Trumps Zölle für die Schweiz: die neuesten Entwicklungen
Die neuesten Entwicklungen
Zollverhandlungen Schweiz – USA: Donald Trump greift die Schweiz erneut an und sagt: «Ich will nicht 40 Milliarden Dollar im Jahr verlieren für eure Uhren»
Die Schweiz hat im November eine Zolleinigung mit den USA erreicht, die Verhandlungen für ein definitives Abkommen laufen aber noch. Im Februar erklärte der Supreme Court Trumps Zölle für unrechtmässig. Nach einer Zwischenlösung haben die USA nun Zölle auf einer neuen Gesetzesgrundlage verhängt.
NZZ-Redaktion02.10.2026, 08.27 Uhr
6 Leseminuten
Aktualisiert
Präsident Donald Trump sprach am 5. November 2025 im Oval Office mit hochrangigen Vertretern der Schweizer Wirtschaft.
via Partners Group
- US-Präsident Donald Trump hat der Schweiz im Handelsstreit erneut gedroht. In einem Interview mit der «Times» vom Donnerstag (1. 10.) sprach er unter anderem über die hohen Zinsen in den USA. Diese seien zu hoch und andere Länder würden daran Milliarden verdienen. Dann griff Trump die Schweiz an, speziell die Uhrenbranche: «Sie verkaufen Uhren im Wert von Milliarden Dollar», sagte er. Gleichzeitig habe die Schweiz einen Zinssatz von einem halben Prozent, deutlich weniger als in den USA. Würde er der Schweiz sagen: «Entschuldigung, ich will nicht 40 Milliarden Dollar im Jahr verlieren für eure Uhren», hätten die Vereinigten Staaten auf einen Schlag 40 Milliarden Dollar gewonnen. Dasselbe könne er mit mehr als fünfzig anderen Staaten machen. «Wir würden mehr Geld verdienen, als sich irgendein Land jemals erträumt hat», sagte Trump. Wie Trump auf die von ihm erwähnten Werte kommt, erklärte er nicht. So liegt der Leitzins in der Schweiz aktuell bei null Prozent, nicht bei einem halben Prozent wie von Trump behauptet.
- Der amerikanische Präsident Donald Trump hat der Schweiz erneut im Zollstreit gedroht. In einem Videointerview mit «Punchbowl News» am Freitag (7. 8.) hat er beklagt, dass die USA viele Länder zu Eliteländern machen würden. Als Beispiel hat er die Schweiz genannt, mit der die USA angeblich ein Handelsdefizit von 39 Milliarden Dollar hätten. Er könne dieses Defizit auf einen Schlag auslöschen, und dann seien diese Länder nicht mehr Elite. Ausgelöst hat den Rundumschlag eine Frage zum Zinsniveau in den USA. Trump stört sich an dem im Vergleich niedrigen Zinssatz in der Schweiz. Dieser sei – dank Hilfe aus den USA – viel zu niedrig. Hier ist der Bericht zu finden. Zum Bericht
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Welche Zölle gelten heute für Schweizer Waren?
Die USA erheben seit dem 24. Juli auf die meisten Schweizer Waren einen Zollsatz von 12,5 Prozent. Für einzelne Branchen – etwa bei Stahl und Aluminium – gelten weiterhin eigene Sonderregeln. Ganz ausgenommen sind zum Beispiel Pharmaprodukte.
Sie ersetzen jenen temporären globalen Zoll in Höhe von 10 Prozent, den Donald Trump im Februar 2026 erlassen hatte. Damals erklärte das Oberste Gericht der USA jene Strafzölle für illegal, die Trump am «Liberation Day» im April 2025 gegenüber zahlreichen Handelspartnern angekündigt hatte.
Der Supreme Court erklärt Trumps Zölle für unrechtmässig – was bedeutet das für die Schweiz?
Mit seinen Zollankündigungen hat Donald Trump laut dem Supreme Court seine Befugnisse überschritten. Trump hatte sich bei seinen Zöllen auf ein Notstandsgesetz berufen. Es besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen. Mit dem Entscheid fällt die gesetzliche Grundlage für die Zölle. Doch Trump reagiert mit einem Übergangszoll von 10 Prozent, den die Regierung von Gesetzes wegen nach 150 Tagen wieder aufheben musste.
