Der Italo-Flitzer kommt: Konkurrenz für den ICE der Deutschen Bahn


Stand: 21.07.2026, 07:00 Uhr

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Blau, nicht rot – so sollen die Italo-Züge aussehen.

Die Italo-Züge erhalten, wie diese Grafik verrät, ein blaues Design – nicht rot wie in Italien. © Italo Holding

Konkurrenz für das DB-Flaggschiff ICE: 2028 kommt italienische Eleganz auf Schienen. Italo will auf zwei Strecken fahren.

München – Es wird ernst für die Deutsche Bahn: Die italienische Privatbahn Italo Holding kommt nach Deutschland. Vertreter des italienischen Bahnunternehmens und Siemens Mobility unterzeichneten am Montag in München einen Vertrag über Kauf und Bau von 26 Hochgeschwindigkeitszügen und deren Wartung über 30 Jahre. Zudem enthält der Vertrag eine Kaufoption über 14 weitere Züge. Der Ferrari auf Schienen kann kommen. Ab Mitte 2028 sollen die Züge des Typs Velaro, die im Siemens-Werk Krefeld-Uerdingen gebaut werden, auf den Strecken München–Köln–Dortmund (über Frankfurt) sowie München–Berlin–Hamburg unterwegs sein. Stopps in 18 Städten und insgesamt täglich 50 Verbindungen verspricht Italo. die Wartung der Züge erfolgt im Siemens-Mobility-Depot Dortmund. Um die Verfügbarkeit der Flotte sicherzustellen, setzen Italo und Siemens auf KI: Der Vertrag beinhalte „Railigent X sowie weitere KI-gestützte Services“.

Auf die Züge darf man gespannt sein: Acht Wagen, 440 Sitzplätze, bis zu 320 km/h schnell. Drei (statt wie bei der DB zwei) Reiseklassen Club Exekutive, Prima Business und Smart, Bistrowagen, ultraschnelles Internet über 5G und Starlink – so jedenfalls das Versprechen der Italiener. „Wir wollen den Fahrgästen in Deutschland eine größere Auswahl, häufigere Verbindungen, faire Preise und hochwertigen Service bieten“, lässt sich der Italo-CEO Gianbattista La Rocca zitieren.

Für Siemens, in der Bahntechnik mit der Lokomotive „Vectron“ international ohnehin auf der Erfolgsspur unterwegs, kommt der Auftrag zur rechten Zeit: Die ICE-Flotte der Deutschen Bahn, 400 Stück, gilt eher als zu groß als zu klein, weitere Bestellungen sind nicht zu erwarten. Zuletzt orderte die DB zudem bei Talgo in Spanien. „Die Entscheidung der Italo Holding ist ein starkes Vertrauensvotum für Siemens Mobility“, erklärte deren Chef Michael Peter.

Italo will 3,6 Milliarden Euro investieren, in Züge, aber auch in Bahnhöfe (womit der Aufbau von Vertriebszentren gemeint sein dürfte). Die Einstellung von 2500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist geplant. Der Deal war schon länger angekündigt. Jetzt wird es konkret, nachdem die Bundesnetzagentur vergangene Woche einen Beschluss gefasst hatte, der den deutschen Fernverkehrsmarkt noch kräftig durcheinanderwirbeln könnte: Die DB InfraGo darf künftig maximal 60 bis 75 Prozent der Trassen auf einer Strecke an ein Unternehmen vergeben.

Mit anderen Worten: Die ICE-Züge der Deutschen Bahn, die derzeit einen Marktanteil von weit über 90 Prozent in Deutschland haben, werden Verbindungen an Konkurrenten abgeben müssen. Neben Italo steht auch Flixtrain in den Startlöchern, sie wollen ebenfalls ab 2028 mit 30 Talgo-Zügen verstärkt in den Fernverkehr einsteigen. Italo kommt, obwohl die Eisenbahner-Gewerkschaft EVG und auch Verkehrsminister der Länder gewarnt hatte. Sie befürchtet, dass die DB im Gegenzug ICE-Verbindungen in bis zu 16 mittelgroßen Städten streichen könnte. Genannt wurden von der EVG etwa Augsburg und Münster.