Söder reagiert auf Personal-Rochade von Kanzler Merz - Sticheleien und Seitenhiebe gegen die CDU
„Das schöne Leben im Kanzleramt ist vorbei“: Söders vielsagende Reaktion auf Merz’ Personal-Rochade
Stand: 31.07.2026, 13:18 Uhr
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Nach der Wahl Thorsten Freis zeigt sich die Union nach außen geeint. Doch CSU-Chef Markus Söder nutzt die Bühne für Sticheleien gegen den Kanzler.
Berlin/München – Ein deutliches Ergebnis, das Entlastung bringen sollte: Mit 91,9 Prozent der Stimmen hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt. Nach dem Rücktritt von Jens Spahn wegen der Leihmutter-Debatte schien Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die drängendste Personalbaustelle seiner Regierungszeit vorerst geschlossen zu haben.

Doch die anschließende gemeinsame Pressekonferenz im Berliner Jakob-Kaiser-Haus zeigte vor allem eines: CSU-Chef Markus Söder nutzt das Personalchaos in der Schwesternpartei geschickt zur eigenen Profilierung und erlaubte sich dabei auch die ein oder andere spitze Bemerkung. Auf Merz’ Selbstkritik – vorrangig mit Blick auf die parteiinterne Kommunikation – folgte Söders Inszenierung als selbstbewusste Person.
Personal-Rochade von Merz: Söder zeigt sich selbstbewusst und reagiert mit Sticheleien
Der CSU-Chef scheute sich nicht davor, die Wunden der CDU offenzulegen. Mehrmals sprach der bayerische Ministerpräsident betont von einer „turbulenten Woche“ und unterstrich die Verärgerung, die das Personalkarussell hinterlassen habe. Während Merz versuchte, Ruhe auszustrahlen, ordnete Söder die Führungskrise ein: Zwar sei es ein guter Tag gewesen, die könne man aber „nicht automatisch erwarten“, erklärte er. Und weiter: „Denn solche großen Personalrochaden bedeuten ja immer, dass es viele Hoffnungen, manche Enttäuschungen gibt. Und der eine oder andere, der sich freut, der freut sich im Stillen, und wer sich vielleicht ärgert, will da andere teilhaben lassen.“
Darauf folgten Unterstützung für Frei in seiner neuen Aufgabe, aber auch ein Seitenhieb. „Wir von der CSU werden dich natürlich nachhaltig unterstützen, begleiten und auch schauen, dass es am Ende passt“, so Söder. Dann stichelt er: „Das schöne Leben im Kanzleramt ist vorbei. Jetzt beginnt die Kärrnerarbeit in der Fraktion am Ende einer turbulenten Woche.“
Söder verspricht Frei Unterstützung in neuer Aufgabe: CSU-Chef verpasst aber auch Seitenhieb
Für Söder war es die perfekte Chance, um seinem Argument, die CSU sei der „Stabilitätsanker“ der Union, erneut Gehör zu verschaffen. Bewusst setzte er deshalb den Kontrast mit seiner Wortwahl. Er hob das Chaos aufseiten der CDU hervor und setzte den Kanzler unter Druck. Alle treiben „die tiefe Sorge“ um das Land um. Obwohl die Bundesregierung zügiger arbeite als vorangegangene Koalitionen, stellte der CSU-Chef klar: „Es reicht noch nicht angesichts der Herausforderungen.“ Dem Kanzler blieb auf der Bühne nur ein knappes „Ja“, um die indirekte Kritik zu quittieren.
Die CSU hingegen stellte er als eine Art sichere Zone und Instanz der Vernunft in der Union inmitten der Krise dar. Die CSU sei „von Anfang an klar“ gewesen, habe „versucht, Stabilität zu geben“, beschrieb Söder die Lage.
CSU-Chef Söder hält sich mit geschickter Politik im Sattel
Trotz Söders selbstbewusstem Auftreten in Berlin ist die Lage für die CSU im Heimatland keineswegs frei von Problemen. Nach schmerzhaften Verlusten bei den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr und anhaltendem Druck durch die Freien Wähler sowie die AfD gärt es auch in der Münchner Parteizentrale. Dass Söder innerparteilich dennoch fest im Sattel sitzt, liegt auch an seiner geschickten Personalpolitik: Durch die frühe Platzierung potenzieller Konkurrenten wie Landtagspräsidentin Ilse Aigner für überregionale Aufgaben hält er seine Machtbasis im Freistaat wirksam abgesichert.
Für Aigner war es indes eine wegweisende Woche: Zuerst äußerte sich Merz wohlwollend über ihre Chancen, erste Bundespräsidentin Deutschlands zu werden. Danach räumte Söder eines der letzten Hindernisse weg, indem er Ambitionen aufs Kanzleramt begrub. Aigner ist Favoritin für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier – getragen wird ihre bisherige politische Karriere von hohen Sympathiewerten.
In dem Wirbel um die Kabinettsumbildung von Kanzler Merz ging unter, was der CDU-Vorsitzende zu Wochenbeginn über die Chancen der bayerischen Landtagspräsidentin auf die Steinmeier-Nachfolge sagte: „Ilse Aigner ist sicherlich eine respektable, denkbare Bundespräsidentin.“ (Quellen: Tagesspiegel, Welt, dpa, eigene Recherche) (bb)