Ajambow bei die Höhle der Löwen: „Die Löwen waren so in Rage, dass wir mit Inhalten nicht mehr durchdringen konnten“


Die Höhle der Löwen: „Die Löwen waren so in Rage, dass wir mit Inhalten nicht mehr durchdringen konnten“

Den Fitnesskurs von Ajambow machen die TV-Investoren noch begeistert mit – dann hagelt es Kritik am Start-up. Wie geht das Gründerpaar damit um?

Gründerpaar Susan Schmidt und Simon Werner vom Fitness-Start-up Ajambow Foto: RTL

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

Mit Ajambow wollen Susan Schmidt und Simon Werner die Fitnesswelt aufmischen. Bei dem Sportgerät handelt es sich um einen mit Wasser gefüllten, wellenförmigen Stab. Eigens entwickelte Choreografien sollen die Tiefenmuskulatur stärken und damit Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen reduzieren. Das kurze Probetraining im Fernsehstudio hat die Investoren bei „Die Höhle der Löwen“ noch begeistert. Doch als das Gründerpaar aus Borsdorf bei Leipzig nur zehn Prozent der Anteile für 300.000 Euro abgeben wollte, kippte die Stimmung. Carsten Maschmeyer, Janna Ensthaler, Judith Williams, Ralf Dümmel und Frank Thelen beschwerten sich über die ihrer Ansicht nach viel zu hohe Bewertung. Im Interview erklären die Gründer, warum sie dennoch an die Idee glauben, was sich seit der Aufzeichnung im Mai getan hat und wie es zum Heiratsantrag im Anschluss an den missglückten Pitch kam.

WirtschaftsWoche: An Kursangeboten mangelt es in Fitnessstudios nicht. Wo sehen Sie noch eine Nische für Ajambow?
Simon Werner: Unsere Familie ist sportbegeistert: Susan kommt aus dem Leistungssport, ich habe an der Sporthochschule in Leipzig trainiert, einer unserer Söhne ist Leistungssportler in den USA, der andere Assistenztrainer im Kampfsport. Wir konnten nie so recht verstehen, dass viele Menschen gar keinen Sport machen. Mit Ajambow wollen wir all die in Bewegung bringen, die sich von anderen Angeboten nicht hinter dem Ofen hervorlocken lassen. Mit dem Stab hat man zum einen etwas in der Hand, was einen ablenkt. Zum anderen sorgt das Wasser für unregelmäßige Schwingungen, die man ausgleichen muss. So wird die Tiefenmuskulatur gestärkt. Die Trainingseinheiten bringen einen ins Schwitzen, aber sie machen vor allem Spaß – auch dank der begleitenden Musik, die wir eigens dafür haben komponieren lassen.

Die musikalische Begleitung ist afrikanisch angehaucht. Woher kommt dieser Afrika-Bezug?
Simon Werner: Die Ursprungsidee kommt von einem Halbafrikaner, mit dem wir vor mehr als zehn Jahren begonnen haben, an dem Konzept zu arbeiten. „Ajambo“ ist Swahili und bedeutet übersetzt „Wiedergeburt“. Da haben wir noch ein „W“ für „bow“ drangehängt. Zusammen ergibt das den „Bogen der Wiedergeburt“. Das fanden wir passend: Wir wollen Menschen motivieren, sehr ursprüngliche Bewegungsabläufe auszuführen. Viele gesundheitliche Probleme rühren daher, dass wir anatomisch so wie vor 200.000 Jahren strukturiert sind, aber unseren Körper heute nicht mehr so bewegen.

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Und wie ist aus der Idee ein Unternehmen geworden?
Susan Schmidt: Wir betreiben schon lange ein Sportstudio. Der Ajambow war erstmal ein Trainingsgerät für meine Kurse. Ich habe das immer mal wieder eingebaut und Choreografien drumherum entwickelt. Die Teilnehmer waren begeistert davon. Oft lautete das Feedback, dass es ihnen vor allem bei Rückenschmerzen guttut, ohne dass sich das Training zu anstrengend anfühlt. Immer wieder wurde ich gefragt, warum man den Fitnessbogen nicht auch für zu Hause kaufen kann. Da haben wir gemerkt: Es gibt eine echte Nachfrage. Und was in unserem Studio funktioniert, wird auch in anderen funktionieren.

Auf dem Markt sind Sie seit 2024. Wie viel Geld haben Sie auf dem Weg zur Serienproduktion investiert?
Simon Werner: Die Gesamtinvestitionen liegen inzwischen bei 250.000 Euro. Knapp die Hälfte davon ging in die Werkzeuge, die in der Produktion verwendet werden. Nicht eingerechnet ist unsere Arbeitszeit. Wir zahlen uns noch kein Gehalt aus und arbeiten schon seit mehr als zehn Jahren an dem Konzept.

Ist Ihr Start-up für Sie immer noch ein Zuschussgeschäft?
Simon Werner: Die Investitionen haben wir noch nicht wieder eingespielt, aber die Firma schreibt jetzt schwarze Zahlen. Seit der Gründung konnten wir mehr als 1500 Ajambows verkaufen. Unsere Kurse werden in 30 anderen Studios angeboten – und großes Interesse gibt es gerade von Physiotherapiepraxen und Reha-Kliniken. Gerade haben wir zum Beispiel Therapeuten an der neurologischen Kinderklinik in Kreischa ausgebildet. Die wollen unser Bewegungskonzept bei neurologisch auffälligen Kindern einsetzen. Ein Ritterschlag war auch, dass wir mit Ausbildungen an der Akademie des Deutschen Turnerbunds vertreten sind. Darüber erreichen wir nun Übungsleiter von Sportvereinen in ganz Deutschland.

