„Da fließt kein böses Blut mehr“: Eintracht-Verteidiger Collins enthüllt Gespräch mit Nagelsmann


Eintracht-Verteidiger Collins enthüllt: Nagelsmann rief in der Reha an

Stand: 29.07.2026, 07:00 Uhr

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Nnamdi Collins hat viel vor in der kommenden Saison. Er will bei Eintracht Frankfurt eine Führungsrolle übernehmen und auch im Nationalteam angreifen.

Grassau – Entspannt und gut gelaunt hat sich Nnamdi Collins beim Interviewtermin mit Absolut Eintracht präsentiert. Trotz der schweißtreibenden Einheiten im bayerischen Grassau, lässt er sich das Lachen nicht nehmen. Der 22-Jährige geht bereits in seine vierte Saison bei Eintracht Frankfurt. Es ist für ihn eine richtungsweisende Spielzeit. Gelingt Collins der Sprung in die Riege der Führungsspieler?

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Collins nahm sich im Teamhotel ausgiebig Zeit für das Gespräch. Er äußerte sich zum neuen Coach Adi Hütter, zu einem Telefonat mit Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann und zu seiner eigenen Rolle. Außerdem blickte er zu dem nach München abgewanderten Kumpel Nathaniel Brown und augenzwinkernd auch zu seiner kurzen Rolle als Vermittler beim Transfer von Noel Aseko.

Nnamdi Collins, es wirkt so, als wäre die Stimmung in der Mannschaft sehr gut. Täuscht dieser Eindruck?

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Der täuscht nicht, wir haben alle richtig Lust. Adi Hütter hat nach unserer schwierigen Saison positive Energie und Schwung in die Mannschaft gebracht. Ein Trainingslager bedeutet immer harte Arbeit, aber ich finde, dass das gesamte Trainerteam auch bei der Intensität genau das richtige Maß trifft. Alle ziehen voll mit, und obwohl es natürlich körperlich anstrengend ist, macht es auch Spaß.

Es fällt allerdings auf, dass Sie wirklich viel am Lachen sind …

Es ist wichtig, dass wir auch während der Trainingseinheiten in einem passenden Moment mal lachen können. Und an freien Nachmittagen sollten wir den Kopf freibekommen, auch mal auf andere Gedanken kommen. In der vergangenen Saison waren wir über weite Strecken verkopft und verkrampft. Wir waren unzufrieden, wie die Saison gelaufen war. Umso schöner, dass wir jetzt wieder mehr lachen. Diese gute Stimmung sollten wir uns bewahren, denn Fußball soll bei allem Druck, den wir natürlich auch haben, Freude machen.

Haben Sie die vergangene Saison abgeschüttelt?

Am Anfang war es schwierig, die Enttäuschung war schon groß. Für mich persönlich kann ich sagen: Ich denke nicht mehr daran. Und ich habe den Eindruck, dass wir als Mannschaft auch einen Schlussstrich unter die vergangene Saison gezogen haben. Ich freue mich darauf, die neue Saison anzugehen und das erste Pokalspiel zu bestreiten.

Adi Hütter ist zur Eintracht nach fünf Jahren Abstinenz zurückgekehrt. Was zeichnet den Fußball unter ihm aus?

Eines seiner Markenzeichen ist das aggressive Gegenpressing. Das ist uns im Test gegen Trabzonspor schon gut gelungen – wir haben die Bälle schnell zurückerobert. Das beginnt im Sturm, unser Mittelfeld muss dafür sehr viel laufen. Und wenn wir den Ball hinten gewinnen, sollen wir schnell nach vorn spielen. Natürlich gelingt das nicht immer, aber wir sollen es immer wieder versuchen. Die Mannschaft hat richtig Bock auf den Adi-Hütter-Fußball.

Hütter sagte, dass Sie ein schneller und dynamischer Spieler seien. Sehen Sie sich als wichtiges Puzzleteil?

Für die Spielweise unter Adi Hütter ist entscheidend, dass die Spieler wirklich fit sind, viel laufen und über ihre Grenzen gehen können. Der Trainer braucht Spieler, die Körperlichkeit, eine gute Zweikampfführung und die nötige Bereitschaft mitbringen.

Haben Sie schon ein Gefühl dafür, was Adi Hütter von Ihnen erwartet?

Ich habe zunächst vor allem ein Gefühl für meine eigenen Erwartungen an mich. Es ist nicht meine erste Saison bei der Eintracht, und ich weiß, dass ich mehr kann, als ich in der vergangenen Saison gezeigt habe. Deshalb will ich vorangehen und jede Partie mit voller Überzeugung bestreiten. Dazu gehört für mich, meinen Mannschaftskollegen ein gutes Gefühl zu vermitteln und seriös zu verteidigen. Denn am Ende wollen wir alle dasselbe: besser spielen, mehr Siege einfahren und dominanter auftreten.

Auffällig ist der Schulterschluss mit den Fans. Was bedeutet Ihnen diese Liebe der Anhängerschaft?

Ich konnte in Frankfurt schon viel aufsaugen und verstehe, wie die Fans und die Stadt ticken. Ich habe selbst erlebt, wie es sich anfühlt, Spiele zu verlieren, in einem Leistungsloch zu stecken oder Gegenwind von außen zu bekommen. Auch wenn ich selbst noch recht jung bin, kann ich meine Erfahrungen an jüngere Mitspieler wie Niko Ilicevic, der sich richtig gut im Team eingelebt hat, weitergeben. Ich kann meinen jungen Kollegen beispielsweise mit auf den Weg geben, dass man Kritik von außen nicht persönlich nehmen darf, sondern weiter hart arbeitet und an sich selbst glaubt, auch wenn es nicht immer leicht ist. Mit guter Leistung kann man jeden von sich überzeugen.

