„Ein bisschen Druck aufbauen“: Schwimmverein aus Penzberg stellt seine Unterstützung des Schwimmunterrichts an den städtischen Grundschulen ab sofort ein


Stand: 19.09.2026, 12:00 Uhr

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Der Konflikt zwischen dem Schwimmverein SG Oberland und der Stadt Penzberg zu den Gebühren fürs Piorama dauert bereits seit Monaten. Nun will der Verein nicht mehr den Schwimmunterricht an den Grundschulen unterstützen.

Der Konflikt zwischen dem Schwimmverein SG Oberland und der Stadt Penzberg zu den Gebühren fürs Piorama dauert seit Monaten. Nun will der Verein nicht mehr den Schwimmunterricht an den Grundschulen unterstützen. © Schörner

Die SG Oberland hat beschlossen, die ehrenamtliche Unterstützung des Schwimmunterrichts an den städtischen Grundschulen ab sofort einzustellen. Anlass ist der bereits seit Langem bestehende Konflikt um die Gebühren, die der Verein für die Nutzung des Piorama bezahlen muss.

Penzberg – 100 Euro pro Bahn und Stunde: Das ist die Gebühr, die die Stadtwerke Penzberg von Vereinen für die Nutzung des „Piorama“ zu Trainingszwecken verlangen. Die Schwimmgemeinschaft Oberland (SGO) trainiert deshalb schon seit Jahren in anderen Hallenbädern der Region. Nun teilt die Vorstandschaft des Vereins per E-Mail mit, man habe beschlossen, die ehrenamtliche Unterstützung des Schwimmunterrichts an den städtischen Grundschulen „ab sofort einzustellen“. Das Schreiben ist an Bürgermeister Thomas Kopf und den Stadtrat adressiert, wurde aber auch an die Heimatzeitung geschickt.

In dem Schreiben kritisieren die beiden Vorsitzenden Wolfgang Kling und Jakob Schachtschneider sowie Kassenwart Ingo Krüger, dass der Schwimmverein für sein Training im Piorama 100 Euro pro Bahn und Stunde bezahlen müsse. Bei einer durchschnittlichen Belegung von sechs bis sieben Schwimmern pro Bahn bedeute das, dass der Verein pro Schwimmer und Stunde rund 15 Euro pro Stunde bezahlen müsse. „Normale Badegäste bezahlen nur 5,50 Euro und können dafür das gesamte Piorama nutzen, während der Schwimmverein an die Bahnen im Sportbecken gebunden ist“, heißt es. Damit erhalte ein privater Gast „deutlich mehr Leistung für viel weniger Geld als ein gemeinnütziger Sportverein“. Das sei „absurd und nicht hinnehmbar“. Darauf habe die SGO auch bereits mehrfach öffentlich hingewiesen. „Ein Training als zahlende Badegäste, um die extremen Gebühren zu umgehen, wurde dem Verein untersagt.“

Kein Schwimmen für Schüler mehr?

Der Verein sei deshalb weiterhin gezwungen, das Training in den Schwimmbädern in Weilheim und Kochel durchzuführen. Die Fahrten dorthin würden pro Woche insgesamt 4 Stunden in Anspruch nehmen – ein Aufwand, der von den ehrenamtlich tätigen Übungsleitern bewältigt werden müsse.

Auf Nachfrage erläutert Ingo Krüger, der Verein habe gehofft, dass sich mit dem neuen Bürgermeister und dem neuen Stadtrat nach der Wahl etwas ändert. Das sei nicht passiert. Deshalb wolle die SGO nun „ein bisschen Druck aufbauen“. Bisher habe er selbst jeweils eine Lehrerin an den beiden Penzberger Grundschulen bei ihrem wöchentlichen Schwimmtraining unterstützt. Eine davon habe ihm gesagt, sie werde den Unterricht ohne ihn vermutlich nicht mehr durchführen.

Bürgermeister signalisiert Gesprächsbereitschaft

„Ich verstehe natürlich, dass die SG Oberland nach wie vor nach einer realisierbaren Lösung sucht, um das Schwimmtraining wieder in Penzberg durchführen zu können“, sagt Bürgermeister Thomas Kopf. Gleichzeitig müsse allen aber bewusst sein, dass die Stadtwerke eine Verpflichtung zu einem wirtschaftlichen Betrieb des Bades hätten. Kopf plädiert dafür, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und miteinander sprechen, „um im gemeinsamen Austausch einen Weg zu erarbeiten, der den Bedürfnissen aller gerecht werden kann“. Wenn die SGO dazu bereit sei, würde er „gerne zu solch einer Gesprächsrunde einladen“.

Gesprächsbereit zeigt sich auch André Behre. Der Chef der Stadtwerke, die das Piorama betreiben, betont aber auch, dass im Familienbad der Gleichheitsgrundsatz gelte, wonach alle Vereine gleich viel bezahlen müssten. Sie könnten aber Zuschussanträge bei der Stadt einreichen. Wie Rathaussprecher Thomas Kapfer erläutert, gelte dabei bislang die 80/20-Regelung: Die Nutzung städtischer Einrichtungen werde zunächst in Rechnung gestellt, auf Antrag gebe es aber eine 80-prozentige Bezuschussung, „sodass die Penzberger Vereine auf einen 20-prozentigen Eigenanteil bei den jeweiligen Rechnungen kommen“. Eine Ausnahme bilde die Wasserwacht. Da es sich bei ihr um eine Rettungsorganisation handele, habe der Stadtrat beschlossen, dass deren Kosten ganz übernommen werden. Bei der SGO habe es während der Bauphase des Piorama eine Sonderregelung gegeben: Damals habe die Stadt die Fahrten des Vereins in umliegende Bäder über eine Pauschale bezahlt, die gleichzeitig auch für die Nutzung der externen Bäder mitverwendet wurde, so Kapfer. Nach der Bad-Eröffnung sei es dann zu keiner Einigung zwischen dem Verein und den Stadtwerken zur Nutzung der Becken gekommen.

SGO will „vernünftige Preise“

Dass die SGO wie zu Zeiten des ehemaligen Wellenbades wieder kostenlos ins Bad kann, sei schon angesichts der Finanzlage der Stadt „in keinem Fall“ möglich, so Behre. Umsonst ins Piorama wolle die SGO auch gar nicht, sagt Krüger. Man wolle aber „zu vernünftigen Preisen und zu vernünftigen Zeiten“ dort trainieren können. Im Hallenbad in Weilheim zahle sein Verein 12 Euro pro Bahn und Stunde. Das wäre ein Preis, den sich die SGO auch im Piorama vorstellen könnte.