Taucher wollen Ostsee retten – und erlebten eine böse Überraschung
Ehrenamtliche Taucher wollten Ostsee retten – und erlebten eine böse Überraschung
Stand: 07.09.2026, 06:00 Uhr
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Sie wollen die Ostsee retten und pflanzten Seegras unter Wasser – für ihren Einsatz sollten die ehrenamtlichen Taucher plötzlich blechen. Warum es trotzdem weitergeht.
Kiel – Sie wollen der Ostsee etwas Gutes tun: Freiwillige Taucher der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd pflanzen Seegras und helfen damit dem Ökosystem Ostsee, das unter anderem unter Überdüngung und Klimawandel leidet. Erst kürzlich wurden aus diesem Grund neue Schutzzonen und Regeln in bestimmten Ostsee-Gebieten beschlossen. Was erst einmal nach Naturschutz zum Anpacken klingt, wurde 2026 plötzlich zu einer trockenen Angelegenheit: Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) verlangte Geld für die Nutzung des Meeresbodens.
Dabei hatten die Taucher bereits 2025 auf rund einem Hektar mehr als 100.000 Seegrassetzlinge gepflanzt. Für 2026 waren sogar zwei bis vier Hektar geplant. Die Pflanzen werden dabei aufwendig aus gesunden Seegraswiesen entnommen und an anderer Stelle wieder eingesetzt. „Das ist wie Gärtnern unter Wasser“, erklärte Sea-Shepherd-Mitarbeiterin Christine Otto gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Das Problem begann im Frühjahr 2026.
Seegras für die Ostsee: Nach gutem Zweck kam die Rechnung
Die WSV stufte das Pflanzen der Seegräser offenbar als Nutzung einer Bundeswasserstraße ein. Die Taucher zahlen folglich jedes Jahr Geld dafür, dass sie den Meeresboden nutzen dürfen. Laut Medienberichten standen damit Summen im fünf- bis sechsstelligen Bereich im Raum. Für ehrenamtliche Tauchvereine und Naturschutzorganisationen ist das kaum zu stemmen. Der Tauchsportverband Schleswig-Holstein hatte deshalb im April 2026 im Landtag darum gebeten, auf diese Forderungen zu verzichten. Die Ironie des Ganzen: Die Ehrenamtlichen wollten nichts aus der Ostsee herausholen. Sie wollten etwas hineinbringen, das dort dringend gebraucht wird. Warum sie so wichtig ist, zeigt ein Blick auf die Pflanze selbst.
Die Seegras-Wiesen sind Lebensraum für Tiere, helfen gegen Küstenerosion und können Kohlenstoff speichern. Das Bundesamt für Naturschutz bezeichnet Seegras als effizienten natürlichen Kohlenstoffspeicher. Auch das Bundesumweltministerium setzt auf die Wiederherstellung solcher Lebensräume. Wissenschaftler des GEOMAR begleiten die Pflanzungen in der Ostsee. Für den Einsatz hatten sich zahlreiche freiwillige Taucher bereits auf die Aktion vorbereitet und dafür nach Angaben des NDR unter anderem Urlaub genommen und Absprachen mit ihren Arbeitgebern getroffen. Dann kam im August 2026 ein überraschender Sinneswandel der Behörden.
Gute Nachricht für die Ostsee: Seegras-Pflanzen sollen nichts mehr kosten
Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, dass Seegras künftig kostenlos auf entsprechenden Bundesflächen in der Ostsee angepflanzt werden kann, wenn ein öffentliches Interesse besteht. Darüber berichteten unter anderem NDR und „Tagesschau“. Ganz ohne Bürokratie geht es allerdings weiterhin nicht: Das kostenlose Nutzen des Meeresbodens bedeutet nicht automatisch, dass keine Genehmigungen nötig sind. Entscheidend sei auch, wie das erforderliche öffentliche Interesse im Einzelfall festgestellt wird.