Strandbäder in Italien: Mehrere Regionen geben Küsten wieder frei
Publiziert3. August 2026, 17:18
Zu viele Strandbäder«Das Meer darf kein Luxus werden»: Italien schafft Gratisstrände
Liegen und Sonnenschirme kosten an vielen italienischen Stränden rund 40 Euro pro Tag. Jetzt holen mehrere Regionen ihre Küsten für die Öffentlichkeit zurück.

Darum gehts
- In Italien werden private Strandbäder abgerissen, um der Bevölkerung kostenlose Strandabschnitte zurückzugeben.
- In Ostia bei Rom halbiert sich die Zahl der privaten Strandbäder von 70 auf 35, der freie Strandabschnitt wächst von 1,2 auf 6,5 Kilometer.
- Ab 2027 müssen Bewilligungen für Strandflächen gemäss einer EU-Richtlinie neu vergeben werden – Italien hatte dies jahrelang hinausgezögert.
Wer diesen Sommer an den Strand von Ostia bei Rom fährt, reibt sich vielleicht die Augen. Dort, wo sonst Liegestühle und Sonnenschirme dicht an dicht stehen, rollen jetzt die Bagger. Zwei bekannte Strandbäder werden mitten in der Ferienzeit abgerissen. Stattdessen entsteht ein öffentlicher Strand – kostenlos und für alle zugänglich.
Ostia ist dabei kein Einzelfall. In Italien wollen gleich mehrere Regionen ihre Küsten wieder stärker der Bevölkerung zurückgeben. In Rom soll sich die Zahl der privaten Strandbäder von 70 auf 35 halbieren. Gleichzeitig wächst der kostenlose Strandabschnitt von 1,2 auf 6,5 Kilometer – von insgesamt 11,3.
Zwei Liegen und ein Sonnenschirm kosten 40 Euro
Dabei gehören private Strandbäder in Italien schon fast zur Ferienkultur. Es gibt dort mehr als 7300 sogenannte Stabilimenti balneari. Die meisten sind Familienbetriebe.
Dort können Gäste Liegen und Sonnenschirme mieten, oft gibt es auch Restaurants und Bars. Für zwei Liegen und einen Sonnenschirm zahlen Badegäste im Schnitt etwa 40 Euro pro Tag. In beliebten Ferienorten, wie beispielsweise der Toskana, kann es aber auch deutlich teurer werden.
Zäune und Mauern versperren den Weg
Viele fragen sich deshalb: Wieso muss man überhaupt bezahlen, um ans Meer zu gehen? Denn eigentlich gehört die Küste dem Staat. Laut Gesetz müsste jeder Mensch freien Zugang zum Strand haben. Trotzdem ist mehr als die Hälfte der Strände an private Betreiber verpachtet.
Was hältst du davon, dass Italien vermehrt öffentliche Strände schafft?
Finde ich super, das Meer sollte für alle zugänglich sein.
Endlich, die Preise für private Strandbäder sind oft viel zu hoch.
Ich finde das gut, aber private Angebote haben auch ihren Wert.
Schade für die Betreiber, das ist ihre Existenzgrundlage.
Ist mir egal, ich mache sowieso keinen Strandurlaub in Italien.
Das sorgt schon länger für Kritik. Viele Einheimische finden, dass sich Familien einen Strandtag kaum noch leisten können. Auch Touristinnen und Touristen ärgern sich über die hohen Preise. Dazu kommt: An vielen Orten versperren Zäune oder Mauern den Weg zum Meer.
Wegen Mafia-Ermittlungen geschlossen
In Ostia greift die Stadt nun durch. Eines der abgerissenen Strandbäder wurde wegen illegaler Bauten geschlossen. Ein anderer Betreiber verlor seine Bewilligung im Zusammenhang mit Mafia-Ermittlungen.
Auch andere Regionen ziehen nun nach. In Ligurien und Apulien entstehen ebenfalls kostenlose Strandabschnitte. Ein Grund dafür ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2006. Sie verlangt, dass die Bewilligungen für Strandflächen regelmässig neu vergeben werden. Italien hat das jahrelang hinausgezögert. Ab 2027 soll die Regel nun umgesetzt werden.
«Eine normale Familie kann sich das nicht leisten»
Dass sich etwas ändern muss, finden viele Italiener. «Eine normale Familie kann sich das gar nicht mehr leisten», sagt die Römerin Isabella Pedrelli gegenüber «upday». In Neapel protestieren Aktivisten sogar, indem sie mit eigenen Handtüchern und Sonnenschirmen die Bezahlbereiche besetzen.
Für neuen Ärger sorgten zuletzt einige Strandbad-Betreiber in Apulien. Sie wollten ihren Gästen verbieten, mitgebrachtes Essen oder Getränke zu konsumieren. Antonio Decaro, der Präsident der Region Apulien, hielt davon wenig. Wer schon viel Geld für Liegen und Sonnenschirme bezahle, solle nicht auch noch zum Essen gezwungen werden. Seine Botschaft ist klar: «Das Meer ist für alle da und darf kein Luxus werden.»
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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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