Gewalt im Kinderheim betrifft auch die Caritas. Der Bottroper Verband startet Aufarbeitung.


Die Caritas in Bottrop betreibt seit vielen Jahrzehnten ein eigenes Kinderheim im Stadtteil Fuhlenbrock. Jetzt liegen Hinweise vor, dass Kinder in den 1960er und 1970er Jahren in dem Heim Leid erfahren haben.

Heim in Bottrop-Fuhlenbrock

Es geht um Hinweise auf Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kindervollheim St. Konrad. Heute heißt das Heim "Kinderdorf am Köllnischen Wald". Gab es wirklich Vorfälle in dem idyllisch gelegenen Heim mitten im Wald?

Anonymer Hinweis auf Gewalt in Kinderheim St. Konrad

"Im Januar hat sich eine betroffene Person bei uns gemeldet", erzählt Caritas-Direktor Alexander Hohler. Dabei soll es sich um eine Person im Alter von über 60 Jahren gehandelt haben, die in dem Heim sowohl sexualisierte als auch körperliche und psychische Gewalt erlitten haben soll. Weitere Informationen will die Caritas nicht preisgeben, die Person soll anonym bleiben.

Experten aus Süddeutschland für Studie in Bottrop gewonnen

Für die Studie hat die Caritas die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm beauftragt. Die Ärztliche Direktorin Manuela Dudeck hat langjährige Erfahrung in der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Machtmissbrauch und institutioneller Gewalt.

Mögliche Betroffene sind nun aufgerufen, sich zu melden. In einem geschützten Rahmen können sie den Wissenschaftlern schildern, was sie damals in dem Kinderheim erlebt haben. Die Studie will dann klären, in welchem Ausmaß Kinder und Jugendliche Gewalt ausgesetzt waren und welche strukturellen Bedingungen Übergriffe ermöglicht oder begünstigt haben.

Kinderheim in Bottrop noch in Betrieb

Das betroffene Kinderheim in Bottrop-Fuhlenbrock gibt es heute immer noch. Dort sind aktuell um die 100 Kinder und Jugendliche untergebracht. Die Caritas betont, dass die Gewaltfälle ausschließlich die 1960er und 1970er Jahre betreffen und es keine Hinweise auf aktuelle Fälle gibt.

Mit Ergebnissen der Studie wird im Herbst 2027 gerechnet.