Kanzler Stocker: "Zukunftsdepot soll Vorsorge für Kinder sichern"
Neue Idee
Kanzler Stocker: "Zukunftsdepot soll Vorsorge für Kinder sichern"
Eltern sollen für ihre Kinder endlich steuerbegünstigt vorsorgen können. Das soll nun mit dem Zukunftsdepot gelingen, die Entnahme des Geldes wird Kest-frei sein
Bettina Pfluger
Das Theme Vorsorge ist in Österreich zweifelsohne angekommen. Immer mehr Eltern denken darüber nach, wie sie für ihre Kinder eine finanzielle Vorsorge auf den Weg bringen können und ob sich eine Absicherung für die eigene Pension noch auszahlt.
Dieses Momentum will auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) nutzen. Er möchte ein Zukunftsdepot auf den Weg bringen, "das zum Sparmodell der nächsten Generation werden soll". Der langfristige Vermögensaufbau soll damit erleichtert werden. Bis zu 5000 Euro pro Jahr sollen auf dieses Depot einbezahlt werden können, ab dem 18. Geburtstag soll das Geld entnommen werden können – steuerfrei, also ohne Abzug der sonst anfallenden Wertpapier-Kest in der Höhe von 27,5 Prozent.
Vermögen aufbauen
"Wer arbeitet und jeden Tag seinen Beitrag leistet, soll sich in Österreich auch wieder etwas aufbauen können", sagt Stocker im ORF-Sommergespräch. "Eigentum zu schaffen, Vermögen aufzubauen und für die eigene Zukunft vorzusorgen, muss wieder leichter möglich werden", wünscht sich der Bundeskanzler. Das trifft wohl den Nerv vieler Menschen. Vor allem, weil vom derzeitigen Sparkurs der Regierung viele Gruppen betroffen sind.
Doch wie genau soll das Zukunftsdepot funktionieren? Drei Beispiele hat der Bundeskanzler dafür parat:
Für jedes Kind unter 18 Jahren soll künftig bei teilnehmenden Banken ein Zukunftsdepot eröffnet werden können. Bis zum 18. Geburtstag des Kindes fällt keine Kapitalertragsteuer an – danach steht dem Kind das bis dahin aufgebaute Vermögen zur Verfügung.
Mit dieser Möglichkeit soll der Grundstein für die nächste Generation gelegt werden. Kinder haben damit auch die Chance, frühzeitig und langfristig Vermögen aufzubauen. Das Potenzial dafür ist groß: Die österreichischen Haushalte verfügen laut Erhebungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über ein Geldvermögen von rund 937 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon wird weiterhin sehr vorsichtig angelegt: 36 Prozent des Geldvermögens liegen in Einlagen, während rund 21 Prozent in Wertpapieren investiert sind.
Keine Gebühren, keine Spesen
In kraft treten soll das Modell spätestens mit 1.1.2027, sagte Stocker im Sommergespräch. Die teilnehmenden Banken dürfen keine Spesen für dieses Depot verlangen, der Staat verzichte dabei auf die Einnahmen aus der Wertpapier-Kest. Das Modell sei laut Stocker auch gesetzlich abzusichern, damit eine Nachfolge-Regierung dieses Modell nicht wieder aufschnüren kann.
Die Umsetzung des Zukunftsdepots soll durch das Familienministerium gemeinsam mit dem Finanzministerium erfolgen. "Familien wollen ihren Kindern etwas mitgeben und den bestmöglichen Start ins Erwachsenenleben ermöglichen", betont Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP). Mit dem Zukunftsdepot werde diese Möglichkeit geschaffen. "So kann bis zum 18. Geburtstag ein finanzielles Fundament für den Führerschein, eine Ausbildung oder das erste Eigenheim entstehen", sagt Bauer. Aber auch danach soll nicht Schluss sein. "Wir wollen junge Menschen dazu ermutigen, selbst weiter zu investieren und langfristig Vermögen aufzubauen", sagt die Familienministerin.
