„Das Gebäude frisst uns auf“ – beliebtes Urlaubsziel sucht Sponsoren


Stand: 31.08.2026, 21:10 Uhr

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Manche kommen schon seit Generationen, andere seit Jahren: Das Heinrich Lübke Haus hat nicht nur mit Christina, Barbara, Peter, Markus, Birgit und Christina (von links) eine Fangemeinde, die immer wieder zum Urlaub kommt.

Manche kommen schon seit Generationen, andere seit Jahren: Das Heinrich Lübke Haus hat nicht nur mit Christina, Barbara, Peter, Markus, Birgit und Christina (von links) eine Fangemeinde, die immer wieder zum Urlaub kommt. © Peter Dahm

Das Heinrich Lübke Haus ist als Familienferienstätte seit 1979 beliebtes Urlaubsziel. Der Zahn der Zeit hat aber genagt: Sponsoren sind willkommen.

Brüningsen – In diesen Sommerferien geht eigentlich nichts mehr im Heinrich Lübke Haus. „Wir sind komplett ausgebucht“, sagt Kirsten Tischer, die seit März Geschäftsführerin der Ferien- und Bildungsstätte der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) ist. Auch für Weihnachten und Silvester ist nichts mehr zu machen, hätten Interessenten schon vor zwei Jahren eine der 63 Unterkunftseinheiten für über 200 Gäste reservieren müssen. Gleichzeitig sieht man dem 1974 errichteten Gebäude sein Alter an. „Renovierungsstau“, nennt es Kirsten Tischer, „das Gebäude frisst uns auf“. Kreativität ist jetzt gefragt.

Obwohl zuletzt noch 65 000 Euro in Brandschutz und Notbeleuchtung investiert wurden, müsste noch weit mehr getan werden. Allein es fehlt das Geld, wenn gleichzeitig der KAB erheblich die Mitglieder wegbrechen, und der Träger bundesweit von einst 350 000 auf nur noch rund 50 000 geschrumpft ist. „Wir suchen deshalb Sponsoren und Investoren, müssen neue Wege gehen“, sagt Tischer. Und sie wäre froh, wenn sich auch lokal noch mehr herumsprechen würde, welche Möglichkeiten das Haus vor Ort bietet.

Seit Generationen ab an den Möhnesee

Heinrich Lübke Haus

200 Betten in Einzelzimmern, Doppelzimmern und Appartements hat das Haus zusätzlich zu einer umfangreichen Ausstattung und Konferenzräumen zu bieten. Aber: Es ist in die Jahre gekommen. © Peter Dahm

Bei Barbara, Christina, Birgit und Markus am Tisch ist das bis nach Mönchengladbach und Köln schon vor langer Zeit durchgedrungen. „Ich habe in eine Familie eingeheiratet, die seit 1979 immer wiederkommt“, sagt Christina. Ganze Generationen haben hier Urlaub gemacht, „mit Kind und Kegel“, erzählt sie. Warum? „Weil es nicht weit weg ist, die Landschaft gleichzeitig schon völlig anders ist und es eine spitzenmäßige Kinderbetreuung gibt“, bestätigen Birgit und Markus. „Toll ist in diesem Jahr, dass man viele neue Gäste trifft“, sagt Birgit und sticht die Gabel in ein fulminantes Stück Torte. „Und das Essen hier“, sagt sie, „ist einfach toll!“

Gern auch viermal im Jahr anreisen

Wirtschaftsfaktor

Das Heinrich Lübke Haus wird zwar in der Trägerschaft der KAB betrieben, ist aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde mit 56 Angestellten und 5 Minijobbern. In der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienerholung mit 26 Mitgliedern steht das Haus an vierter Stelle hinter Einrichtungen auf Usedom und im Chiemgau bei den Übernachtungszahlen. Die nächste Möglichkeit, das Haus auch als Anwohner des Möhnesees als Freizeitangebot besser kennenzulernen, bietet sich am 19. September an. Dann steht zusammen mit der Dorfgemeinschaft eine „Good Bye Summer“-Party auf dem Programm.

Peter Heidkamp kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft er mit Ehefrau und Zwillingen angereist ist. Nicht selten ging es auch viermal im Jahr an den Möhnesee für die Kölner. „Das machen wir, seit es die Kinder gibt“, sagt er. Die sind inzwischen 16 Jahre alt und haben immer noch ihren Spaß in den eigens betreuten Gruppen mit täglich vollem Ferienprogramm. „Wir können uns dann ganz wunderbar abseilen, sind mit den Fahrrädern in der Gegend unterwegs oder beim Shoppen in Soest – bei Vollpension, das ist doch paradiesisch.“ Seine Ehefrau hat sich gerade eine kleine Entspannungs-Auszeit gegönnt, während die Zwillinge mit einem Ausflug unterwegs sind. Und: „Wir haben hier echte Freundschaften geknüpft, die schon seit Jahren halten“, sagt Peter Heidkamp. „Auch die Kinder fahren oft nach Essen zu Freundinnen, die sie hier gefunden haben.“

Vor Ort noch viel bekannter werden

Peter Heidkamp kam mit seiner Ehefrau schon vor den Kindern regelmäßig für Seminare über Arbeitsrecht oder Heimatkunde ins Heinrich Lübke Haus. Bildung ist das zweite Standbein der Einrichtung, die auch eine eigene „Heimvolkshochschule“ mit Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten hat. Ein bunter Reigen, der sich nicht überall herumgesprochen hat. Die Familienurlaube sind dagegen der Renner und zusammen mit der besonderen Atmosphäre des Hauses, die sich an der „Kennenlernwand“ als Kontaktbörse spiegelt, ein Selbstläufer. Auch das hauseigene Schwimmbad ist beliebt, und wird gerade von einem ansässigen Verein gemietet. Für den Triathlon haben zahlreiche Gäste kurzfristig Unterkunft im Haus gesucht und gefunden.

Nicht nur für Familien entfaltet das Haus ein kleines Urlaubsparadies mit eigenem kleinen Streichelzoo, Kita-ähnlicher Kinderbetreuung, eigenem Jugendbereich, Sauna, Kegelbahn und „Westfälischer Kneipe“ im Keller. Besondere Bedürfnisse werden hier erfüllt, etwa bei Urlauben mit Pflegebedürftigen, wenn der Pflegedienst ins Haus kommt und Pflegebetten bereitstehen. Auch für „Regenbogenfamilien“ mit gleichgeschlechtlichen Paaren gibt es längst Angebote. Christoph Johlen kommt mit seinem körperlich und geistig behinderten Sohn, Ehefrau und zwei Töchtern aus dem Kreis Höxter. „Wir können hier den Rollstuhl mal zu Hause lassen, denn das Haus ist barrierefrei auf uns eingestellt.“ „Das ist auch ein Stück Erholung für uns alle“, sagt er, der zudem die Impulsangebote in der Kapelle zu schätzen weiß.

Einige „Updates“ sind bereits erfolgt

Getan wurde schon einiges, um das Heinrich Lübke Haus „flotter“ zu machen. Unlängst konnte mit der Wirtschaft- und Touristik GmbH der Gemeinde die neue Disc-Golf-Anlage eingeweiht werden. „Mir ist wichtig, dass auch hier vor Ort bekannter wird: Das Haus ist offen für alle“, sagt Kirsten Tischer. Die beeindruckenden Kuchen und Torten können mitgenommen werden. Der Biergarten ist am Wochenende für alle geöffnet. Die örtlichen Vereine und Gruppen finden hier besondere Tagungsräume und die Kapelle gehört zu den Standorten der „Kirche am See“.