Drei Blickwinkel auf Weiblichkeit beim DKKD-Festival


Stand: 11.10.2026, 18:00 Uhr

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DKKD-Künstlerin Gabriele Schaffartzik Ausstellung in Hann. Münden

Mit Siebzigerjahre-Tapeten, Alpenveilchen und Ölfarbe erzählt Gabriele Schaffartzik die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Meta. © Julia Maass

Drei Künstlerinnen zeigen auf dem DKKD-Festival Skulpturen und Malerei über Weiblichkeit. Eine von ihnen verarbeitet die Geschichte ihrer Großmutter.

Hann. Münden – Vielfältige feministische Perspektiven sind auf dem Festival Denkmal-Kunst – Kunst-Denkmal zu finden. Drei der Künstlerinnen sind Julia Braun, Maren Panke und Gabriele Schaffartzik. Alle drei setzen sich auf unterschiedliche Weisen mit Weiblichkeit, Emotionalität, Freundschaft und Rollenbildern auseinander.

DKKD-Künstlerin Julia Braun Ausstellung in Hann. Münden

Bunt und filigran leuchten einem die Collagen der Künstlerin Julia Braun von den graubraunen Mauerwänden entgegen. © Julia Maass

Bunt und filigran leuchten einem die Collagen von den graubraunen Mauerwänden entgegen. Die Motive aus alten Zeitschriften der 50er und 60er Jahre klebt Julia Braun auf alte Buchdeckel und kreiert eine Ästhetik, die mit ihrer Grafik und Farbintensität ein wenig an alte Filmplakate aus der Zeit erinnert. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, was es bedeutet, Frau zu sein, und wie sich die Rollenbilder mit den Jahrzehnten verändert haben. Dabei sei es nicht immer leicht, mit Stereotypen umzugehen.

„Oft lese ich die Artikel in den Zeitschriften und bin von dem Frauenbild erschüttert“, erzählt die 52-Jährige. Diese Eindrücke fließen in die Collagen. „Alles hat konkreten Bezug zur heutigen Entwicklung“, erklärt die studierte Kommunikationsdesignerin. Es habe sich leider weniger verändert, als man vielleicht annehmen würde. Damals wie heute würden Frauen in die Falle der finanziellen Abhängigkeit tappen und gleichzeitig würden auf Social Media junge Frauen dieses traditionelle Bild der Hausfrau sogar romantisieren. Mit ihrer Kunst möchte Julia Braun einen Gesprächsanstoß geben und über diese Entwicklung diskutieren. Die Göttinger Künstlerin ist mit ihrer ersten Ausstellung im Eisen-Meurer-Ensemble zu Gast.

Dort sind auch die Holzskulpturen von Maren Panke zu sehen. Mit runden, glatten Formen, unterstützt von den Maserungen des Holzes, schafft die Bildhauerin intim wirkende Frauenfiguren. Ursprung jeder Skulptur seien die Emotionen, die die Künstlerin selbst beschäftigten. Gleichzeitig will sie eine Ebene schaffen, die den Betrachter miteinbezieht. „Ich möchte, dass meine Kunst berührt“, erzählt die Bildhauerin aus Wilhelmshaven. Sie arbeitet mit verschiedenen Hölzern, die in ihrer Beschaffenheit und Maserung sehr unterschiedlich sind.

„Ich benutze keine Farben für meine Arbeiten, ich will nichts verstecken.“ Die natürlichen Gegebenheiten der einzelnen Holzstücke sind dabei Inspiration und Wegweiser. „Es ist wie ein Dialog mit dem Material – wir arbeiten zusammen“, erklärt Maren Panke. Dass sie während des Festivals in einem alten Fachwerkhaus ausstellen würde, habe sie vorher nicht gewusst. Die Widerspiegelung der Naturmaterialien in Haus und Kunst findet die Holzbildhauerin jedoch sehr passend.

Mit Siebzigerjahre-Tapeten, Alpenveilchen und Ölfarbe erzählt Gabriele Schaffartzik die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Meta, zu sehen in der Ziegelstraße 4. Das Projekt der Göttinger Künstlerin heißt „Metas Archiv“ und basiert auf Bildern und Dokumenten der Großmutter. „Jeder hat ein Archiv mit alten Sachen zu Hause – das ist totes Material, bis man es hervorholt“, erzählt die Malerin. Um sich damit zu beschäftigen, müsse man das Material zugänglich machen. So entstanden unter anderem drei Bilder. Zu sehen sind tanzende Frauenpaare in Kittelschürze, umgeben von angerissener Mustertapete. Zu ihren Füßen blühen Alpenveilchen. Wie bei Erinnerungen, die man durch den Filter der vergangenen Jahre betrachtet, schichtet Gabriele Schaffartzik mit den zeittypischen Dingen die Jahrzehnte übereinander.

„Es ist wie eine kollektive Erinnerung an die Zeit, viele Besucher sehen in den Bildern ihre eigenen Familien.“ Die Tanzpaare sind Motive alter Fotos, eine der Tanzenden ist Meta. „Die norddeutschen Männer wollten auf Familienfeiern nicht tanzen oder sind im Krieg gefallen, also haben einfach die Frauen zusammen getanzt“, erinnert sich die 62-Jährige, „Es geht um Solidarität und Freundschaft.“