Der Polestar 4 SUV ist schön – und praktisch wie ein Lifestyle-Kombi
Österreich-Premiere
Der Polestar 4 SUV ist schön – und praktisch wie ein Lifestyle-Kombi
Das Coupé bekommt eine Version mit mehr Nutzwert, außerdem sitzt es sich hinten nach oben hin bequemer. Marktstart ist Ende des Jahres
Andreas Stockinger
"Das Auto wurde direkt aus Südkorea eingeflogen, wo es auch produziert wird." Matthias Schabetsberger, seit rund einem Jahr Geschäftsführer von Polestar Österreich, hat bei der Österreich-Premiere des Neuzugangs im Polestar Space Vienna – Eigentümer ist inzwischen Auto Stahl – in der Wallnergasse einiges zu berichten, zu Polestar generell, zum Neuzugang speziell.
Beginnen wir gleich mit "speziell". Als die schwarzen Hüllen fallen, zeigt sich das, was bei Polestar meist der Fall ist: Ein Stück wohlgeformtes Automobil. Sogar mit direkter Durchsicht nach hinten. Denn anders als das ebenfalls ästhetisch hochwertige viertürige Coupé, das keine Heckscheibe mehr hat und wo das Verkehrsgeschehen im Rücken der Fahrerin respektive des Fahrers nur per digitalem Rückspiegel eingeblendet wird, ermöglicht das Konzept in dem Fall glasklare Aussichten.
Digitalen Spiegel gibt es auch, praktisch, wenn der Wagen einmal bis zum Dach vollgeladen ist, ansonsten ist man aber mit einmal leicht kippen wieder in der analogen Spiegelschau. Am elektrochromatischen Panoramaglasdach ändert sich nichts, weil das Heck aber ab der C-Säule nicht so stark abfällt, bleiben für die Hinterbänklerinnen zweieinhalb Zentimeter mehr Kopffreiheit.
Jetzt zur praktischen Seite, die ist schließlich die Stärke des P4 SUV. 530 Liter Kofferraum, das klinge vielleicht nicht nach viel mehr als im Coupé, bei dem es 525 Liter seien, erläutert Schabetsberger – im realen Allag lasse sich der Wagen aber einfach besser beladen. Es verhält sich ähnlich wie bei Škoda und Enyaq Coupé: Auch bei denen ist in schierer Messgröße nicht viel Unterschied. Weil im SUV-Fall aber die Heckklappt aufrechter steht, lässt sich auch sperrigeres Ladegut hinein- und verfrachten.
Was nicht hinten reinpasst, kann oben rauf oder hinten dran. Oben rauf: Die serienmäßige Dachreling ist auf bis zu 100 Kilogramm in Fahrt ausgelegt, und als Zuglast bewältigt der Hecktriebler 1,5 Tonnen Zuglast, der Allradler zwei. Und wenn Ihnen der Saft im E-Bike oder im Laptop oder im Elektrorasierer ausgeht: Vehicle-to-Load (V2L) beherrscht der P4 als erster Polestar, das gilt auch für den SUV, und zwar bis zu 3,3 kW Leistung.
Mit 4,84 m ist der SUV genau so lang wie das Coupé, dasselbe gilt für die komfortablen drei Meter Radstand, und natürlich ist auch das Cockpit, ist auch die Technik unterm Blech ident. Gereicht wird demnach eine E-Plattform mit 400-Volt-Technik, der NMC-Akku mit 94 kWh Nettokapazität bringt den Hecktriebler bis zu 630 WLTP-Kilometer weit, den Allradler immerhin noch 600, die 10-80-Prozentfüllung ist in einer halben Stunde erledigt, das Lademaximum liegt bei 200 kW. Angetrieben wird mit Permanentmagnet-Synchronmotoren, einmal nur hinten mit 200 kW (272 PS), einmal auf allen vier Rädern mit 400 kW (544 PS).
Und preislich? Los geht’s beim Rear Motor bei 57.990 Euro, beim Dual bei 63.990 Euro, "zur Einschätzung: Damit liegt der SUV brutto 2000 Euro unter dem Coupé", so Schabetsberger.
Bevor wir kurz zum allgemeinen Teil kommen, kurz noch die Sache mit dem Konzept. Mit 1,56 m Höhe bleibt der Wagen weit unter dem gängigen Format vergleichbar großer SUVs, überhaupt flüstert einem die ganze Silhouette nur zu: Ich bin ein Kombi! Frägt sich einerseits bei der großen Kombi-Tradition von Volvo, die bei Polestar immer noch mitschwingt, andererseits der immer noch Kombiverliebtheit in Mitteleuropa, warum sie nicht gleich dieses Schild dranhängen. Toyota macht das mit dem bZ4X Touring geschickter, der ist einen Zentimeter kürzer und zwölf höher, hat aber immer noch eine eindeutige Kombi-Silhouette und wird auch als solcher angepriesen.
Sehr fesch und vermutlich recht praktisch, bleibt also nach dem ersten Blickkontakt, der ersten Sitzprobe bei der Österreich-Premiere zu sagen, und damit zur Entwicklung der Geely-Konzernmarke global und in unseren Breiten.
In 31 Märkten sei Polestar inzwischen präsent, berichtet Schabetsberger, 2000 Mitarbeiter etwa seien weltweit beschäftigt, und im ersten Halbjahr wurden heuer im ersten Halbjahr 30.423 Fahrzeuge verkauft – ein mageres Plus von 0,4 Prozent.
Besser lief es offenbar in Österreich, 610 Neuzulassungen bedeuten ein Plus von elf Prozent gegenüber dem vorjährigen Vergleichszeitraum. Im gesamten Vorjahr kam Polestar auf 759 Stück. Das erklärt sich unter anderem durch die Umstellung des Vertriebskonzepts, weg vom reinen Online-Direktvertrieb, hin zum sogenannten "unechten Agenturmodell" mit Einzelhandelspartnern.
Mit entsprechenden Auswirkungen, denn laut Schabetsberger "hatten wir vor einem Jahr wir drei Standorte, die Polestar Spaces in Wien, Graz und Linz, inzwischen sind es 13." Polestar nähert sich damit der Flächendeckung.
Wie es modellseitig weitergeht? Im dritten oder vierten Quartal 2027 kommt der neue Polestar 2 in den Handel, das erste Modell, das in die zweite Generation geht. Im Jahr darauf soll der P7 startbereit sein, ein SUV im riesigen C-SUVC-Segment. Und weil eingangs von Korea die Rede war: Tatsächlich und interessanterweise wird der Polestar 4 im Werk von Renault-Samsung in Busan gebaut. Vermutlicher Grund? Zölle umgehen, Lieferketten diversifizieren. (Andreas Stockinger, 16.9.2026)
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