Walfang-Eklat: Island wirft 21 Aktivisten raus und erteilt ihnen lebenslanges Einreiseverbot


Drama vor Islands Küste: Aktivisten wollten Walfangschiff rammen – jetzt werden sie ausgewiesen

Stand: 06.08.2026, 08:20 Uhr

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Auf Island ist der umstrittene kommerzielle Walfang erlaubt. Die Insel zählt zu den wenigen Ländern weltweit – wie auch Norwegen und Japan.

Reykjavik – Island hat die Ausweisung von 21 Walfang-Gegnern angeordnet. Die Aktivisten werden aktuell in Reykjavik festgehalten, nachdem ihr Schiff beschlagnahmt worden war, als sie ein Walfangschiff verfolgten. Das teilte die Polizei am Mittwoch (5. August) der Nachrichtenagentur AFP mit und verwies darauf, dass Island Ende Juni den Walfang wieder aufgenommen hatte.

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Dieser Artikel von Gavin Blackburn entstand in Kooperation mit Euronews

Die Bandero, ein Schiff einer Stiftung unter Leitung des Tierschutzaktivisten Paul Watson, wurde vor der Küste des Inselstaates von den isländischen Behörden geentert. Zuvor hatte das Schiff die Arbeit eines der letzten Walfangschiffe Islands, der Hvalur 9, behindert und dadurch den Einsatz der Behörden ausgelöst.

In Island wurde der Walfang wieder aufgenommen.

In Island wurde der Walfang wieder aufgenommen. © IMAGO / snapshot

„Allen Besatzungsmitgliedern der Bandero liegt inzwischen der Beschluss über ihre Ausweisung und ein Wiedereinreiseverbot vor“, sagte Polizeisprecher Gunnar Runar Sveinbjornsson in einer E-Mail an AFP. Nach Angaben der Behörden sollen die Betroffenen das Land in den kommenden Tagen verlassen und dürfen künftig nicht mehr nach Island zurückkehren.

Aktion gegen isländisches Walfangschiff eskaliert

Ein Besatzungsmitglied der Bandero berichtete, die Aktivisten hätten zunächst geplant, das Walfangschiff zu rammen, um dessen Einsatz zu stoppen. Sie seien jedoch zu langsam gewesen und hätten stattdessen ein Schlauchboot zu Wasser gelassen, um ein Netz auszubringen, das die Propeller des Walfangschiffs beschädigen sollte. Auch dieser Versuch scheiterte letztlich, ohne das Ziel zu erreichen.

Die isländische Polizei wirft den Aktivisten „mutmaßliche Verstöße gegen das internationale Seerecht und Gefährdung der Sicherheit auf See“ vor. Sie verlangt ihre Ausweisung und ein Verbot ihrer Rückkehr nach Island, um nach eigener Darstellung künftige Störungen des Walfangs zu verhindern.

Internationale Besatzung auf der Bandero

An Bord der Bandero befanden sich laut einer Liste der Captain Paul Watson Foundation Aktivistinnen und Aktivisten aus den USA, Brasilien, Frankreich und Spanien. Die Behörden betonten, dass damit Menschen aus mehreren Kontinenten an der Aktion gegen den isländischen Walfang beteiligt waren.

Der 76-jährige Kanadier Paul Watson selbst war nicht an Bord, obwohl die Stiftung seinen Namen trägt. Der bekannte Tierschutzaktivist lässt sich dennoch regelmäßig zu den Einsätzen seiner Unterstützerinnen und Unterstützer zitieren, um Druck auf walfangtreibende Länder auszuüben.

Streit um Einsatzgebiet und Haftbedingungen

Die Besatzung war im Hafen von Reykjavik auf das Schiff beschränkt, nachdem die Behörden die Bandero geentert hatten. Die Polizei erklärte am Mittwoch, sie dürfe das Schiff nun verlassen, müsse sich aber an die angeordnete Ausweisung halten und Island in absehbarer Zeit verlassen.

Die Stiftung erklärte, ihr Schiff habe sich in internationalen Gewässern befunden, als die Behörden es geentert haben, und wirft Island daher ein rechtswidriges Vorgehen vor. Sie bezeichnete die Festhaltung der Besatzung als überzogen und kritisierte zudem die Beschlagnahme ihrer Mobiltelefone, die nach eigenen Angaben wichtige Beweismittel und Kommunikationsmittel enthalten.

Island hält trotz Kritik am Walfang fest

Island gehört zu den wenigen Ländern, die kommerziellen Walfang noch erlauben, trotz anhaltender internationaler Kritik von Tierschützern und Umweltschutzorganisationen. Norwegen und Japan sind die beiden anderen Staaten, die weiterhin auf die Jagd der Meeressäuger setzen, obwohl der Absatz von Walfleisch in vielen Ländern rückläufig ist.

Paul Watson setzt sich seit Jahren für den Tierschutz ein.

Paul Watson setzt sich seit Jahren für den Tierschutz ein. © IMAGO / ABACAPRESS

Die Regierung Islands will im Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen, der den Walfang verbieten soll, nachdem bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Moratorien und Auflagen verhängt worden waren. Beobachter erwarten eine heftige innenpolitische Debatte, da Befürworter wirtschaftliche Interessen geltend machen, während Gegner auf Tierschutz und das internationale Ansehen des Landes verweisen.