Drohnen-Vorfall in Leipzig: Minister Dobrindt spricht von „neuem Bedrohungsszenario“


Drohnen-Vorfall in Leipzig Minister Dobrindt spricht von „neuem Bedrohungsszenario“

06.08.2026 · 00:35 Uhr

 Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwochabend am Flughafen Leipzig/Halle.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwochabend am Flughafen Leipzig/Halle.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Hendrik Schmidt

Update | Leipzig · Eine mit Sprengstoff versehene Drohne hat Alarm auf dem Flughafen Leipzig ausgelöst. Ermittlern zufolge ist das Motiv noch unklar. Der Innenminister glaubt an Anschlagspläne – und spekuliert darüber, worum es mutmaßlichen Drahtziehern geht.

Der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle war aus Sicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ein Anschlagsversuch. Nach seiner Einschätzung handele es sich um ein „hybrides Anschlagsszenario“, sagte der CSU-Politiker am Abend vor Ort. Der CSU-Politiker hatte seinen Urlaub für eine Lagebesprechung mit den Spitzen mehrerer Sicherheitsbehörden unterbrochen. Ermittlern in Sachsen zufolge sind die Hintergründe des Vorfalls noch unklar.

„Dass eine Drohne bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario“, sagte Dobrindt, der an einen Anschlagsversuch glaubt. Mutmaßliche Drahtzieher nannte er nicht. Er sagte, man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, der „möglicherweise auch fremde Mächte“ mit einschließe, die offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollten. Gleichzeitig sagte Dobrindt, Fragen zur Drohne, ihrer Herkunft und den Hintermännern sei „jetzt Teil der Aufklärung und soll bitte auch dieser Aufklärung überlassen werden“.

Mit hybriden Angriffen sind in der Regel Angriffe im Verborgenen gemeint, die nicht auf direkte Konfrontation abzielen, sondern Verunsicherung schaffen sollen. Dabei können verschiedene Instrumente wie Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation zusammenkommen.

Was über den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle bekannt ist

Die Sichtung eines unbekannten Flugobjekts und ⁠der Fund einer Drohne hatten in der Nacht zum Mittwoch den Flugbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle lahmgelegt. Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei, erklärte das sächsische Landeskriminalamt (LKA). An der Maschine wurden nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt. Nach Angaben des sächsischen Innenministers Armin Schuster (CDU) wird nach diesem zweiten Flugobjekt gesucht.

Motivation laut Behörden noch unklar

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) übernahmen die Ermittlungen. Sie schließen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb sei auch das PTAZ im Einsatz, hieß es.

Der sächsische Generalstaatsanwalt Wolfgang Schwürzer sagte: „Aufgrund dieser möglichen Bedeutung für die Sicherheit einer kritischen Infrastruktur werden die Ermittlungen eben mit höchster Priorität geführt.“ Gegenstand der Ermittlungen sei nun insbesondere die Identifizierung der Täter, die Aufklärung des Tatablaufs, die Herkunft der Drohne und der Sprengvorrichtung, sowie die Frage, ob weitere Personen beteiligt waren. Alle strafrechtlichen Hintergründe, „einschließlich eines extremistischen oder terroristischen Motivs“ würden geprüft. Es sei aber unseriös, sich derzeit auf eine bestimmte Motivation festzulegen, betonte Schwürzer.

Dobrindt glaubt an professionelle Täter

Solche hybriden Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden, sagte Dobrindt. Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung, auch Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff müsse vorhanden sein.

„Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen“, so Dobrindt. Man bereite sich auf „mögliche weitere Bedrohungsszenarien“ vor.

„Es ist aus der jetzigen Erkenntnis so, dass wir davon ausgehen müssen, dass dieser Sprengstoff militärischer Sprengstoff ist“, sagte er später in den ARD-„Tagesthemen“.

Sachsens Innenminister Schuster sagte im ZDF-„heute journal“: „Das ist nicht der Kauf einer Drohne in einem Baumarkt. Ja, kein Amateurhandel, das kann man klipp und klar sagen. Und deswegen ist das eine Möglichkeit, dass hier Fremdenmächte am Werk waren.“

Dobrindt: „Alle Spekulationen können einfach grundfalsch sein“

Alle Spekulationen über die Art des Sprengstoffs, die Konstruktion der Drohne, ihre Herkunft und die Frage, wer dahinterstecke, seien jetzt Teil der Ermittlungen, so Dobrindt. „Alle Spekulationen, die es darüber gibt, müssen nicht in die richtige Richtung gehen, können einfach grundfalsch sein.“ Man müsse in alle Richtungen ermitteln.

Schuster sagte, es werde noch nach Teilen einer möglichen zweiten Drohne gesucht. Es handele sich um einen ersten kapitalen Vorfall, wo man davon sprechen könne: „Die Gefahrenlage ist nicht mehr abstrakt, sie ist hoch“. Auch Dobrindt sprach von einer hohen Bedrohungslage.

Flughafenverband sieht Lücken bei Drohnenabwehr

Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Bundesländern bei der Bundespolizei eingerichtet, das laut Dobrindt auch im aktuellen Fall aktiv ist.

Auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn allerdings noch, wie der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, erklärte.

Ukrainisches Unternehmen hat Wartungsbasis in Leipzig/Halle

Der Flughafen Leipzig ist ein wichtiges Fracht-Drehkreuz auch ‌für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine, nachdem sie 2022 von Russland ‌überfallen worden war. Derzeit errichtet das ukrainische Luftfahrtunternehmen Antonow am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Wartungshangar. Der Bau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden.

Die Ukrainer sind schon seit 2006 mit einer Wartungsbasis an dem Flughafen vertreten. Infolge des russischen Angriffskriegs haben sie ihre Flotte komplett dorthin verlegt. Sechs Maschinen sind hier stationiert.

Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben, als es beinahe zu einem Flugzeugabsturz hätte kommen können. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet.

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