung aktivieren: Diese PIN verhindert, dass Täter das Konto auf einem neuen Gerät neu einrichten – selbst wenn sie an eine SMS-Bestätigung gelangen. Verknüpfte Geräte prüfen: In den WhatsApp-Einstellungen unter „Verknüpfte Geräte“ regelmäßig nach unbekannten Sitzungen suchen und diese sofort beenden.

Was Sie tun können, in Kürze

Die aktuelle WhatsApp-Betrugsmasche lebt vom Vertrauen: Die Täter kapern über gefälschte Abstimmungslinks oder QR-Codes fremde Konten und bitten dann im Namen der Opfer Freunde und Familie um Geld. Der Fall aus dem Landkreis Rostock zeigt, dass selbst eine schnelle Warnung nicht immer alle Kontakte rechtzeitig erreicht.

Wichtig ist: Der Grundmechanismus ist nicht völlig neu, sondern eine aktuelle Welle einer seit Anfang 2026 vom BSI beschriebenen Methode.

Das können Sie jetzt tun: Aktivieren Sie die Zwei-Schritt-Verifizierung, prüfen Sie Ihre verknüpften Geräte und rufen Sie bei jeder Geldforderung per WhatsApp zurück, bevor Sie zahlen. Ein kurzer Anruf entlarvt fast jeden Betrugsversuch – genau deshalb verweigern die Täter ihn.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wie kapern die Betrüger ein WhatsApp-Konto?
Über gefälschte Seiten bringen sie Opfer dazu, einen Kopplungscode einzugeben oder einen QR-Code freizugeben. Damit verknüpfen die Täter ihr eigenes Gerät mit dem Konto. Das BSI nennt diese Methode „Ghost Pairing“.

Woran erkenne ich die betrügerischen Nachrichten?
Oft geht es um eine angebliche Abstimmung oder Aktion mit Link, später um dringende Geldforderungen. Auffällig: Die Täter lehnen Anrufe systematisch ab, etwa mit Ausreden wie „Betäubung nach einer OP“ oder „technische Probleme“.

Was soll ich tun, wenn eine Geldforderung von einem Kontakt kommt?
Die Person zunächst telefonisch anrufen und den Wahrheitsgehalt der Nachricht überprüfen. Keine unbekannten Links oder QR-Codes anklicken.

Wie schütze ich mein Konto vorbeugend?
Aktivieren Sie die Zwei-Schritt-Verifizierung mit einer PIN und prüfen Sie regelmäßig unter „Verknüpfte Geräte“, ob unbekannte Sitzungen aktiv sind.

Ist die Masche wirklich neu?
Die konkrete Welle ist aktuell, der Mechanismus jedoch nicht: Das BSI beschrieb ihn bereits im Januar 2026, ein nahezu identischer Fall wurde am 23. Juli 2026 aus Brandenburg gemeldet.

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