„Leistung ist nicht alles“  – Im Gespräch: David Labrosse, Leiter Produktplanung bei Hyundai Motor Europe


Stand: 07.09.2026, 13:21 Uhr

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David Labrosse, Leiter Produktplanung bei Hyundai Motor Europe

David Labrosse, Leiter Produktplanung bei Hyundai Motor Europe © Kia

David Labrosse leitet die Produktplanung für Hyundai und Kia im europäischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Im Gespräch erklärt er, was die GT-Modelle für Kia bedeuten.

SP-X/Rüsselsheim. GT stand jahrzehntelang für schnelle, komfortable Reisewagen, meist große Coupés mit kräftigem Motor. Kia überträgt das Kürzel inzwischen auf SUV beziehungsweise elektrische Kompaktmodelle wie EV3, EV4 und EV5. Für Produktplaner David Labrosse entscheidet dabei nicht allein die Leistung, sondern vor allem die Abstimmung zwischen Alltagstauglichkeit, Komfort und Dynamik. 

F: Was bedeutet GT heute für Kia und kann ein kompakter SUV wie der EV3 überhaupt ein Gran Turismo sein? 

A: Für uns bedeutet GT die Balance aus Alltagstauglichkeit, Komfort und Sportlichkeit. Ein GT darf nicht einfach nur hart und schnell sein. Er muss im Alltag komfortabel funktionieren und gleichzeitig eine deutlich dynamischere Fahrweise ermöglichen. Deshalb geht es bei EV3, EV4 und EV5 nicht nur um zusätzliche Leistung, sondern um das gesamte Fahrerlebnis. Der Kunde kann damit jeden Tag ganz normal zur Arbeit fahren und auf dem Rückweg seine sportlichere Seite genießen. 

F: Was muss ein Kia technisch können, damit Sie ihm das GT-Kürzel geben, und wo reicht eine GT-Line nicht mehr aus? 

A: Die GT-Line ist für Kunden gedacht, die vor allem einen sportlicheren Auftritt wollen. Das Auto sieht außen und innen dynamischer aus und hat zum Beispiel sportlichere Sitze. Beim GT verändern wir dagegen tatsächlich das Fahrerlebnis. Dazu gehören Allradantrieb, eine direkter abgestimmte Lenkung, ein strafferer Stabilisator und elektronisch geregelte Dämpfer. Auch die Traktionskontrolle haben wir angepasst und können die Hinterachse gezielt stärker einbinden. Den Unterschied merkt nicht nur ein Spezialist. Schon im ersten Kreisverkehr fühlt sich ein GT anders an. 

F: Ein klassischer GT soll nicht nur schnell sein, sondern auch nach mehreren hundert Kilometern noch angenehm fahren. Wie schwierig ist es, die Autos straffer und dynamischer zu machen, ohne dass sie harte Sportmodelle werden? 

A: Das ist die eigentliche Kunst und sehr viel Arbeit für unsere Ingenieure. Auf einer kurvigen Landstraße soll das Auto agil wirken, auf der Autobahn aber auch bei 170 km/h sauber und ruhig geradeaus laufen. Wenn man die Lenkung nur auf maximale Agilität trimmt, wird das Auto bei hohem Tempo schnell nervös. Mit den geregelten Dämpfern können wir unterschiedliche Kennlinien darstellen und damit eine große Bandbreite zwischen Komfort und Dynamik abdecken. Am Ende heißt Fahrwerksabstimmung aber vor allem: fahren, fahren, fahren. 

F: EV3, EV4 und EV5 GT bleiben bei der Leistung deutlich unter einem EV6 GT. Hätten Sie sich nicht etwas mehr Leistung gewünscht und sprechen Sie damit überhaupt noch die klassischen sportlichen Kunden an? 

A: Nein, meiner Meinung nach haben wir die Balance genau richtig getroffen. Leistung ist nicht alles. Wer beschleunigt schon jeden Tag von null auf 100 in sechs Sekunden? Wichtiger ist, wie sich ein Auto anfühlt. Ein EV3 fährt sich trotz ähnlicher Leistung ganz anders als ein EV4 oder EV5. Beim EV5 konnten wir durch Änderungen am Frontmotor und eine bessere Kühlung noch einmal 10 kW mehr herausholen. Gleichzeitig sollen die GT-Modelle keine Hardcore-Sportautos für eine kleine Nische sein. Man kann damit die Familie mitnehmen und genauso allein Spaß haben.  

F: Wie viel echter Fahrspaß steckt in simuliertem Schalten und künstlichem Motorsound, und wo beginnt die Spielerei? 

A: Man kann die Funktionen jederzeit an- und abschalten. Aber über die vernetzten Fahrzeuge sehen wir, dass sie tatsächlich genutzt werden. Bei Modellen mit Virtual Gear Shift schalten rund 30 Prozent der Kunden zumindest gelegentlich manuell. 

F: Warum baut Kia nicht wieder einen eigenständigen Gran Turismo wie den Stinger, statt GT-Versionen bestehender Baureihen anzubieten? 

A: Den Stinger vermissen tatsächlich viele, und wir schauen natürlich, wie sich der Markt entwickelt. Mit dem Vision Meta Turismo haben wir bereits ein entsprechendes Konzeptfahrzeug gezeigt. Zurzeit hat für uns allerdings die Elektrifizierung Priorität und wir bringen die GT-Idee zunächst in die großen Volumensegmente. EV3, EV4 und EV5 sollen GT damit für deutlich mehr Kunden erreichbar machen. Wie es danach weitergeht, werden wir sehen. 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit SPS Spot Press Services.