DFB: Wer braucht schon Meister!


Ruth Lang Fuentes

Die ersehnte Regionalliga-Reform im Fußball ist wegen Uneinigkeit gescheitert. Der Protest der Fans ist berechtigt.

Fans von Lok Leipzig
Bislang unwirksame Proteste: Fans von Lok Leipzig beim Aufstiegsspiel in Würzburg, Juni 2026

Foto: Picture Point/mago

M eister müssen aufsteigen. Da sind sich vermutlich alle Fußballfans einig. Selbst die, die sonst dem sächsischen Regionalligisten mit rechtslastiger Fanszene Lok Leipzig wirklich nichts gönnen. Ein Fluch scheint auf dem Verein zu liegen; dreimal ist er in der Regionalliga Nordost schon Meister geworden. Aufgestiegen ist er – trotz Lizenz für die 3. Liga – jedoch nicht.

Der Grund ist die unfaire Aufstiegsregel in die 3. Liga und damit in den Profibereich. Es ist nämlich so, dass es zwar fünf Regionalliga-Staffeln gibt – und damit auch fünf Meister –, dafür aber nur vier Mannschaften pro Saison vom Profi- in den Amateurbereich absteigen. Das heißt: Es bleibt immer ein Meister übrig, der nicht aufsteigt. Es wird noch unfairer: Es ist nicht einmal so, dass etwa die fünf Regionalliga-Meister in einem fairen Wettkampf, einer Art Playoff-Turnier, um die vier Plätze kämpfen (alternativer Vorschlag von meiner Seite).

Nein. Stattdessen dürfen die Meister zweier Staffeln (Südwest und die West) aus dubiosen Einzugsgebietsgründen immer automatisch aufsteigen. Während bei den anderen jährlich rotiert wird: Einer steigt direkt auf, die anderen beiden spielen um den verbleibenden Platz in der 3. Liga. Das führt neben Planungsschwierigkeiten übrigens auch dazu, dass übermäßig viele Klubs in der 3. Liga aus dem Westen der Republik kommen. Wer hätte das gedacht?!

Ist es vielleicht so, dass der DFB die Nord- und Ostvereine doch nicht so wichtig findet?

Nun schien man sich endlich so weit einig, dass spätestens zur Saison 2028/29 ein gerechteres Modell her muss. Es wurden Arbeitsgruppen gegründet und Modelle ausgearbeitet.

Der Unmut bleibt bestehen

Das Ergebnis: keins. Während die Klubverantwortlichen in West, Nord und Nordost für das „Kompassmodell“ stimmten, das eine Reduzierung auf vier Staffeln vorsieht, wollten die im Südwesten das „Regionenmodell“. Dieses würde nämlich bedeuten, dass, surprise, die eigene Staffel bestehen bleibt und dafür Nord, Nordost und Bayern zu zwei Staffeln verschmolzen werden. Und in Bayern? Da wollte man wieder eine ganz andere Lösung. Fazit: Die Reform ist gescheitert. Der Unmut bleibt bestehen. Jedenfalls im Norden, Nordosten und Bayern.

Die Fans der Regionalliga Nordost kündigen zu Recht Proteste an. Der Ball soll in der ersten Spielminute aller Partien der neuen Saison ruhen. Ob das viel bringt? Unwahrscheinlich. Der DFB verspricht derweil erneute Gespräche. Und langsam fragt man sich: So schwer kann das alles doch nicht sein? Oder ist man sich doch nicht so einig, dass die Aufstiegsregel unfair ist? Weil man die Nord- und Ostvereine doch nicht so wichtig findet, wie behauptet? Das wäre doch wirklich eine miese Unterstellung.

Für Lok Leipzig gibt es immerhin eine gute Nachricht: Diese Saison steigt der Nordost-Meister direkt auf. Sie müssen also nur noch ein viertes Mal Meister werden, um aufzusteigen.

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Ruth Lang Fuentes

Ruth Lang Fuentes

Autorin

Geboren 1995 in Kaiserslautern, bis Januar 2023 taz Panter Volontärin. Sie studierte Mathematik in Madrid und Heidelberg. Schrieb dort für Studierenden- und Regionalzeitung. Seit 2022 schreibt sie im Wechsel mit Aron Boks die taz.FUTURZWEI-Kolumne "Stimme meiner Generation".

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