Bis zum 24. Juli 2026 mussten die USA also ihr Zollregime ersetzen. Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer leitete zwei Untersuchungen ein. Beide betrafen auch die Schweiz. Bei einem der beiden Verfahren ging es darum, ob Dutzende Handelspartner amerikanische Firmen unfair behandeln, indem sie nicht gegen Importe von Produkten aus Zwangsarbeit vorgehen.
Glaubt man Greer, haben die sechzig wichtigsten Partnerländer der USA in diesem Punkt versagt. Anfang Juni schlug er Präsident Donald Trump deshalb vor, neue Zölle zu erheben: 10 Prozent für Länder, die Importe solcher Güter verbieten oder ein solches Verbot planen, und 12,5 Prozent für alle anderen, unter anderem die Schweiz.
Die USA rechtfertigen die Zölle gegen die Schweiz damit, dass diese bei der Abwehr von Gütern aus Zwangsarbeit zu wenig unternehme.
Welche Zölle galten zuvor?
Im August 2025 folgte für die Schweiz der Zollschock. Damals konnte die Schweiz im Handelsstreit mit den USA keine Lösung finden. Donald Trump überraschte die Schweiz nach einem Telefonat mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit einem Zollsatz von 39 Prozent.
Die Schweiz signalisierte den USA sofort, weiterverhandeln zu wollen, und verzichtete auf Gegenzölle. Drei Monate später gelang der Durchbruch: Eine Schweizer Delegation unter Leitung von Bundesrat Guy Parmelin konnte Mitte November in Washington Gespräche mit Regierungsvertretern der USA führen. Am Tag danach wurde der neue Deal vorgestellt. Die Mitglieder der Verhandlungsteams der Schweiz und der USA einigten sich darauf, den amerikanischen Zusatzzoll auf Schweizer Importe von 39 auf 15 Prozent zu reduzieren. Die Einigung hielten sie in einer rechtlich unverbindlichen Absichtserklärung fest. Die Einigung trat im Dezember rückwirkend zum 15. November 2025 in Kraft.
Als der Supreme Court im Februar 2026 Trumps Zölle für unrechtmässig erklärte, wurde auch der im November 2025 festgelegte 15-Prozent-Zusatzzoll auf Schweizer Waren nichtig und durch die temporären 10-Prozent-Zölle ersetzt.
Worauf haben sich die Schweiz und die USA im November 2025 geeinigt?
Eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Einigung dürfte eine Schweizer Wirtschaftsdelegation gespielt haben, die sich eine Woche vor Parmelins Reise noch mit dem amerikanischen Präsidenten im Oval Office traf. Für den Deal mit den USA spannten Schweizer Wirtschaft und Politik zusammen. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter spielte zuletzt nur noch eine Nebenrolle.
Das Kernelement ist das Versprechen, dass Schweizer Unternehmen bis Ende 2028 in den USA Direktinvestitionen im Umfang von 200 Milliarden Dollar tätigen. Hierzu hat die Schweiz den USA eine Liste von Investitionsversprechen überreicht.
Der grösste Anteil entfällt laut Angaben des Bundes auf den Pharmasektor. Eine genaue Liste der geplanten Investitionen wurde nicht veröffentlicht, nur einige Vorhaben sind bekannt. Das Weisse Haus konkretisierte in einer Stellungnahme, dass von den «mindestens» 200 Milliarden Dollar 67 Milliarden Dollar schon 2026 investiert würden. Ausserdem habe sich die Schweiz verpflichtet, ihren Handel mit den USA auszugleichen – ein Versprechen, das die Schweiz so explizit nicht kommuniziert hat.
Neben den Investitionen sichert die Schweiz den USA auch niedrigere Zölle für verschiedene amerikanische Produkte zu, etwa für Fisch, Meeresfrüchte und weitere Agrarprodukte. Was angesichts des hohen Zollschutzes für die Schweizer Landwirtschaft brisant ist.
Wann hat die Schweiz ein definitives Zollabkommen?
Die Schweiz verhandelt mit den USA seit Monaten über ein Zollabkommen. Dieses basiert auf der Absichtserklärung vom November 2025. Ziel der Verhandlungen ist ein Handelsabkommen, das Schweizer Unternehmen langfristig einen möglichst diskriminierungsfreien Zugang zum amerikanischen Markt sichert. Das finale Abkommen lässt jedoch auf sich warten.
