Drei Jahre Militärjunta: Niger bleibt instabil
Drei Jahre sind vergangen, seit eine Junta am 26. Juli 2023 in Niger die Macht an sich riss. General Abdourahamane Tiani, der damit zum Staatschef aufstieg, begründete den Putsch mit der schlechten Sicherheitslage, die trotz internationaler Unterstützung weiter anhalte. In den darauffolgenden Wochen verkündete die Militärregierung eine Übergangszeit, die maximal drei Jahre andauern solle.
Doch die politischen Versprechen bei Amtsantritt haben sich nicht erfüllt: Die Übergangsregierung hat weiterhin alle Fäden in der Hand - und die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Land ist äußerst fragil.
Unsicherheit schürt Angst
In der Region Tillabéry im Südwesten Nigers nehmen die Angriffe durch Dschihadisten zu. Tausende Menschen sind gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen, was die Region in eine schwere humanitäre Krise gestürzt hat.
"Heute sind die Angriffe auf die Streitkräfte und die Zivilbevölkerung deutlich häufiger und gewalttätiger als vor drei Jahren", sagt Maiga, ein Einwohner der 30.000-Einwohner-Stadt Téra, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.
"Früher war das Leben trotz der Unsicherheit besser, die Wochenmärkte funktionierten normal und die Versorgung lief regelmäßig", führt er aus. Doch heute seien ganze Dörfer geflohen, die Schulen geschlossen.

Auch die Nichtregierungsorganisation ACLED bemängelt die Verschlechterung der Sicherheitslage seit dem Staatsstreich von 2023. Nach Angaben der Organisation bleibt die Region Tillabéry das Hauptzentrum der Auseinandersetzungen zwischen zwei konkurrierenden islamistischen Gruppen, der JNIM und dem Islamischen Staat in der Provinz Sahel (ISSP - vormals ISGS). Diese Rivalität hat zu vielen Opfern unter Soldaten und Zivilisten geführt.
Im Jahr 2025 wurden in der Region fast 1.200 Todesfälle verzeichnet. Für Héni Nsaibia, Mitarbeiter bei ACLED, zeugen diese Zahlen vom Ausmaß der Sicherheitskrise, von der diese Region im Westen Nigers betroffen ist. Der letzte größere Angriff dort ereignete sich am 17. Juli dieses Jahres. Dabei kamen 16 Soldaten ums Leben. "Die Lage im Niger hat sich verschärft, insbesondere in der Region Tillabéry, die Zahl der Todesopfer dort ist die höchste in der zentralen Sahelzone", sagt Nsaibia der DW.
Menschen fliehen vor Terrorangriffen
Den Einwohnern bleibt oft keine andere Wahl, als ihre Dörfer zu verlassen, um in sichereren Ortschaften Zuflucht zu suchen, wo sie jedoch unter extrem schwierigen Bedingungen leben.
"Wir leben in Notunterkünften und sind den Unbilden des Wetters schutzlos ausgeliefert; wir gehen kleinen Gelegenheitsjobs nach, um zu überleben", sagt eine Frau der DW. Ein Viehhüter fügt hinzu: "Früher konnte ich von meiner Arbeit in Würde leben, aber derzeit ist es sehr schwierig; selbst Trinkwasser ist für uns ein Problem."
Neben einer Verbesserung der Sicherheitslage hatte Juntaführer Abdourahamane Tiani nur zwei Tage nach dem Sturz von Präsident Mohamed Bazoum 2023 auch angekündigt, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft anzukurbeln. Doch drei Jahre später gehe es den Nigrern nicht besser, meint Tahirou Garka. Er ist Sprecher der G25, einer Bewegung, die sich für die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung im Niger einsetzt.
"Sie haben in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht versagt", sagt er mit Blick auf die Militärregierung. "Menschen kämpfen um Trinkwasser, es gibt kein Wasser, keinen Strom, keinen Sprit." In Niger fällt regelmäßig der Strom aus. Das Land leidet trotz Ölförderung unter Dieselknappheit. Immerhin gibt es Preissenkungen bei Kraftstoffen und Gesundheitsleistungen.

