DB-Lokführerin offenbart Fehler von Fahrgästen im Regio, der Schuld an Verspätungen ist


Stand: 03.09.2026, 07:16 Uhr

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Viele Fahrgäste wissen nicht, dass sie mit einem bestimmten Verhalten im WC Verspätungen in Regio-Zügen verursachen können.

Hamburg – Eine Reise mit dem Zug sollte im besten Fall einfach, schnell und komfortabel sein. Leider machen viele Fahrgäste der Deutschen Bahn jedoch regelmäßig andere Erfahrungen. Kaputte Klimaanlagen, überfüllte Abteile und Verspätungen gehören für viele zum Alltag. Vor allem vermissen viele Reisende die Verlässlichkeit. Im vergangenen Jahr kamen nur rund 60 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich an ihrem Zielbahnhof an. Aktuelle Zahlen des Verkehrsministeriums belegen zudem, dass acht Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn ausgefallen oder mit weniger Waggons als geplant im Einsatz waren – das ist fast jeder zwölfte Zug.

Bahnsteig

Bei der Deutschen Bahn kommt es häufig zu Verspätungen. Überfüllte Bahnsteige sind eine Folge. (Symbolbild) © IMAGO / Sven Simon

Die Ursache für die meisten Verspätungen liege laut der Deutschen Bahn an Baustellen und Störungen der Infrastruktur. Aber auch Fahrgäste können zu Verspätungen beitragen – und das auf eine Art und Weise, die den wenigsten bekannt sein dürfte. „Einer der häufigsten Gründe ist ein WC-Notruf“, sagt Marie Schöller* der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Sie ist als Triebfahrzeugführerin bei DB Regio tätig. Das Drücken des Notrufs geschehe oft aus Versehen: „Der Fahrgast sitzt auf dem Klo und drückt statt auf die Klospülung eben den großen, roten, fetten SOS-Knopf.“

Lokführerin: Fahrgäste vertauschen die WC-Spülung mit dem SOS-Knopf

Dadurch bekomme die Lokführerin vorn einen Alarm und sei verpflichtet, bei nächster Gelegenheit, also beim nächsten Halt, nachzusehen. „Es könnte ja schließlich wirklich jemand in Not sein. Man könnte nun meinen, das sei mal eben erledigt. Leider ist das nicht so“, berichtet Schöller. Zunächst müsse sie alle notwendigen Stellen benachrichtigen – der Fahrdienstleiter müsse Bescheid bekommen, zudem müsse der Vorfall für die Transportleitung in einer App gemeldet werden. Diese würden sich dann für einen möglichen Ernstfall bereithalten. Und auch die Fahrgäste möchten informiert werden, wieso der Zug nicht weiterfährt.

Im nächsten Schritt werde das Fahrzeug gegen Wegrollen gesichert und die Lokführerin müsse gegebenenfalls durch mehrere Fahrzeuge gehen, um zum betreffenden WC zu gelangen. Ist sie dort angekommen, ist der Fahrgast meist schon wieder weg und der nächste bereits auf dem Klo – „Wie der das unangenehme Piepsen da drin aushält, ist mir ein Rätsel!“ Danach müsse Schöller alles wieder rückgängig machen, „überall Entwarnung geben, das Fahrzeug wieder fahrbereit machen und hoffen, dass inzwischen nicht ein anderer Zug vorgelassen wird – sonst steht man noch länger.“

Wer sich nicht die Hände wäscht, verursacht ein Problem

Zu ähnlichen Szenen komme es, wenn Fahrgäste ihre Hände nicht waschen würden. In Zügen wird das Wasser aus dem Waschbecken als Brauchwasser für die Toilettenspülung wiederverwendet – fehlt es, versagt die Spülung. „Wenn sich nun über längere Zeit niemand die Hände wäscht – und das müssen dann schon einige sein –, fehlt irgendwann dieses Brauchwasser und die Spülung funktioniert nicht mehr“, erklärt Schöller. Daraufhin bekomme sie wiederum eine Störungsmeldung, der sie nachgehen müsse. Denn es könnte auch sein, dass die ganze Zeit Wasser läuft und alles flutet. „Also muss ich wieder nach hinten und mir das Ganze ansehen.“ In den meisten Fällen sei der Grund dann tatsächlich das fehlende Brauchwasser.

Beide Szenarien kosten im Ablauf Zeit, und die ist im deutschen Schienennetz meist knapp bemessen. Die Triebfahrzeugführerin betont, dass das Schienennetz vielerorts so dicht belegt ist, dass schlicht kaum Spielraum bleibt – Verzögerungen setzen sich im ganzen Netz fort. „Pünktlichkeit entsteht eben nicht allein vorn im Führerstand“, so Schöller.

Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn: „In der Tat kann das Fahrgastverhalten Verspätungen verursachen, beispielsweise wenn Türen offengehalten oder Lichtschranken blockiert werden.“ Gesonderte Zahlen gebe es dazu jedoch nicht, da diese je nach System, also S-Bahn, Regio oder Fernzug, „höchst unterschiedlich ausfallen“. Grundsätzlich versuche die Bahn, durch Fahrgäste verursachte Verspätungen durch Services weitestgehend zu reduzieren. So sollen etwa Auslastungsanzeigen an Bahnsteigen und in der App helfen, damit Reisende sich gleichmäßiger verteilen – und Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen von vornherein vermieden werden. (Quellen: Deutsche Bahn, eigene Recherche)

*Marie Schöller möchte anonym bleiben. Ihr echter Name ist der Redaktion bekannt. Sie berichtet von persönlichen Erfahrungen und spricht nicht im Namen ihres Arbeitgebers.