Das ist Eintracht-Neuzugang Raphael Onyedika - ein Porträt


Service Navigation

Entdeckt auf Nigerias Straßen, gereift in Dänemark So speziell ist die Karriere von Eintracht-Zugang Onyedika

Raphael Onyedika wechselt zur Eintracht. Der Mittelfeldmann gilt als robuster Stratege. Vieles davon hat er sich auf Nigerias Straßen angeeignet - und in Dänemarks Provinz. Die Geschichte eines Mannes, der als Kind bettelte und seinem liebsten Hobby barfuß nachging.

Eintracht-Neuzugang Raphael Onyedika

Eintracht-Neuzugang Raphael Onyedika Bild © IMAGO

Videobeitrag Raphael Onyedika unterschrieb bei der Eintracht bis 2031.

Raphael Onyedika unterschrieb bei der Eintracht bis 2031. Bild © Eintracht Frankfurt

Ende des Videobeitrags

Paul Onuachu, der beste Torjäger des türkischen Topklubs Trabzonspor, 211 Profitreffer, 32 Jahre bereits alt, fiel kürzlich beim Testkick gegen Eintracht Frankfurt kaum auf. Eigentlich nur durch seine hünenhafte Statur von zwei Metern. Und doch ist er an dieser Stelle eine Erwähnung wert. Der Grund: seine Verbindung zu Eintracht-Neuzugang Raphael Onyedika. Nicht nur, dass sich das Duo aus der nigerianischen Nationalmannschaft kennt, sie eint vor allem ihr früher Karriereweg. Wenn man so will, ist der sieben Jahre ältere Angreifer Onuachu gar jenes Vorbild, das Mittelfeldspieler Onyedika, 25, überhaupt erst den Schritt nach Frankfurt ebnete.

Und das ging so: Alles fing an in Shagamu, einer nigerianischen 230.000-Einwohner-Stadt, in der die wohl beste Fußballakademie des Landes steht, jene des FC Ebedei. Spezialisiert darauf, Jugendliche von den Straßen zu holen, ihr Talent früh zu erkennen, sie aufzunehmen und auszubilden in modernen Trainingsanlagen. Onuachu und einige Jahre später Onyedika gingen beide diesen Weg. Er habe vorher den ganzen Tag lang auf der Straße gekickt, meist barfuß, erzählte der Eintracht-Neuzugang von Club Brügge einst belgischen Medien. "Unsere Familie hatte sehr wenig." Nicht selten bettelten Rafa, wie er genannt wird, und seine Geschwister, um sich überhaupt ein Abendessen leisten zu können. Bis sich eine Chance bot.

Von Nigeria über Dänemark nach Belgien

Mit 15 wurde er vom FC Ebedei entdeckt, ging zur Akademie, die nur deshalb so viel Modernes zu bieten hat, weil ein Verein aus dem Ausland mitmischt, aus der dänischen Provinz Jütland - der in Frankfurt spätestens seit Rasmus Kristensen besten bekannte FC Midtjylland. Der dänische Topklub unterstützt den FC Ebedei seit vielen Jahren finanziell. Mehr noch: Er transferiert regelmäßig Jugendkicker aus Nigeria nach Skandinavien. Sechs Spieler zählen derzeit zum Kader der U19, fünf zu den Profis. Ein Weg, den Paul Onuachu vor nunmehr 14 Jahren als einer der ersten gegangen war, ehe Onyedika 2019 seinem Vorbild folgte. Mit zarten 18 Jahren.

Natürlich sei der Sprung nach Dänemark "ziemlich schwierig" gewesen, sagte er mal in einem Interview, "neues Land, neue Kultur, anderes Klima". Doch die vielen Landsleute hätten bei der Integration geholfen. Untergebracht sind die Jung-Nigerianer bis heute bei Gastfamilien, wie einst auch Onyedika. "Ich glaube, es ist seitdem gut gelaufen."

In Midtjylland reifte Onyedika über die U19 zum Profi heran, wurde kurz ausgeliehen zu Zweitligist Fredericia, wieder zurückgeholt und später für knapp zehn Millionen Euro an Club Brügge verkauft. Beim belgischen Vorzeigeverein avancierte er zum Leistungsträger, überzeugte in der Liga und im Europacup. So sehr, dass der defensive Mittelfeldspieler schon seit geraumer Zeit mit diversen Wechselmöglichkeiten konfrontiert wird – zumindest dann, wenn man den medialen Auswüchsen auch nur in Teilen Glauben schenkt.

Eintracht zahlt deutlich unter Marktwert

So sollen sich unter anderem der FC Bayern und Borussia Dortmund in der Vergangenheit schon mit Onyedika beschäftigt haben, noch intensiver wohl die AC Mailand. Im vergangenen Sommer schließlich klopfte auch Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche an, hatte den Spieler bereits nahezu überzeugt zu dessen nächstem Karriereschritt, wollte oder konnte die hohe Ablöseforderung der Belgier damals aber nicht erfüllen. Onyedika blieb in Brügge – und Krösche blieb an ihm dran.

In diesem Sommer öffnete sich die Tür bedingt durch die Vertragssituation des 25-Jährigen. Der stand bei den Belgiern nur noch eine Saison lang in Lohn und Brot, was der Eintracht ihrerseits eine gute Verhandlungsposition brachte. Neun Millionen Euro sollen nun geflossen sein, nicht einmal die Hälfte des Marktwertes.

Audiobeitrag

Audio

00:35 Min.|02.08.26|Bastian Gerling

Ende des Audiobeitrags

Robust und positionstreu

Raphael Onyedika war bei Champions-League-Teilnehmer Brügge vergangene Saison ein Schlüsselspieler. Als Sechser räumte er nicht nur ab, sondern agierte auch als Stratege. Eine Passquote von 90 Prozent, 73 Ballkontakte im Schnitt pro Spiel, dazu eine Zweikampfquote von 56 Prozent machten ihn zum Dreh- und Angelpunkt – wenngleich ihm im Saisonendspurt etwas die Körner ausgingen. Ein Formtief, nichts Ungewöhnliches. Bei der Eintracht wird er in Konkurrenz treten mit Noel Aseko Larsson und Oscar Höjlund, vielleicht auch Love Arrhov. Eingeplant ist Onyedika freilich als Stammspieler, "als Ankerspieler", wie Sportdirektor Timmo Hardung sagte.

Der 1,84-Meter-Mann zeichnet sich durch Robustheit, Athletik und eine gute Antizipation aus. Er kann ein Spiel lesen – und es mit kurzen Pässen verändern. Offensivdrang bringt er dagegen nicht ganz so viel mit. Im Thomas-Tuchel-Sprech ist er wohl eine Holding Six, ein Sechser also, der die Statik des Spiels achtet und seine Position selten aufgibt. Ebenjenes Profil an Profi also, das Eintracht Frankfurt seit Jahren sucht. Und nun im einstigen Barfußkicker aus Nigeria gefunden hat, der als junger Bursche aufbrach in die weite Fußballwelt, um seinem Vorbild Paul Onuachu nachzueifern. Heute lässt sich sagen: Hat ganz gut geklappt.