Der Waldmann war noch nicht zu fassen


Stand: 29.08.2026, 07:02 Uhr

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Wald

In einem Wald in Schaftlach (Symbolbild Archiv) hatte sich der bedrohlich auftretende Mann eingerichtet. © Archiv Thomas Plettenberg

Nach Vorfällen in Schaftlach sollte der aggressiv auftretende Obdachlose in eine Sammelunterkunft für Asylbewerber gebracht werden. Doch die Polizei sucht weiterhin nach dem 35-Jährigen.

Schaftlach – Der Waldmann ist nicht zu fassen – zumindest bisher: Der obdachlose Tunesier (35), der sich in einem Waldstück eingerichtet hatte und mit seinem aggressiven Auftreten die Bürger in Schaftlach in Angst versetzt, konnte bis Freitagabend nicht wie geplant in eine Asylbewerberunterkunft im Nordlandkreis gebracht werden. „Wir sind seiner noch nicht habhaft geworden“, erklärt Thomas Heinrich, Leiter der Polizeiinspektion Bad Wiessee. „Wir wissen nicht, wo er sich aufhält.“

Mann hat Lager im Wald verlassen

Der Obdachlose hatte sich wohl seit Juni in einem Wald bei Schaftlach eingerichtet, knapp auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Warngau, aber nur unweit des Schaftlacher Kindergartens. Das Lager habe der Obdachlose wohl schon vor einigen Tagen aufgegeben, berichtet Heinrich. Der Tunesier hält sich aber vermutlich noch in Schaftlach auf: Am Freitag sei der Polizei mitgeteilt worden, dass er am Donnerstag im örtlichen Edeka eingekauft habe. Die Polizei bestreife den Bereich intensiv, soweit es die Einsatzlage zulasse, um den Mann aufgreifen zu können. „Schaftlach ist für uns ein Schwerpunkt“, sagt Heinrich. „Das liegt mir schwer im Magen.“

Weil der Tunesier über ein gültiges Visum verfügt und die bisherigen Straftaten keine Haft begründen, können die Behörden ihn bislang schwerlich festsetzen. Am Mittwoch hatten sich Polizei, Gemeinden und Landratsamt dennoch darauf verständigt, den Obdachlosen in eine Asylunterkunft im Nordlandkreis zu bringen, wo – wie berichtet – rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst vor Ort ist. Ein sinnvolles Vorgehen, um den unberechenbaren Mann besser im Auge zu behalten und unter Kontrolle zu bringen, glaubt Heinrich – auch wenn man sich rechtlich auf dünnem Eis bewege. Der 35-Jährige ist ein freier Mann, dürfte die Unterkunft jederzeit wieder verlassen. „Vielleicht“, hofft Heinrich, „spielt uns bald die Witterung in die Hände.“

Behörden inzwischen in stetigem Austausch

Die Polizei fühle sich nicht von der Justiz alleingelassen, man sei auch mit der Staatsanwaltschaft in engem Austausch. „Die Haftfrage ist geprüft worden, aber von der Qualität der Delikte her ergibt sich keine Handhabe.“ Der PI-Chef betont, dass in der Causa inzwischen alle Behörden an einem Strang ziehen. „Wir wollen nicht, dass einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt.“ Aber die Sache sei wirklich nicht einfach. Ihn erreichten inzwischen auch überregionale Presseanfragen. „Man stürzt sich gern auf Behördenversagen, aber das haben wir in diesem Fall definitiv nicht.“ Alle Beteiligten seien in engem Austausch, um eine Lösung zu finden – für die Bürger, aber letztlich auch für den 35-Jährigen selbst, der offenkundig unter psychischen Problemen leide.