„Hey, ich habe dir die Niere geklaut!“: Wie Iris (23) ihre Mutter nach der Nierenspende begrüßt
Eine Niere aus Liebe: Mutter spendet ihrer an Mukoviszidose erkrankten Tochter ein Organ
Stand: 17.10.2026, 06:19 Uhr
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Als Kind gaben Ärzte Iris kaum eine Chance. Heute lebt die 23-Jährige dank mehrerer Transplantationen weiter – zuletzt spendete ihr die Mutter eine Niere.
Auf der einen Seite liegt Iris, 23 Jahre alt. Auf der anderen ihre Mutter Lidia. Beide liegen in einem Krankenhausbett, beide erholen sich von einem großen Eingriff: einer Nierentransplantation. Es ist die 100. seit Jahresbeginn am Universitätsklinikum Verona. Doch die Geschichte dieser Operation beginnt vor 20 Jahren in Rumänien. Dort wurde die heute 23-jährige Iris geboren. „Gleich nach ihrer Geburt wurde bei ihr Mukoviszidose diagnostiziert“, erklärt ihre Schwester Nicole Stan, 27 Jahre alt.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
„Mama und Papa ließen sie in unseren Krankenhäusern behandeln. Aber als sie fünf war und ich acht, reichten die in Rumänien verfügbaren Behandlungen nicht mehr aus. Die Ärzte sprachen mit meinen Eltern und sagten ihnen, dass Iris es nicht schaffen würde, dass es für sie keine Hoffnung mehr gebe. Doch Mama und Papa gaben nicht auf und suchten nach einer anderen Lösung. Sie recherchierten im Internet, ob eine Behandlung in anderen Zentren in Europa möglich wäre. So fanden sie Verona.“
Iris ist inzwischen seit mehr als 15 Jahren in Borgo Trento in Behandlung. Zuerst kamen sie und ihre Mutter nach Italien, dann folgten Nicole und der Vater. „Mittlerweile sind wir alle hierhergezogen“, sagt Nicole. „Wir leben in der Provinz Vicenza, aber meine Schwester wurde immer in Verona behandelt. Hier in Italien hat man ihr und unserer Familie neue Hoffnung gegeben. Hier wurde auch mein Bruder Mattia geboren, der heute 15 Jahre alt ist.“

Gemeinsame Reisen und zwei Lungentransplantationen
Nicole ist inzwischen erwachsen und arbeitet auf Kreuzfahrtschiffen. Sie leitet das Animationsteam und verbringt lange Zeit an Bord, manchmal ist sie sogar fünf oder sechs Monate unterwegs. „Ich fahre nicht allein los“, scherzt sie. „Oft kommt meine Familie zu mir. Meine Schwester ist von allen am meisten begeistert, sie lässt nie locker und macht bei allen Aktivitäten mit. Die Erlebnisse an Bord gehören zu meinen schönsten Erinnerungen mit ihnen.“ Natürlich ist das nicht immer möglich.
Iris hat im Laufe ihres Lebens bereits zwei Transplantationen beider Lungenflügel hinter sich gebracht: die erste 2012, die zweite 2019. Mit der Nierentransplantation durchlebt sie in diesen Tagen ein neues, wichtiges Kapitel ihrer Krankengeschichte. „Es braucht Zeit, sich zu erholen, das ist unvermeidlich“, sagt Nicole. „Aber ich habe meine Schwester noch nie niedergeschlagen erlebt. Nicht einmal, als es nach der ersten Transplantation zu einer Abstoßung kam.“
„Meine Familie ist mit der Krankheit immer ganz selbstverständlich umgegangen. Es ist zweifellos sehr kompliziert, aber mit Humor haben wir immer versucht, die Belastung etwas leichter zu machen. Gerade Iris setzt sehr auf Ironie, sie ist sehr sarkastisch. Als sie heute Morgen meine Mutter nach der Operation sah, begrüßte sie sie gleich mit den Worten: ‚Hey, ich habe dir die Niere geklaut!‘“
Eine Nierenspende als Ausdruck von Liebe und Hoffnung
Im vergangenen Jahr begann die Nierenfunktion von Iris rasch nachzulassen. „Meine Eltern ließen sich untersuchen, und meine Mutter erwies sich als kompatibel. Sie hat keinen Augenblick gezögert“, sagt Nicole. „Für uns ist die Geste unserer Mutter weit mehr als ein Akt der Großzügigkeit: Sie ist ein tiefer Ausdruck von Liebe und Hoffnung. Aber ich hatte nie Zweifel. Meine Familie ist durch diese schwierige Situation sehr eng zusammengerückt.“
„Wir haben zusammengehalten und uns damit abgewechselt, bei ihr im Krankenhaus zu sein. Sie hatte immer ein Einzelzimmer. Ich erinnere mich, wie ich dort mit Lego spielte und Puzzles machte. Dann ging ich nach Hause, meine Mutter übernachtete bei ihr. Am nächsten Morgen musste ich meinen Bruder zur Schule bringen. Wenn Familie nicht bedeutet, füreinander da zu sein und einander in schwierigen Zeiten zu unterstützen, was bedeutet sie dann?“
Die Zukunft Tag für Tag angehen
Nicole und Mattia wuchsen in einem Alltag zwischen Schule und regelmäßigen Krankenhausbesuchen auf. „Vieles hat Iris allein durchgestanden“, sagt Nicole. „Sie hat nie den Mut verloren, aber sie fragt sich schon, warum Gleichaltrige bestimmte Dinge tun können und sie nicht. Dann ist das aber auch schnell wieder vorbei. Die Zukunft? Die gehen wir Tag für Tag an, wir schauen nicht zu weit voraus.“
„Noch vor zehn bis 20 Jahren war die Lebenserwartung für Menschen mit dieser Krankheit zum Beispiel sehr niedrig. Heute gibt es viele weitere Möglichkeiten, und es werden sich noch viele Wege eröffnen. Sagen wir so: Sie hat uns gelehrt, nachzudenken. In einem ‚normalen‘ Leben scheint es der Weltuntergang zu sein, wenn man zu spät kommt oder es Spannungen bei der Arbeit gibt. Wir wissen, dass es nicht so ist.“