"Unterstützen diesen Vorschlag"
"Wir begrüßen diesen Vorschlag", sagt Gerda Holzinger-Burgstaller, Chefin der Erste Bank Österreich zum STANDARD, "und werden das als Bank auch unterstützen." Damit bekomme das Thema der Vorsorge endlich wieder Schwung. Die Bank-Expertin hatte dieses Modell selbst bereits ins Gespräch gebracht. Ab wann das Depot bei den Banken eröffnet werden kann, wird wohl ich den nächsten Tagen geklärt werden.
"Das Zukunftsdepot ist ein richtiges und wichtiges Signal für die überfällige Entwicklung einer Aktienkultur in Österreich", sagt Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, zum STANDARD. Der lange Anlagehorizont bis zum 18. Geburtstag mache Marktschwankungen zur Nebensache. Das Grundproblem der sehr hohen Besteuerung von Investitionen in Aktien sei laut Boschan damit zwar noch nicht gelöst. "Aber es macht Hoffnung, dass substanzielle Maßnahmen für die breite Masse aller langfristigen Sparer folgen werden", sagt der Börsen-Experte.
Auch die von Stocker zuletzt vorgestellte Idee eines Staatsfonds, wie er international seit Jahrzehnten eine weit verbreitete und äußerst erfolgreiche Praxis ist, "weist in die richtige Richtung", sagt Boschan. Um eine spürbare Wirkung für die Sicherung der Sozialsysteme zu leisten, seien aber weit höhere Zuflüsse als 700 Mio. Euro im Jahr notwendig, sagt der Börsen-Chef.
Land der Eigentümer
"Ich will, dass Österreich zu einem Land der Eigentümer wird", sagt Stocker. Die Menschen sollen sich durch ihre eigene Leistung wieder etwas aufbauen und für ihre Zukunft vorsorgen können. "Damit schaffen wir echte Zukunftschancen für unsere Kinder und die nächsten Generationen", so Stocker.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Politik finanziell an die nächste Generation denkt. Die Neos hatten 2024 eine ähnliche Idee mit dem Chancenkonto. Jede 18-jährige Person sollte mit diesem Konto 25.000 Euro erhalten, die der Staat bereitstellt. Dieses Geld sollte nur entnommen werden dürfen für eine Ausbildung, beim Erwerb einer Immobilie oder bei der Gründung eines Unternehmens. Das Geld hätte aber auch am Kapitalmarkt investiert werden können – als Grundstock für eine Pensionsvorsorge.
Dieser Vorschlag hatte damals sowohl Lob als auch Kritik hervorgebracht. Die einen sahen in dieser Überlegung eine unnötige Verteilaktion, Helikoptergeld und ein Wahlzuckerl. Andere Experten haben die Idee begrüßt, weil damit auch die Pensionsvorsorge verstärkt werde. Geworden ist aus dem Chancenkonto letztlich nichts.
Nicht viele Möglichkeiten
Wer für sein Kind vorsorgen möchte, hat in Österreich derzeit nicht viele Möglichkeiten. Wer im Namen seines Kindes veranlagen will, kann das nur mündelsicher tun – also Wertpapiere kaufen, die wenig Risiko bergen, etwa Anleihen. Damit entgeht dem Depot aber eine Renditechance. Wollen Eltern das nicht, können sie ein Depot nur in ihrem eigenen Namen anlegen und später dem Kind übertragen.
Banken und Finanzdienstleister versuchen, diese Lücke zu schließen. So hat etwa die Erste Bank das Generationendepot im Angebot. Damit kann ein volljähriger Inhaber für eine begünstigte Person (z. B. minderjähriges Kind/Enkelkind) Geld veranlagen, das zu einem vorab definiertem Zeitpunkt dem Kind übertragen wird. Auch bei Froots werden verstärkt ETF-Sparpläne von Eltern für Kinder angelegt. Die lange Zeit für eine Veranlagung gilt es ob des Zinseszinseffekts nicht zu unterschätzen, sagen Experten. (Bettina Pfluger, 31.8.2026)
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