Bundespräsident Guy Parmelin war zuletzt vom 29. Juni bis zum 9. Juli in die USA gereist, um mit dem amerikanischen Handelsbeauftragten Jamieson Greer über die Zölle und mögliche Ausnahmen oder Erleichterungen zu verhandeln. Greer äusserte sich danach zwar positiv über die Schweiz. Zusagen aus den USA zu einem Abkommen gab es hingegen keine.
Warum hatte Trump die Schweiz im August 2025 derart abgestraft?
Der Basiszoll von 39 Prozent auf die meisten Schweizer Exporte war deutlich höher als die Zölle für EU-Staaten, die 15 Prozent betragen, oder für Kanada, das mit 35 Prozent belegt wurde. Nur Laos, Myanmar, Syrien, Indien und Brasilien erhielten höhere Zölle.
Der amerikanische Präsident Donald Trump begründete den Schritt mit dem Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber der Schweiz. Der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz lag 2024 bei rund 39 Milliarden Franken (oder 48 Milliarden Dollar). Dies hat sich nun aber wieder gebessert. In den vergangenen sechs bis sieben Monaten hätten die USA in den Handelsbeziehungen mit der Schweiz nun aber einen Überschuss bei Gütern verzeichnet. Dies sei «eine wirklich positive Entwicklung», sagte der amerikanische Handelsbeauftragte Jamieson Greer im Juli 2026.
Welche Rolle spielt die Schweiz als Arbeitgeberin und Investorin in den USA?
Die Schweiz ist die sechstgrösste Auslandsinvestorin in den USA. Im Jahr 2023 beliefen sich die Schweizer Investitionen in den USA auf rund 352 Milliarden Dollar (285 Milliarden Franken). Das Geld stammt vor allem von grossen Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Novartis, Roche, UBS, ABB und der Zurich Versicherung.
Schweizer Firmen sorgen in den USA für über 675 000 Arbeitsplätze. Damit ist die Schweiz der siebtgrösste ausländische Arbeitgeber in den USA. Ausserdem zahlen Schweizer Firmen mit durchschnittlich 131 100 Dollar (106 000 Franken) pro Jahr die höchsten Löhne unter allen ausländischen Investoren.
Die Arbeitsplätze entstehen vor allem in den Bereichen Technologie und Forschung, Lebensmittel und Konsumgüter, Energie und Umwelttechnik sowie Finanzen und Versicherungen. So betreibt etwa Roche mehrere grosse Forschungszentren in Kalifornien. Und Nestlé USA mit Sitz in Virginia ist einer der grössten Lebensmittelhersteller des Landes.
36 Kommentare
Rolf Jeker
08.08.2025
Absurd wie man die Pharmabranche für etwas verantwortlich macht, weil sie erfolgreich ist. Um die Pharmapreiseeduktionen in den USA hat sich Trump zu kümmern -was er mit seinem Brief an die Pharmafirmen tat. Der BR hat hier schlicht keine Rolle. Oder er macht es wie bei der UBS- sie zu Hilfe rufen und dann auf sie einhauen wenn diese als Ausgleich die Preise in Europa/ Schweiz erhöhen. Trumpverständnis in allen Ehren aber bitte mit Mass und Anstand. Was immer beschlossen wird , Trump wird sich ja nicht daran halten-oder errinnern was er je gesagt hat. Georges Kern soll sich um die Uhrenbranche kümmern und seine Europafeindlichkeit ad Acta legen. Wäre ein bedeutend besserer Beitrag an den schweizerischen Wohlstand.
Hartmut OLFFERS
08.08.2025
Es ist die Schweizer Pharma-Industrie, die für ihre Produkte in den USA aus reiner Profitgier extrem hohe Preise aufrufen, die teils mehr als doppelt so hoch sind, ggü. den Preisen, die in anderen Ländern erzielt werden. Dagegen richtet sich die geballte Zollwut von US-Präsident Trump, der seinen Wählern versprochen hat, die Medikamentenpreise zu senken. Deshalb sind Schweizer Pharma-Produkte von dem Zollhammer ausgenommen. Ansonsten produziert die Schweiz nichts, worauf die USA zwingend angewiesen ist, was sie nicht auch anderweitig beschaffen können.
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