(+) Stadt kaufte Altbau – dann kam der alarmierende Befund
Hamburg
„Kritischer Zustand“: Auch dieses Haus in Altona mussten die Bewohner räumen
Leere Wohnungen, und das seit Monaten: In der Schumacherstraße musste ein Gebäude geräumt werden, weil es sich in „kritischem Zustand“ befindet. Eigentümerin ist die Stadt.
Ein schöner Altbau in Altona, direkt neben der Großen Bergstraße. Doch die Fenster sind dunkel und staubig. Denn seit fünf Monaten steht das Gebäude leer. Ähnlich wie in der Holstenstraße mussten die Mieter ausziehen, weil das Gebäude einsturzgefährdet ist. Pikant: Eigentümerin ist die Stadt – und die hat erst nach dem Kauf mitbekommen, wie marode das Haus ist.
Am 30. April ist der letzte Bewohner ausgezogen. Das Gebäude gilt als „stark sanierungsbedürftig“. 2020 wurde es von der Stadt gekauft, zuständig ist die Finanzbehörde. Im Sommer 2025 wurde dann das Ergebnis eines technischen Prüf- und Zustandberichtes bekannt, das auf keine ausreichende Tragfähigkeit hinwies, wie das „Abendblatt“ zuerst berichtete.
Haus in Altona in „kritischem Zustand“ – Bewohner mussten raus
Auf Nachfrage bei der Finanzbehörde teilt diese mit, dass sich das Gebäude „aufgrund seines Alters, der intensiven Nutzung und des baukonstruktiven Erhaltungszustands in einem kritischen Zustand befindet.“
Die Mieterinnen und Mieter seien vorsorglich aus Gründen der Sicherheit in alternativen Unterkünften untergebracht worden, heißt es weiter von Sprecher Claas Ricker.
Zum Zeitpunkt des Kaufes, war von den gravierenden Mängeln noch nichts bekannt, lediglich der sanierungsbedürftige Zustand. „Eine eingehende Begutachtung durch einen Bausachverständigen konnte – wie regelhaft in solchen Konstellationen – aufgrund der engen gesetzlichen Fristbindung im Verwaltungsverfahren zur Vorkaufsrechtausübung nicht erfolgen“, so die Finanzbehörde.
Was aus dem Haus an der Schumacherstraße werden soll
Jetzt steht das Haus seit Monaten leer, viel scheint sich noch nicht getan zu haben. „Derzeit ist geplant, das Grundstück für eine Wohnnutzung im Erbbaurecht im Rahmen einer Konzeptausschreibung zu vergeben“, sagt Ricker. Einzelheiten zu der Ausschreibung müssten noch mit Fachbehörden und dem Bezirk abgestimmt werden.
Und wenn sich niemand findet? Dann soll es eine Konzeptausschreibung für Rückbau und anschließenden Neubau geben, weiterhin für eine Wohnnutzung.
Fall erinnert an Holstenstraße
Der Fall erinnert, wenn auch in nicht so gravierender Form, an das Schicksal der Holstenstraße 195/197. Dort mussten Mieter und Mieterinnen binnen weniger Minuten ihre Habseligkeiten zusammenpacken und ihre Wohnungen verlassen, nachdem eine Einsturzgefährdung festgestellt worden war.
Mitte August wurde das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, teilweise abgerissen. Die Mieterinnen und Mieter werden dem Eigentümer vor, das Gebäude nicht ordentlich instand gehalten zu haben.