„Eine Sensation“ – Seltener Vogel brütet dank Biberdamm


Stand: 15.07.2026, 06:00 Uhr

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Das seltene Tüpfelsumpfhuhn bewohnt die feuchten Wiesen hinterm Heusenstammer Schloss.

Das seltene Tüpfelsumpfhuhn bewohnt die feuchten Wiesen hinterm Heusenstammer Schloss. © Privat

Der Offenbacher Vogelkundler Wolfgang beobachtet im März die seltene Rallen-Art auf nur 30 Meter Entfernung in Heusenstamm. Das Tier brütet auch in der Wetterau – dort nur auf mehrere hundert Meter zu sehen.

Heusenstamm – Die Disteln, Sonnenblumen und Binsen sind inzwischen hochgewachsen und säumen den Pfad, der vom Wiesenbornweg zur Brücke der Freundschaft führt. In den vergangenen Jahren ist auf den Wiesen entlang des Bieberbachs ein Feuchtbiotop entstanden. Der Verursacher: der Biber. Das Wasser, das durch seinen Damm über die Ufer tritt, hat eine neue Landschaft entstehen lassen. Sie bietet beste Voraussetzungen für seltene Arten, weiß Hobby-Naturforscher Wolfgang Ott. Im März macht der 83-Jährige, Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), eine seltene Beobachtung: Durch den Schlamm auf den Schlosswiesen watet ein Tüpfelsumpfhuhn und sucht nach Fressen. „Eine Sensation“, sagt der Offenbacher Amateur-Ornithologe über das seltene Tier.

Bieberdamm schafft Lebensraum

Auf eine Entfernung von nur 30 Metern läuft ihm das Tüpfelsumpfhuhn vor die Linse. In Hessen wird die Art vor allem im Bingenheimer Ried in der Wetterau gesichtet; dort habe Ott den Vogel lediglich auf mehrere hundert Meter beobachten können. Für gewöhnlich brütet die Rallen-Art in sumpfigem, zugewuchertem Gebiet. Dank dem Biber und der Bieber fühlt sich das Tüpfelsumpfhuhn offensichtlich wohl in Heusenstamm. „Ich dachte zuerst, mir wäre eine Wasserralle ins Bild gelaufen. Bis mir auffiel, dass der Schnabel dafür zu kurz ist“, berichtet Ott von der Beobachtung am 10. März, die laut dem Portal ornitho.de bundesweit die erste in diesem Jahr war.

Begeistert vom Feuchtbiotops ist der Hobby-Vogelforscher Wolfgang Ott aus Offenbach.

Begeistert vom Feuchtbiotops ist der Hobby-Vogelforscher Wolfgang Ott aus Offenbach. © Lisa Schmedemann

Mit einer Ausnahme von zwei Tagen hat Ott das Tier – oder mehrere? – bis Mitte April täglich sichten können. Laut Naturschutzbund (Nabu) ist das Tüpfelsumpfhuhn das größte der drei Sumpfhuhn-Arten, die in Deutschland vorkommen. Oftmals bekomme man es nur nachts zu Gesicht. In ruhigen Nächten mache es sich durch seinen unauffälligen, aber weithin hörbaren Gesang bemerkbar, der im Frühjahr aus nassen Wiesen und Röhrichten mit niedrigem Wasserstand ertönt. „Da geeignete Lebensräume immer seltener werden, findet man es nicht mehr allzu häufig“, heißt es beim Nabu. Ott ergänzt: „Diese Art steht in Hessen auf der ‚Roten Liste‘ und ist vom Aussterben bedroht.“

Ott erstellt wichtiges Videomaterial

Der Offenbacher Vogelforscher ist durch den Tipp eines Freundes Anfang des Jahres auf die Gewässer in Heusenstamm aufmerksam geworden: Am „See am Goldberg“ wollte der Offenbacher ursprünglich Blässhühner beobachten, hat aber schnell gemerkt, dass sich der Blick in die örtliche Flora und Fauna lohnt.

Neben Vögeln beobachtet Ott auch Insekten. In dem Feuchtbiotop am Wiesenbornweg hat er etwa schon Libellen bei der Eiablage gefilmt. Aus seinen Beobachtungen schreibt der 83-Jährige Blogbeiträge und lädt Videomaterial auf seinem Youtube-Kanal hoch. Innerhalb der HGON tauscht man sich aus, stellt das Material zur Verfügung und gibt Tipps für die besten Beobachtungsposten. „Die Vögel haben da aber oberste Priorität. Wir nähern uns nur so weit, wie wir die Tiere nicht stören“, erläutert Ott. Den Rest erledige der Kamerazoom. Vom Rufen, Spielen und Toben der Jungen und Mädchen im benachbarten Kinderhaus lassen sich Vögel im Übrigen nicht beeindrucken, sagt Ott.

Vorschaubild für den lokalen Newsletter für Heusenstamm (op-online)

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Der Damm des Bibers, der die Wiesenfläche geflutet hat, ist inzwischen kaputt; einige sumpfige Stellen liegen deshalb schon wieder auf dem Trockenen. So gerne Ott den Damm wieder „reparieren“ würde: Privatmenschen ist das untersagt – sowohl das Zerstören als auch das Aufstocken. Zuständig sei die Untere Naturschutzbehörde. „Ich hoffe, dass sich dort jemand Gedanken darum macht. Der Biber hat hier ein neues Biotop mit seltenen Arten erschaffen, von dem es schade wäre, wenn es auf lange Sicht wieder verschwindet.“ (Von Lisa Schmedemann)