Sonnenfinsternis verteuert den deutschen Strom: 46 Cent pro Kilowattstunde


Deutschland besonders betroffen: Sonnenfinsternis lässt Strompreise explodieren

Stand: 12.08.2026, 14:40 Uhr

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Am heutigen Mittwoch verdunkelt eine Sonnenfinsternis den Himmel. Die Strompreise schnellen kurzzeitig in die Höhe. Verbraucher spüren davon vorerst wenig.

München – Wenn am heutigen Mittwochabend der Mond große Teile der Sonne verdeckt, wird es in Deutschland nicht nur dunkler, sondern für kurze Zeit auch deutlich teurer. Die partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026 sorgt am deutschen Strommarkt für ungewöhnlich starke Preissprünge. Grund dafür ist ein plötzlicher Rückgang der Solarstromproduktion, der genau in die Abendstunden fällt, in denen ohnehin schon die Nachfrage hoch ist.

Monika Barthold und ihr Sohn Tim warteten vor dem Stechlkeller auf die Sonnenfinsternis.

Nur mit geprüfter Schutzbrille dürfen Beobachter am Mittwochabend in die teilweise verdeckte Sonne blicken. © Rieger

Sonnenfinsternis über Europa: Warum sie die Strompreise treibt

Schiebt sich der Mond vor die Sonne, sinkt die Einspeisung aus Photovoltaikanlagen spürbar. Nach offizieller Einschätzung des europäischen Übertragungsnetzbetreiber-Verbands Entso-E könnte die Solarstromerzeugung europaweit bei klarem Himmel zwischen 19.15 und 21.30 Uhr um bis zu 9,7 Gigawatt zurückgehen. Für Deutschland allein rechnen die deutschen Übertragungsnetzbetreiber mit einem Rückgang von bis zu zwei Gigawatt bei einer insgesamt installierten PV-Leistung von über 110 Gigawatt. Entso-E weist zudem darauf hin, dass Spanien und Deutschland am stärksten betroffen sein dürften. Weil beide Länder auf viel Solarenergie setzen, reagieren ihre Strommärkte besonders empfindlich auf den kurzen Produktionsausfall.

Die Folgen zeigten sich bereits in den am Dienstag festgelegten Day-Ahead-Preisen. Für die Stunde zwischen 19 und 20 Uhr liegt der Preis bei rund 300 Euro je Megawattstunde, etwa 122 Euro mehr als am Vortag, wie der Energiemarktdienst Montel vorrechnet. Für die Stunde von 20 bis 21 Uhr werden ebenfalls rund 300 Euro fällig, ein Plus von etwa 101 Euro. Noch deutlicher fallen die Sprünge in einzelnen Viertelstunden aus. Von 19.45 bis 20 Uhr wurden 461,17 Euro je Megawattstunde angesetzt, umgerechnet 46,1 Cent pro Kilowattstunde. Von 20 bis 20.15 Uhr waren es 402,50 Euro. Gegenüber den gleichen Zeiträumen am Vortag entspricht das Aufschlägen von rund 205 beziehungsweise 195 Euro je Megawattstunde. An der österreichischen Strombörse EXAA lagen die Preissignale für dieselben Viertelstunden am Vormittag noch bei 311,71 Euro und 284,99 Euro, bevor sie am Nachmittag deutlich nach oben korrigiert wurden.

Ein Ereignis, das sich genau vorhersagen lässt: Was es für Haushalte tatsächlich bedeutet

Ungewöhnlich ist dabei weniger das Ereignis selbst als seine Vorhersehbarkeit. „Anders als etwa eine Wolkenfront ist eine Sonnenfinsternis sehr genau vorhersehbar“, sagt Vincent Thevenin, Energiemarktexperte für Deutschland bei Montel Analytics, gegenüber pv-magazine. „Netzbetreiber und Marktteilnehmer können sich deshalb gut darauf einstellen. Die Day-Ahead-Preise zeigen aber bereits einen deutlichen Effekt. Bemerkenswert ist vor allem, wie stark einzelne Viertelstunden rund um das Ereignis reagieren.“ Genau diese Kombination aus Planbarkeit und trotzdem hohen Preisausschlägen macht das Ereignis für Marktbeobachter interessant. Die Sonnenfinsternis trifft zudem auf eine ohnehin angespannte Lage im europäischen Stromsystem. Hitze und Trockenheit belasten derzeit die Erzeugung und erhöhen gleichzeitig den Bedarf, etwa durch den Betrieb von Klimaanlagen. Dadurch steht weniger flexible Kraftwerksleistung zur Verfügung, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen.

Für die meisten privaten Verbraucher hat das kurzfristig kaum spürbare Folgen. Die Preise an der Strombörse machen nur einen Teil des Endkundenpreises aus, sodass Haushalte mit klassischen Tarifen die Schwankungen am Mittwochabend in der Regel nicht direkt auf ihrer Rechnung bemerken. Anders sieht es bei Kunden mit dynamischem Stromtarif aus, deren Abrechnung sich unmittelbar am Börsenpreis orientiert. Der Ökostromanbieter Octopus Energy warnte diese Kunden eigenen Angaben zufolge aktiv vor der Preisspitze zwischen 19.30 und 20.30 Uhr, wie das Portal Cleanthinking berichtet. Auch die Versorgungssicherheit soll gewahrt bleiben. Die Netzbetreiber haben laut Entso-E eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Lage bewertet und bei Bedarf kurzfristig Maßnahmen einleiten kann. Marktteilnehmer erhalten zudem häufiger aktuelle Wetterdaten, geplante Wartungsarbeiten wurden verschoben, um zusätzliche Kapazitäten bereitzuhalten.

Sonnenfinsternis über Deutschland: Sicherheitshinweise für Sonnengucker

Wer das Naturschauspiel selbst beobachten möchte, sollte laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) unbedingt seine Augen schützen. Die größte Bedeckung wird in Freiburg mit rund 90 Prozent erreicht, in Berlin sind es etwa 85 Prozen. Ein direkter Blick in die Sonne ohne geeigneten Schutz kann die Netzhaut dauerhaft schädigen, ohne dass dabei Schmerzen auftreten. Als sicherste Methode gilt laut BfS die indirekte Beobachtung per Lochkamera, alternativ eignen sich Schutzbrillen mit der Kennzeichnung DIN EN ISO 12312-2 2015 und CE-Symbol. Normale Sonnenbrillen sowie selbst gebaute Hilfsmittel wie rußgeschwärztes Glas oder Filmstreifen bieten keinen ausreichenden Schutz und sollten nicht verwendet werden. (Quellen: Montel News, ENTSO-E, Cleanthinking.de, The Guardian, pv-magazine, Bundesamt für Strahlenschutz)(ls)