Eintracht-Präsident Mathias Beck drückt aufs Gas
Stand: 13.10.2026, 14:02 Uhr
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Seine Wiederwahl am Montag gilt als sicher. Und Beck sprüht vor Tatendrang: Er hat große Pläne mit dem mächtigen Vorstand Axel Hellmann und wird bald einen Nachfolger für Sportchef Markus Krösche suchen müssen
Wenn die Mitglieder von Eintracht Frankfurt am Montag in der altehrwürdigen Jahrhunderthalle ihren Präsidenten wählen, wird das neue Vereinsoberhaupt auch das alte sein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zumindest. Und: Mathias Beck, 55, Unternehmer aus Dreieich, seit Februar 2024 als Nachfolger von Eintracht-Legende Peter Fischer am Start, darf mit großer Zustimmung rechnen. Selbst wenn er die Latte selbst hochgelegt hat. Vor 32 Monaten wurde er mit ungeheuerlichen 99,8 Prozent ins Amt gehievt. Ob am Montag mit einem ähnlich überwältigenden Resultat zu rechnen ist? Vieles spricht dafür.
Die Versammlung tief im Frankfurter Westen wird traditionell überwiegend von den Fans der aktiven Szene besucht. Die organisierten Anhänger, auch die Ultras, sind dem amtierenden Präsidenten wohlgesonnen. Bei der letzten Wahl waren knapp 1900 Mitglieder zugegen. Die Beck-Zustimmung spricht für sich.
Krösches Aus gilt als sicher – aber wann?
Und der gut situierte Immobilienfachmann, einst in leitender Funktion bei Haribo, hat in den letzten zwölf, vierzehn Monaten seine PS auf die Straße gebracht, Körpergewicht verloren, aber an sportökonomischem Gewicht und Durchschlagskraft gewonnen, sehr viele Projekte angeschoben oder umgesetzt.
Er hat beispielsweise im Hinblick auf Infrastruktur eine beispiellose Offensive gestartet. Da geht es um die Erschließung und den Bau neuer Sportstätten oder die Modernisierung der bestehenden Anlagen, etwa die Erweiterung des Nachwuchsleistungszentrums am Riederwald. Das hört sich zunächst einmal sperrig an und geschieht weit weg vom Scheinwerferlicht. Und ist nichts, was unmittelbar mit der schillernden Glitzerwelt des Profifußballs zu tun hat. Die Bundesligamannschaft der Männer ist natürlich der Leuchtturm des Großvereins mit mehr als 160.000 Mitgliedern. An ihrem Erfolg hängt eine Menge.
Mathias Beck hat auch im Zusammenspiel mit der Fußball-AG an Einfluss gewonnen. Er ist da keine Randfigur, er ist der Präsident des Muttervereins und des Mehrheitsgesellschafters, der 67,89 Prozent Anteile an der Aktiengesellschaft hält. Er ist zudem Vorsitzender des Aufsichtsrats, führt den Hauptausschuss mit Sven Janssen und Felix Wirmer an, eine Art schnelle Eingreiftruppe.
Genau in dieser Funktion als Chef des Kontrollgremiums hat er weitreichende Geltung in den Profifußball hinein, auch in puncto Besetzung des Vorstands. Und da könnte bald Arbeit auf ihn zukommen. Denn es gilt als sicher, dass der lange erfolgreiche, zuletzt aber vermehrt glücklose und müde wirkende Sportchef Markus Krösche seinen bis 2028 laufenden Vertrag nicht erfüllen wird. Die Frage ist, wann die Zeit des 46-Jährigen in Frankfurt endet. Es gibt nicht wenige, die auf ein schnelles Ende tippen, womöglich noch in diesem Jahr.
Hellmann soll Vorsitzender werden
Für diesen Fall sollte Mathias Beck gewappnet sein. Ein Nachfolger müsste her, nicht sofort, aber bald. In jedem Fall vor der Sommertransferperiode. In keinem Fall will der Verein noch mal in die Fredi-Bobic-Falle tappen. Im Frühjahr 2021 war die gesamte Sportführung durch den bevorstehenden Abgang des erfolgreichen Managers in eine Art Vakuum-Zustand versetzt worden, gewissermaßen handlungsunfähig. Ein Vorgang, der sich keinesfalls wiederholen soll.
Wer Markus Krösche beerben könnte? Der gebürtige Frankfurter Joti Chatzialexiou (1. FC Nürnberg) und Ex-Eintracht-Spieler Christoph Spycher (Young Boys Bern) sind ernsthafte Kandidaten, aber nicht die einzigen Aspiranten.
Boss Beck drückt aufs Gas. Er ist ein großer Freund seiner eigenen Idee, den jetzt schon mächtigen Axel Hellmann zum Vorsitzenden des Vorstands zu machen, bislang ist der 55-Jährige dessen Sprecher. Hellmann, seit Jahrzehnten dabei und so etwas wie Mister Eintracht, hat in der Vergangenheit nicht die Notwendigkeit gesehen, dem Gremium an der Spitze vorzustehen, er drängt nach wie vor nicht darauf. Vielleicht wäre es aber als Lehre des Wirrwarrs um Markus Krösche in diesem Sommer nicht so schlecht, wenn einer der hohen Herren den Hut auf hätte. Dass das nur einer sein kann, ist jedem Menschen mit Eintracht-Bezug und einem Funken Verstand klar. Insofern wird die Aufsichtsratssitzung am 8. Dezember spannend. Zumal auch Mathias Beck sehr wahrscheinlich mit sehr viel Rückenwind aufdribbeln kann.
Neu hinzukommen in den Aufsichtsrat soll dann übrigens Benjamin von Loefen, derzeit Vizepräsident im Verein. Ein Vorhaben, das für die breite Öffentlichkeit einige Brisanz hat, weil der 39-Jährige bekennender Ultra ist. Was allerdings bei genauerem Hinsehen nicht nur nicht schlimm ist, sondern durchaus hilfreich sein kann. Der Familienvater macht im Verein nicht nur einen hervorragenden Job, sondern wirkt auch im Hintergrund in die aktive Szene hinein, ohne Vertrauen zu verlieren. Auf beiden Seiten. Insofern sehen alle Verantwortlichen das Thema entspannt, begrüßen die Personalie sogar.
Ob von Loefen im Kontrollorgan Teil des Finanz- und Prüfungsausschusses sein wird, ist aktuell ungeklärt. Bisher war Dominik Berker damit betraut. Der Steuerfachmann scheidet aber aus dem Aufsichtsrat aus, kandidiert auch nicht mehr als Vize des Vereins. Seinen Posten als Schatzmeister soll von Loefen übernehmen, obwohl dieser Betriebswirt und kein Finanzexperte ist. Gleichwohl kennt er sich mit Millionenumsätzen und großen wirtschaftlichen Zusammenhängen als Manager einer internationalen Fitnesskette aus. Er soll ohnehin von einem hauptamtlichen Finanzprofi unterstützt werden.
Dominik Berker, eingefleischter Eintracht-Fan, scheidet auf sanften Druck aus. Seine Verdienste sind groß und unbestritten, werden anerkannt und honoriert, doch ihm wurde fehlende Transparenz vorgehalten. Auch an seinem forschen, offensiven und zupackenden Wesen störten sich einige Kollegen am Riederwald. Der Finanzwirt zieht sich tief enttäuscht zurück.