Ebola in der DR Kongo: „Der schlimmste Ausbruch der Geschichte“


In drei Monaten hat das Virus in der DR Kongo mehr Tote gefordert als beim letzten großen Ausbruch in zwei Jahren. Und die Sterblichkeitsrate steigt weiter.

Medizinisches Personal bestattet in der Hauptstadt der Provinz Ituri einen Verstorbenen gemäß den Vorschriften zur Seuchenprävention
Eher die Ausnahme: Ordnungsgemäße Bestattung eines Ebola-Toten in Bunia, Hauptstadt der kongolesischen Provinz Ituri

Foto: XinHua/dpa

Simone Schlindwein

Die Schreckensmeldungen hinsichtlich des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo nehmen kein Ende. Jetzt erklärte Kongos Gesundheitsministerium den aktuellen Ausbruch im Osten des Landes als schlimmsten in der kongolesischen Geschichte. Dies allein ist rekordverdächtig, denn seit den 1970er Jahren hat es allein in der DR Kongo, wo das tödliche Virus 1976 zuerst festgestellt wurde und nach einem kongolesischen Fluss benannt wurde, 17 Ausbrüche gegeben.

Nach dem amtlichen Lagebericht des Gesundheitsministeriums vom Montag sind in der laufenden Epidemie bis Sonntagabend 2.325 Ebola-Tote bestätigt worden, bei insgesamt 4.945 bestätigten Ebola-Infektionen. Damit übersteigt die Zahl der Todesopfer jene des Ebola-Ausbruchs der Jahre 2018 bis 2020, als im Osten der DR Kongo 2.299 von 3.381 Infizierten an der Seuche starben. Damals dauerte das fast zwei Jahre – der aktuelle Ausbruch ist gerade mal drei Monate alt.

Die Sterblichkeitsrate liegt demnach bei 47 Prozent – im Juni, in den ersten Wochen der Epidemie, waren es erst 20 Prozent. Sie erhöht sich stetig, warnen Experten, weil es immer weniger Menschen in die Behandlungszentren schaffen. 70 Prozent der Toten sterben zu Hause in ihren Betten, und dadurch stecken sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch mehr Menschen in ihren Familien und Gemeinden an, vor allem wenn Familienangehörige in letzter Minute angesichts des Todeskampfes doch noch versuchen, sie in ein Gesundheitszentrum zu tragen.

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Offiziell werden zwar über 85 Prozent aller Kontakte der Infizierten nachverfolgt, aber dies betrifft nur die bestätigten Infektionen, und angesichts der hohen Dunkelziffer halten Experten die reale Nachverfolgungsquote für weit niedriger. Lediglich 730 Erkrankte werden in Gesundheitszentren und Isolierzentren in sechs Provinzen des riesigen Landes behandelt. Und nur 1.040 haben die Infektion mit dem hämorrhagischen Fieber bislang überlebt und gelten als geheilt.

100 Neuerkrankungen pro Tag

Mittlerweile grassiert das Virus so schnell, dass alle 30 Minuten ein Mensch in Kongo daran stirbt. Durchschnittlich 100 neue Patienten täglich werden positiv getestet, damit nimmt die Verbreitung mittlerweile so rasant zu, dass Ebola-Experten nicht nur vom „tödlichsten“, sondern auch vom „schnellsten“ Ausbruch in der Geschichte sprechen.

Die Ursache für diesen Rekord liegt in der späten Entdeckung des Ausbruchs. Nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen verstarben in der nordostkongolesischen Provinz Ituri, wo das Epizentrum der Epidemie inmitten eines Kriegsgebiets liegt, bereits Ende Januar die ersten Infizierten, der Ausbruch wurde jedoch erst Ende April von kongolesischen Ärzten gemeldet und erst am 14. Mai offiziell bestätigt und dann international ausgerufen.

Mittlerweile scheint der Ausbruch fast außer Kontrolle. Tom Fletcher, der Leiter des humanitären Hilfsprogramms der Vereinten Nationen in Genf, erklärte am Freitag: „Wir brauchen Schnelligkeit, Umfang und Solidarität, bevor dieses Virus uns noch weiter überrollt.“ Fletcher fordert die Weltgemeinschaft auf, mehr Maßnahmen zu ergreifen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus unsere Gegenmaßnahmen überholt.“

Auch Nachbarländer in Gefahr

Denn das Problem: Mittlerweile werden immer mehr Ebola-Fälle auch in denjenigen Provinzen im Norden der DR Kongo gemeldet, die an die Nachbarländer Südsudan und Zentralafrikanische Republik grenzen – beides Staaten, in welchen das Gesundheitssystem ähnlich marode und heruntergekommen ist wie in Kongo und wo die Sicherheitslage ähnliche Herausforderungen birgt.

Immerhin, in Uganda wurde der Ausbruch Ende Juli als beendet erklärt. Dort hatte es 20 Fälle gegeben, die alle aus dem Nachbarland Kongo eingeschleppt waren, zwei der Infizierten starben. Uganda hatte daraufhin die Grenzen offiziell geschlossen, nur Hilfskonvois dürfen passieren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet jedoch am Freitag, dass die Bedrohungslage für Uganda noch nicht vorüber sei. Das Virus könnte in Anbetracht der derzeitigen Lage zurückkommen.

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