Hamani Oumarou von LASDEL, einem Labor für Sozialwissenschaften mit Sitz in Niamey, hat einen etwas anderen Standpunkt: Ihm zufolge hat sich die sozioökonomische Lage für einen Großteil der Nigrer, insbesondere für diejenigen, die nicht zur Mittelschicht oder zur Elite gehören, verbessert.
"Haushalte, die über ein geringes Einkommen verfügen, haben mehr Geld für die Ernährung ihrer Familien übrig", schätzt er. Aber Niger sei auch zu bestimmten Zeiten des Jahres gezwungen, Lebensmittel zu importieren, was zu einem starken Preisanstieg führe, räumt er ein.
Die nach dem Putsch gegründete Kommission zur Bekämpfung von Wirtschafts-, Finanz- und Steuerkriminalität (COLDEFF) hat bisher nur wenige bedeutende Strafverfahren eingeleitet. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt Niger aktuell den 27. Platz in Afrika und den 124. weltweit - und bewegt sich damit im unteren Drittel.
Verhandlungen mit der ECOWAS?
Niger ist neben Mali und Burkina Faso Gründungsmitglied der Allianz der Sahelstaaten (AES), die sich 2023 formiert hat; alle drei Länder sind in der Folge aus dem westafrikanischen Staatenbund ECOWAS ausgetreten. Auslöser war die Krise nach dem Militärputsch in Niger, in deren Zuge die ECOWAS drohte, die politische Ordnung in Niger notfalls mit einem Militäreinsatz wiederherzustellen.
In allen drei Ländern regieren Militärs, die sich gegenseitig Beistand garantieren. Die AES geht auf Distanz zu westlichen Partnern und sucht die Nähe zu Russland. Pape Ibrahima Kane, Experte für internationale Organisationen, hofft jetzt auf eine Annäherung der AES-Staaten und der alten Verbündeten in Westafrika. Positives Signal für ihn: Der guineische Premierminister Lansana Kouyaté ist vor wenigen Tagen zum Hauptverhandlungsführer der ECOWAS gewählt worden, er wurde laut Kane von der AES akzeptiert.

"Wir stehen am Anfang eines vielversprechenden Prozesses, da beide Seiten wirklich auf einer Wellenlänge sind, um die Gespräche aufzunehmen", sagt er zur DW. Dabei sollten laut Kane auch wirtschaftliche Verhandlungen eine Rolle spielen: Der Niger sei für den Zugang zum Hafen von Benin und für seine Stromversorgung von Nigeria und Benin, beides ECOWAS-Mitgliedstaaten, abhängig.
Nigers Jugend schwankt zwischen Enttäuschung und Zuversicht
Ein großer Teil der Jugend hatte den Militärputsch 2023 begrüßt. In den Jugendversammlungen, den "Fadas", wird das Thema heute kontrovers diskutiert, wie die DW vor Ort erfuhr.
Einige - wie Fadila, die sich nur mit Vornamen vorstellte - sind der Meinung, dass sich die Lage nach den Turbulenzen der ersten Jahre allmählich stabilisiert. "Eine Zeitlang war es überhaupt nicht einfach: Die Gehälter wurden nicht pünktlich ausgezahlt, die Lebensmittelversorgung.... das war nicht einfach. Aber seit einiger Zeit läuft es insgesamt ganz gut."
Für einen weiteren Teilnehmer, Abdrahmane, zählt besonders, dass die Jugend wieder an der Politik teilnehmen könne: "Vor dem Putsch wurden junge Menschen aus den Entscheidungsgremien ausgeschlossen." Aber inzwischen sei eine beratende Kommission eingerichtet worden, in die junge Menschen integriert seien. "Das bedeutet also, dass die Belange der Jugend nun in den Entscheidungsgremien berücksichtigt werden."
Mitarbeit: Reliou Koubakin, Ali Abdou