Die kuriose Geschichte des Bonner Hauptbahnhofs: Vom „Tor zur Welt“ zum „Bonner Loch“
Die kuriose Geschichte des Bonner Hauptbahnhofs Vom „Tor zur Welt“ zum „Bonner Loch“
Audio | Bonn · Der Hauptbahnhof galt einst als „Tor zur Welt“ - samt Staatsempfängen und Regierungsbahnsteig. Heute landet er in Rankings auf den letzten Plätzen. Die neue Podcast-Folge „Hinter Bonner Türen“ erzählt, wie sich der Bonner Bahnhof über die Jahre verändert hat.
17.07.2026 , 06:00 Uhr
Dieses Bild von 1952/53 zeigt einen Triebwagen der Linie 3 zeigt, der vom Hauptbahnhof und damit von Endenich kommend in die Poststraße eingebogen war Richtung Münsterplatz, Friedensplatz, Bornheimer Straße und dann die Endhaltestelle Frankenplatz anfuhr. Die Linie wurde Ende 1953 eingestellt.
Foto: GA-Archiv/Heinz Engels
8. November 1954, 14.34 Uhr: Ein Sonderzug fährt auf Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs ein. Unter einem 60 Meter langen, rot-weiß gestreiften Baldachin wartet das gesamte Bundeskabinett, draußen drängen sich Tausende, teilweise bis aufs Dach des Zeitungskiosks. Die Zugtüren öffnen sich, und Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien, steigt heraus, in Marschallsuniform und den Degen in der Hand. So empfing Bonn, die als Provisorium belächelte Hauptstadt der jungen Bundesrepublik am Rhein, ihren ersten gekrönten Staatsgast.
Im November 1954 beschert Äthiopiens absoluter Monarch Haile Selassie (der Mann mit dem Degen) Bonn einen pompösen Staatsbesuch. Rechts neben ihm steht Bundespräsident Theodor Heuss, links von ihm etwas im Hintergrund steht Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Foto: GA Archiv
Wahrscheinlich der Empfang von Haile Selassie mit Kapelle am Bonner Bahnhof 1954.
Foto: GA-Archiv/Heinz Engels
Wer heute durch den Bonner Hauptbahnhof eilt, ahnt wenig davon, dass dieser Ort mal ein solches „Tor zur Welt“ war. Der Bahnhof landet in Rankings regelmäßig auf den hinteren Plätzen, die Wartehalle ist eher trist, das Umfeld steht wegen Drogenszene und mangelnder Sauberkeit immer wieder in der Kritik. Wie sich dieser zentrale Ort der Stadt über die Jahre verändert hat, davon handelt die neue Folge des GA-Podcasts Hinter Bonner Türen.
Das Bahnhofsgebäude wurde 1885 im Neorenaissance-Stil errichtet.
Foto: Martin Wein
Während um den Bahnhof herum fast nichts mehr so aussieht wie noch vor hundert Jahren, ist das Gebäude selbst eine Konstante. 1885 wurde der Bau im Stil der italienischen Renaissance eingeweiht, mit Fassaden aus gelbem Ziegelstein und rotem Sandstein sowie einem Eingangsportal, das an antike Triumphbögen angelehnt ist. Am südlichen Ende des Gebäudes gab es sogar ein extra eingerichtetes „Fürstenzimmer“ mit einem separaten Zugang für hohe Gäste oder in Bonn studierende Prinzen.
Diese alte Postkarte zeigt den Bahnhof wahrscheinlich um 1900. Links war das Fürstenzimmer des Gebäudes.
Foto: GA-Archiv
Um- und Ausbau des Bonner Hauptbahnhofs
Verkehrschaos vor dem Bahnhof anno 1956.
Foto: GA-Archiv/Heinz Engels
Über die Jahre hinweg wurde der Bahnhof natürlich immer wieder um- und ausgebaut, um dem zunehmenden Verkehr gerecht zu werden. Streitthema war immer wieder die Idee, den Bahndamm höher zu legen. Die Bonner Bevölkerung war dagegen, weil sie um die Sichtachse zum Poppelsdorfer Schloss fürchtete.
Blick vom Hauptbahnhof in die Gangolfstraße nach dem Luftangriff Oktober 1944.
Foto: GA-Archiv
In fast 150 Jahren hat das Gebäude einiges erlebt: Es war Empfangsort für Kaiser Wilhelm II., Ziel alliierter Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg und Bühne für die erste Staatsvisite der jungen Bundesrepublik.
So sah die Ankunft am Bonner Hauptbahnhof am 23. Januar 1976 aus. Nach Abriss der historischen Häuserzeile der Bahnhofstraße stand als letzter Rest nur noch das Hotel Continental. Somit erhielt man nun freien Blick auf die historische Häuserzeile der Maximilianstraße, während an der Bahnhofstraße die Bauarbeiten für den nördlichen Teil des U-Bahnhofs in vollem Gange waren. Das Hotel Continental wurde kurz darauf abgerissen.
Foto: GA-Archiv/Heinz Engels
Denn nach dem Krieg wurde der kleine Bahnhof durch die Wahl Bonns zur Hauptstadt zu einem bedeutenden Knotenpunkt im Bahnnetz. Für Abgeordnete und Gäste gab es sogar einen eigenen „Regierungsbahnsteig“.
Das „Bonner Loch“ 2011.
Foto: Barbara Frommann
Beide Bauwerke sind heute Geschichte: Südüberbauung (links) und Bonner Loch (rechts). Im Hintergrund der Bahnhof.
Foto: Barbara Frommann
Abbruch des „Bonner Lochs“ 2018.
Foto: Benjamin Westhoff
Auch das Umfeld des Bahnhofs hat sich stark verändert, besonders in den 1970er-Jahren durch den Bau der U-Bahn und der Südüberbauung samt Vorplatz, der im Volksmund zum berühmten „Bonner Loch“ wurde. Nach langen Debatten wurde es am Ende ab 2017 durch das Urban-Soul-Projekt überbaut.
Bettenbau in der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof Ende der 1970er: Die Station war als Bunker für den Zivilschutz geplant.
Foto: GA-Archiv/Heinz Engels/Heinz Engels
Die U-Bahnhaltestelle „Hauptbahnhof“ war übrigens seit 1979 auch ein Bunker, der im Kalten Krieg 4500 Menschen schützen sollte. Mittlerweile steht er aber nicht mehr als Schutzraum zur Verfügung.
Warum es im 19. Jahrhundert Streit über den Standort des Bonner Bahnhofs gab und weitere Anekdoten gibt es in der neuen Folge „Hinter Bonner Türen“ ab sofort überall dort, wo es Podcasts gibt.