Ceuta-Krise: Eltern suchen verzweifelt nach vermissten Kindern
Publiziert6. August 2026, 08:19
Über 80 Menschen starben«Warte jeden Tag»: Eltern suchen verzweifelt nach ihren Kindern
Nach dem Massenansturm auf Ceuta warten zahlreiche Eltern noch immer auf ihre Kinder. Rund 1000 Minderjährige sollen sich weiterhin in der spanischen Exklave befinden.

Darum gehts
- Nach dem Massenansturm auf Ceuta suchen verzweifelte Eltern an der Grenze zu Marokko nach ihren vermissten Kindern.
- Rund 1000 Minderjährige befinden sich noch immer in der spanischen Exklave – spanische Sicherheitskräfte dürfen sie nicht einfach ausweisen.
- Beim Ansturm vergangener Woche, bei dem rund 72'000 Menschen nach Ceuta gelangten, kamen mehr als 80 Personen ums Leben.
An der Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta spielen sich verzweifelte Szenen ab: Eltern stehen mit Fotos ihrer Kinder am Grenzzaun, sprechen Rückkehrende an und hoffen auf eine Nachricht. Viele Minderjährige, die vergangene Woche nach Ceuta gelangten, sind noch immer nicht zuhause.
Sie sucht ihren zwölfjährigen Sohn
Eine verzweifelte Mutter wartet auf ihren erst zwölfjährigen Sohn. Wie der «Tages-Anzeiger», die Nachrichtenagentur AP zitiert, war der Bub gemeinsam mit seinem älteren Bruder nach Ceuta aufgebrochen. Der Ältere kehrte zurück – vom Zwölfjährigen fehlt dagegen jede Spur.
«Ich kann nichts anderes machen, als hierherzukommen und zu warten», soll seine Mutter gegenüber AP gesagt haben. Jeden Tag komme sie an die Grenze. Und solange ihr Sohn nicht zurück sei, werde sie auch am nächsten Tag wieder dort stehen.
Rund 1000 Minderjährige sind weiterhin in Ceuta
Auch ein Vater suche seit fünf Tagen nach seinem Sohn. Der Bub sei mit Freunden aufgebrochen, nachdem im Internet Gerüchte kursierten, dass die Grenze nach Ceuta offen sei. «Er rief mich an, als er ankam, und seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört.»
Vergangene Woche gelangten rund 72'000 Menschen schwimmend oder über Grenzzäune kletternd nach Ceuta. Inzwischen ist die grosse Mehrheit laut der spanischen Regierung wieder in Marokko. Aber Tausend sollen sich weiterhin in der Exklave befinden – darunter schätzungsweise 1000 Minderjährige.
Für sie ist die Situation besonders kompliziert: Die spanischen Sicherheitskräfte dürfen Minderjährige nicht einfach aus Ceuta wegschicken. So bleibt unklar, was mit ihnen passiert.
Mehr als 80 Menschen starben
Auch online versuchen Familien, irgendeine Spur zu finden. In Facebook-Gruppen werden Fotos von Vermissten geteilt. «Wenn irgendjemand dieses Mädchen in Ceuta oder Castillejos gesehen hat, lassen Sie es uns bitte wissen», heisst es etwa in einem Beitrag.
Ob sich einige der Vermissten unter den Todesopfern befinden, ist ebenfalls unklar. Beim Massenansturm auf Ceuta kamen laut Behörden auf beiden Seiten der Grenze mehr als 80 Menschen ums Leben. In einer Leichenhalle im marokkanischen Tétouan sollen mehr als ein Dutzend Tote angekommen sein.
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
Deine Meinung zählt
Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert