128 Wohnungen, keine gebaut: Ein Sexclub blockiert das Quartier seit 20 Jahren


Auf dem Ifang-Areal in Schwerzenbach sollen 128 Wohnungen stehen. Eingezont wurde das Areal 2006.

Gebaut ist bis heute keine einzige.

Seit zwanzig Jahren zieht der Betreiber des Sexclubs Globe gemeinsam mit weiteren Beteiligten gegen das Wohnprojekt vor Gericht, wie der Tages-Anzeiger recherchiert hat. Jede Instanz kostet Jahre.

Ifang-Areal Schwerzenbach: 128 Wohnungen seit 2006 genehmigt

Schwerzenbach liegt im Zürcher Oberland, zwölf S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof, gut 5000 Einwohner. 128 Wohnungen würden den Ort spürbar vergrößern.

Die Einzonung 2006 war der erste Schritt. Seitdem hängt das Projekt in den Verfahren, und keine der 128 Wohnungen hat je einen Mieter gesehen.

Wer blockiert den Bau der 128 Wohnungen?

Der Betreiber des Sexclubs Globe, Ingo Heidbrink. Gemeinsam mit weiteren Beteiligten hat er das Bauvorhaben wiederholt angefochten.

Das Globe gilt als einer der größten Sexclubs der Schweiz. Der Eintritt kostet 95 Franken, täglich kommen deutlich mehr als hundert Männer.

Reisehighlights Reisehighlights exklusiv für Sie

Mehr

Warum kann ein Nachbar ein Bauprojekt stoppen?

Weil ihm das Baurecht Beschwerdewege eröffnet, die er bis zur letzten Instanz ausschöpfen darf. Nicht die Erfolgsaussicht entscheidet über die Verzögerung, sondern die Verfahrensdauer.

Heidbrink fürchtet nach den Rechtsschriften Konflikte zwischen seinen Gästen und den künftigen Bewohnern. Öffentlich geäußert hat er sich zu seinen Beweggründen nicht.

Die Logik dreht sich damit um: Der Betrieb, an dem Nachbarn Anstoß nehmen könnten, verhindert den Zuzug der Nachbarn.

Was hat das Bundesgericht entschieden?

Es ist auf die jüngsten Beschwerden nicht eingetreten. Das klingt nach einem Durchbruch für die Bauherrschaft, ist aber keiner.

Die Baubewilligung wurde nur unter Auflagen erteilt, weitere Unterlagen müssen erst bewilligt werden. Gegen diesen Endentscheid lässt sich erneut Beschwerde führen.

Wie oft verzögern Einsprachen den Wohnungsbau?

Oft genug, dass sich ein Muster zeigt. Im Zürcher Kreis 5 fiel ein 70-Meter-Hochhaus einem Baustreit zum Opfer, 60 Wohnungen entfielen ersatzlos.

In Horgen ergingen in sechs Jahren sechs Gerichtsurteile zu einem einzigen Mehrfamilienhaus. In Basel liegt eine Aufstockung seit drei Jahren still, obwohl die Bewilligung vorliegt.

Nicht die Baukosten halten diese Projekte auf, sondern die Verfahren.

Bauüberhang 2025: 760.700 genehmigte Wohnungen sind nicht gebaut

Deutschland kennt dasselbe Problem, nur ohne Schlagzeile. Das Statistische Bundesamt zählte Ende 2025 einen Bauüberhang von 760.700 Wohnungen – genehmigt, aber nicht fertiggestellt.

Ein Jahr zuvor waren es 759.700. Der Berg bewegt sich nicht.

Fertiggestellt wurden 2025 bundesweit 206.600 Wohnungen, 45.400 weniger als im Vorjahr. Genehmigt wurden gleichzeitig 238.100. Der Abstand wächst weiter.

Wie lange gilt eine Baugenehmigung in Deutschland?

Drei Jahre. Wird in dieser Frist nicht mit dem Bau begonnen, erlischt sie, so regeln es die Landesbauordnungen übereinstimmend.

Verlängern lässt sie sich auf Antrag um jeweils bis zu drei weitere Jahre. Wie viele Genehmigungen im Bauüberhang nur noch auf dem Papier bestehen, erfasst das Statistische Bundesamt nach eigenen Angaben nicht.

Wohnungsbau Berlin: 50.000 Wohnungen hängen im Bauüberhang

In der Hauptstadt liegen über 50.000 Wohnungen im Bauüberhang, wie Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler mitteilte. 32.000 davon befinden sich im Bau, bei über 18.000 steht der Rohbau.

Fertiggestellt wurden 2025 in Berlin rund 11.000 Wohnungen, davon 9524 im Neubau. Für 2026 erwartet die Senatsverwaltung 6500.

Bei diesem Tempo braucht Berlin fast fünf Jahre allein für den eigenen Genehmigungsstau. Das Ifang-Areal passt 390-mal hinein.

Einen Sexclub, dem sich die Schuld geben ließe, gibt es hier allerdings nicht.

Lesen Sie mehr zum Thema