Steuern: Darum sollte Vermögen aktiv genutzt und nicht versteckt werden
Steuern: Darum sollte Vermögen aktiv genutzt und nicht versteckt werden
Große Vermögen für Nachkommen in mutmaßlich sichere Häfen zu verfrachten, ist wenig sinnvoll. Das Geld sollte aktiv genutzt werden, um den Interessen der nächsten Generation zu dienen.
Kolumnist Oldenburg: Wohin mit dem Geld? Foto: Viktor STrasse, Getty Images [M]
Vor einigen Tagen habe ich mit einem erfolgreichen Gründer gesprochen, der gerade einen zweistelligen Millionen-Exit hingelegt hat. Er ist um die vierzig, hat zwei Kinder, die noch nicht zehn sind.
Er hat sich umgehört, was man so macht in dieser erfreulichen Lebenssituation. Die fühlt sich nämlich gerade nicht so an. Er grübelt darüber, wie er eine liechtensteinische Stiftung gründen kann, als Schutzschild für sein Geld. Gegen die Gefahren der Gegenwart. Falls er wegziehen möchte. Die Uhr tickt, eine Lösung muss her für das Geld, das bald liquide wird.
Er fragt mich als Experten und ehemaligen Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, was ich von der Konstruktion halte, die ihm empfohlen wurde. Von anderen Unternehmern, die sich in Onlineforen zu Stiftungsholdings und Steueroptimierung austauschen. Von Steueranwälten. Und vermutlich von Künstlicher Intelligenz. Damit ist er inzwischen der Normalfall: Seit 2025 werden in Deutschland mehr Stiftungen zum Schutz von Privatvermögen gegründet als für einen gemeinnützigen Zweck.
Stiftungslösung hat sich überlebt
Ich zögere. Natürlich könnte ich ihm etwas dazu sagen. Das Fürstentum, von dem er sich magische Eigenschaften erhofft, gibt es so seit fast zwanzig Jahren nicht mehr. 2008 zählte Liechtenstein gut 50.000 Stiftungen, Ende 2025 waren es noch knapp 9000. Vier von fünf sind verschwunden, seit die Steueraffäre von 2008, die Stiftungsrechtsreform und der automatische Informationsaustausch das Geschäftsmodell der Diskretion beendet haben.
Was übrig ist, hat das deutsche Außensteuergesetz im Blick: Solange er die Kontrolle über seine Stiftung behält, rechnet ihm das Finanzamt ihre Erträge zu, als hätte er sie selbst erzielt. Entlastung gibt es erst, wenn er die Verfügungsmacht tatsächlich an einen Stiftungsrat in Vaduz abgibt. Und die Übertragung des Vermögens kostet Schenkungsteuer in der ungünstigsten Steuerklasse, 30 bis 50 Prozent. Vermutlich sind also die Anwaltskosten zu hoch, vermutlich muss er das Geld jetzt oder später doch versteuern, wenn er es nicht so fesselt, dass er nichts mehr damit anfangen kann.

Steuerberater
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Das sind aber alles Optimierungsfragen, sozusagen die äußerste der vielen Schalen der Zwiebel, die der Umgang mit Geld für viele darstellt. Und sie zu schälen, kann schon einmal Tränen produzieren. Denn die Frage der nächsten Schale ist schon herausfordernd: Was ist genug? Wie viel wird er für sich und seine Kinder wirklich brauchen?
In der vergangenen Dekade sind hier viele Unterstützungsangebote entstanden. Ich kenne eine Handvoll Coaches, die auch in Deutschland arbeiten, eine nennt sich sogar „Enoughness Advisor“. Und das Enough Project von Robert Boogaard stellt online sogar ein Excel-Sheet bereit, mit dem man sein persönliches Genug durchrechnen kann.
Erosion der Demokratien aufhalten
Aber auch diese Frage ist schwer zu beantworten ohne die darunterliegenden: Was ist der Sinn seines Geldes? Was soll es für den Besitzer leisten in seinem noch langen Leben und dem seiner Kinder? Soll es neue Ideen finanzieren? Oder diversifiziert und anonym in Offshore-Fonds angelegt werden?
Das führt uns zu seinen Sorgen, was die aktuelle Entwicklung der Welt angeht. Sie sind die gleichen zwei Problemkreisläufe wie bei den meisten anderen Menschen, mit denen ich spreche: der Klimawandel und die dadurch verstärkte Migration sowie die Folgen von KI und die dadurch verstärkte Erosion der offenen Demokratien. Dabei geht es ihm weniger um die eigene Lebenszeit als um die seiner Kinder.
Und damit kämen wir zum Kern der Zwiebel: In welcher Welt werden seine Kinder leben wollen? Was werden sie sich gewünscht haben, dass er mit dem Geld tut? Diese Übung im Futur II legt für viele offen, worum es in Familien eigentlich geht. In meiner Erfahrung wird es hier wieder einfacher, denn die meisten wüssten, was sie sich heute von den Geldentscheidungen ihrer Eltern wünschen würden. Seine Kinder sind noch keine zehn Jahre alt. Für die Antwort hat er Zeit, für die Frage nicht. Die Uhr tickt. Nur anders, als er denkt.
Das alles war übrigens vor dem Wahlausgang in Sachsen-Anhalt. Wenn wir wieder sprechen, würde ich ihm gern von Studien erzählen, die im Ländervergleich festgestellt haben, wie steigende Vermögensungleichheit populistischen Regierungen ins Amt hilft. Und wie diese die Ungleichheit dann noch verstärken.
Wie er sind viele Privilegierte im Gefangenendilemma: Wenn man annimmt, dass alle anderen ihr Vermögen in mutmaßliche Sicherheit bringen, tut man es auch, nur weil man nicht der Einzige sein möchte, der es nicht tut. Aber die Demokratie, in der unsere Kinder leben sollen, braucht nicht das Verstecken von Geld, sondern seine Nutzung für ihre Interessen.
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SteuernFelix Oldenburg ist Autor („Der gefesselte Wohlstand“, 2025) und CEO des Stiftungs-Start-ups Bcause. Zuvor leitete er den Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Sozialunternehmer-Netzwerk Ashoka. Mit Unternehmen, Podcast und Newsletter ermutigt er alle, die mehr beitragen können, zu einem neuen Geben.
Erstpublikation: 11.09.2026, 04:00 Uhr.

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