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In „Die Höhle der Löwen“ haben Sie wegen der hohen Firmenbewertung von drei Millionen Euro harsche Kritik einstecken müssen. Wie kamen Sie auf die Zahl?
Simon Werner: Die Bewertung war sicherlich ein Fehler, aber sie erzählt auch nur die halbe Wahrheit. Unser Plan war, nicht nur Anteile an unserer GmbH anzubieten, sondern gemeinsam mit einem Investor eine internationale Holding aufzubauen. Wir hatten vorher kalkuliert, dass wir etwa 300.000 Euro brauchen, um Franchisepartner im Ausland zu gewinnen. Leider sind wir gar nicht so weit gekommen, das alles zu erklären. Die Löwen waren so in Rage, dass wir mit Inhalten nicht mehr durchdringen konnten. Im Nachhinein hat mich das sehr enttäuscht. Es wurde gar nicht respektiert, was wir all die Jahre mit Leidenschaft sportwissenschaftlich entwickelt haben.

Susan Schmidt: Das hat mich auch sehr gestört. Klar ist das eine Fernsehsendung, die auch unterhalten soll. Aber dass es plötzlich gar nicht mehr um das Produkt und das Bewegungskonzept ging und man so zerrissen wurde, hat mich dann doch überrascht.

Herr Werner, ausgerechnet nach dem missglückten Pitch haben Sie Ihrer Partnerin in der Sendung noch einen Heiratsantrag gemacht. Wie kam es dazu?
Simon Werner: Das war alles andere als geplant. Ich habe vorher gedacht, dass mich die Aufzeichnung kaltlassen wird. Schließlich bin ich im Hauptberuf Schauspieler und habe mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen hinter mir. Aber ebenso kalt hat es mich dort dann erwischt. Ich war ziemlich aufgewühlt. Der Pitch fühlte sich an wie etwas, das wir gemeinsam durchgestanden haben. Wir waren bereits am Rausgehen und dieser Gedanke entstand plötzlich in mir. Ganz genau weiß ich nicht mehr, was mir da durch den Kopf ging. Aber was ich weiß, ist, dass wir jetzt schon mehr als 33 Jahre ein Paar sind, mit allen Höhen und Tiefen. Und eine bessere Entscheidung, als endlich zu heiraten, gibt es nicht. Wir planen das jetzt für den kommenden Sommer.

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Und wie sehen die Planungen fürs Unternehmen aus?
Susan Schmidt: Es gibt immer neue Entwicklungen rund um das Produkt. Wir haben schon Seile entwickelt, die man am Ajambow befestigt und die dynamische Zug- und Rotationsübungen ermöglichen. Auch ein Balance-Board haben wir nun im Programm. Seit Beginn des Jahres haben wir Aquakurse mit Ajambow bei den Krankenkassen zertifiziert. Außerdem entwickeln wir gerade eine Kinderversion unseres Trainingsgeräts.

Was tun Sie, um Ihr Kurskonzept bekannter zu machen?
Simon Werner: Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Messen gemacht. Da ist das Fachpublikum, das wir erreichen wollen. Wichtig war zum Beispiel die Therapiemesse vergangenes Jahr in Leipzig. Jetzt gerade bin ich auf der Interbad, die sich an Betreiber von Bädern, Saunen und Wellnessanlagen richtet und wo der neue Aquakurs richtig gut ankommt. Das Feedback direkt am Stand ist sehr hilfreich für uns. Wir fangen jetzt aber auch an, einen professionellen Geschäftskundenvertrieb aufzubauen.

Sie richten sich bislang auch an Endkunden. Gegen eine Abo-Gebühr lassen sich Videos für Onlinetraining für das Training zu Hause freischalten. Verfolgen Sie das weiterhin?
Simon Werner: Das bleibt einer der Zielmärkte. Aber bei der Masse an Angeboten im Gesundheits- und Fitnessbereich ist es schwer, im Privatkundensegment auf sich aufmerksam zu machen. Wir haben zum Beispiel Anzeigen bei Facebook und Instagram ausprobiert. Aber man muss viel Geld ausgeben, bis da spürbar etwas passiert. Das Onlinemarketing ist ein bisschen knifflig bei uns: Man muss erst einmal erklären, dass in dem Stab Wasser ist und wie das wirkt. Das nachhaltige Bio-Material erlaubt keine Durchsichtigkeit. Wenn Leute den Ajambow aber auf einer Messe in die Hand nehmen, verstehen sie den Effekt sofort.

Haben Sie sich den Vertrieb so mühsam vorgestellt?
Susan Schmidt: Diesen Aspekt haben wir, ehrlich gesagt, vollkommen unterschätzt. Am Anfang haben wir gedacht: Jetzt, wo wir so ein super Produkt haben, wird uns das aus den Händen gerissen. Hätten wir vorher gewusst, was da in Wirklichkeit an Arbeit auf uns zukommt, wären wir das ganze Wagnis vielleicht nicht angegangen. Jetzt rollt die Lokomotive aber, wir lernen unglaublich viel auf dem Weg und es macht richtig Spaß, endlich voranzukommen.

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