FIFA-Schiedsrichter und bei zwei Weltmeisterschaften dabei: Trauert um Schiedsrichter-Legende
Deutsche Schiedsrichter-Legende Prokop ist tot
Stand: 14.08.2026, 07:28 Uhr
Er leitete Partien bei gleich zwei WM-Turnieren, war bei Olympia dabei. Nun die traurige Nachricht, nachdem Prokop kürzlich noch bei einem Jubiläum dabei war.
Erfurt – Der deutsche Fußball trauert um Adolf Prokop. Der gebürtige Erfurter und langjährige FIFA-Schiedsrichter ist am Mittwoch (12. August) im Alter von 87 Jahren gestorben. Prokop gilt als der erfolgreichste Schiedsrichter in der Geschichte des Thüringer Fußballs – eine Karriere, die ihresgleichen sucht.

Von 1969 bis 1988 leitete Prokop insgesamt 283 Spiele in der DDR-Oberliga. Seit 1973 gehörte er der FIFA-Schiedsrichterliste an und pfiff bei den Weltmeisterschaften 1978 und 1982, den Europameisterschaften 1980 und 1984 sowie den Olympischen Spielen 1976 in Montreal. Dazu kamen 60 Europacup-Partien – darunter drei Endspiele auf höchster Ebene.
Schiedsrichter Prokop leitete neben WM-Spielen auch mehrere Europapokal-Endspiel
Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählten das UEFA-Supercup-Hinspiel 1979 zwischen Nottingham Forest und dem FC Barcelona, das UEFA-Cup-Finale 1981 zwischen Ipswich Town und AZ Alkmaar sowie das Finale im Europapokal der Pokalsieger 1984 zwischen Juventus Turin und dem FC Porto – eine Vita, die für sich spricht.
„Adolf Prokop ist der erfolgreichste Schiedsrichter in der Thüringer Fußball-Geschichte. Sein Wirken wird weit über seine aktive Laufbahn hinaus in Erinnerung bleiben“, sagte TFV-Präsident Udo Penßler-Beyer. Auch der Thüringer Fußball-Verband würdigte ihn: „Mit ihm verliert der Thüringer Fußball eine prägende Schiedsrichterpersönlichkeit seines Landes und einen Menschen, der den Fußball über Jahrzehnte hinweg mit großer Leidenschaft begleitet und geprägt hat.“
Unumstritten war Prokop freilich nie. Immer wieder gab es Zweifel an seiner Neutralität, insbesondere wegen seiner Nähe zum DDR-Rekordmeister BFC Dynamo. Nach der Wende wurde bekannt, dass er bei der DDR-Staatssicherheit als Offizier im besonderen Einsatz gedient und den Rang eines Oberstleutnants erreicht hatte.
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb Prokop dem Fußball treu. Er engagierte sich im Schiedsrichterausschuss des TFV, arbeitete als Beobachter und Mentor und pflegte die Verbundenheit zur Schiedsrichterfamilie. Noch Ende 2025 gab er seine Erfahrungen bei der Ausbildung junger Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter weiter.
Bereits beim 50. Treffen der ehemaligen DDR-Oberliga-Schiedsrichter im Juni wirkte Prokop gesundheitlich angeschlagen. Nach einem Urlaub musste er in ein Erfurter Krankenhaus eingeliefert werden. Zwar konnte er noch einmal nach Hause zurückkehren, verstarb jedoch nun während eines erneuten Klinikaufenthalts. (rele)