Ihre vergangene Saison war auch geprägt von Ihrem unglücklichen Länderspieldebüt. Hat sich der ehemalige Bundestrainer Julian Nagelsmann vor der WM bei Ihnen gemeldet?

Julian Nagelsmann hat mich angerufen, als ich in der Reha war und meine damalige Verletzung auskuriert habe. Wir hatten ein kurzes Gespräch. Er sagte mir, dass ich nicht bei der WM dabei sein werde – das war wegen meiner Verletzung ohnehin klar. Dann sprach er auch das Länderspiel an und sagte mir, dass es ihm leidtue, wie es gelaufen ist.

Was genau hat Ihnen Julian Nagelsmann erklärt?

Wenn ein Neuling ins kalte Wasser geworfen wird und es gut läuft, ist die Freude groß. Bei mir war das leider nicht der Fall, ich wurde im Nachgang sehr stark kritisiert. Das tat ihm leid. In erster Linie war ich in der damaligen Situation selbstkritisch und unzufrieden mit meiner eigenen Leistung.

War das für Sie ein versöhnlicher Abschluss dieser Episode?

Da fließt kein böses Blut mehr. Ich bin ein Mensch, der vieles mit sich selbst ausmacht. Auch ohne den Anruf wäre ich nicht wütend auf Julian Nagelsmann gewesen, im Fußball wie im täglichen Leben läuft es nicht immer perfekt. Ich hatte in der Reha-Phase viel Zeit zum Nachdenken und hatte mit der vergangenen Saison abgeschlossen. Trotzdem hat es mich gefreut, dass er sich gemeldet hat.

Mit Jürgen Klopp sitzt ein neuer Bundestrainer am Steuer. Träumen Sie von einer Rückkehr ins DFB-Team?

Ich habe früher alle Nationalmannschaften durchlaufen, und es war eine große Ehre für mich, in der A-Nationalmannschaft aufzulaufen, auch wenn die Partie für mich nicht gut lief. Umso mehr will ich mich mit guten Leistungen wieder fürs Nationalteam empfehlen. Das ist ein klares Ziel von mir. Dass dabei mit Jürgen Klopp ein Trainer für Pressingfußball steht, passt gut zu mir, denn bei der Eintracht spielen wir inzwischen selbst dieses giftige, intensive Pressing. Im Verein kann ich also das weiterentwickeln, was mich auch für die Nationalmannschaft interessant machen könnte.

Sie haben in den vergangenen Jahren bereits auf vielen verschiedenen Positionen gespielt. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Meine favorisierte Position ist die Innenverteidigung. Am Ende spiele ich aber da, wo der Trainer mich sieht und aufstellt. In der vergangenen Saison habe ich unter Albert Riera auch mal als Linksverteidiger gespielt. Das war eine neue Erfahrung für mich, denn selbst in der Jugend habe ich dort noch nie gespielt (lacht). Ich habe die Rolle natürlich angenommen, aber als Innenverteidiger fühle ich mich am wohlsten.

Ihre Entwicklung ist bemerkenswert. Im Frühjahr wurden Sie mit englischen Teams in Verbindung gebracht. Ehren Sie solche Gerüchte?

Was viele nicht wissen: Ich bin ein sehr entspannter Mensch und bilde mir generell wenig auf solche Spekulationen ein. Ich weiß, wie der Markt tickt, und es ist nicht immer klar, wie viel Wahrheitsgehalt hinter solchen Meldungen steckt. Natürlich ehrt es einen, wenn Premier-League-Klubs genannt werden. Ich empfand es aber eher als lustig, dass viele dachten, ich wollte den Verein wechseln.

Der Beraterwechsel zu Moussa Sissoko hat natürlich Aufmerksamkeit erregt. Oftmals ist das ein Anzeichen für einen Vereinswechsel.

Das stimmt vielleicht auf den ersten Blick. Ich habe mich aber nie mit einem Abgang beschäftigt. Ich war vollständig in der Reha-Phase und habe mich auf mein Comeback konzentriert. Ein Wechsel im Sommer war für mich daher kein Thema. Ich fühle mich sehr wohl bei der Eintracht.

Bei Eintracht Frankfurt ist nahezu kein Spieler unverkäuflich. Der Klub will Sie aber definitiv behalten. Sind Sie dem Klub dankbar, dass er Ihnen dieses Vertrauen schenkt?

Das bedeutet mir sehr viel. Es wird in meiner Karriere keinen Klub mehr geben wie die Eintracht – auch dann nicht, wenn ich irgendwann nicht mehr hier spiele. Hier bin ich zum Profi geworden, das kann mir kein anderer Verein mehr geben. Natürlich habe ich auch meinen Teil dazu beigetragen, Gas gegeben und performt. Aber es waren Dino Toppmöller, Markus Krösche und Timmo Hardung, die mir dieses Vertrauen geschenkt haben. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Die Eintracht wird immer etwas Besonderes für mich bleiben. Das soll jetzt aber nicht nach Abschied klingen. (lacht) Ich freue mich riesig auf die neue Saison hier.

Sie werden bei Transfermarkt.de im Bereich von 20 Millionen Euro gehandelt. Wie gehen Sie damit um?

Ich möchte solche Themen nicht überbewerten, auch wenn ich weiß, dass sie für die heutige Generation einen gewissen Stellenwert haben. Deshalb nehme ich es zur Kenntnis, ohne die Bodenhaftung zu verlieren (lacht). Trotzdem ist es natürlich eine gewisse Wertschätzung.

Sie haben Markus Krösche in der Sommerpause etwas geholfen und Noel Aseko vor dessen Wechsel zur Eintracht eine Whatsapp geschrieben. Das hat er bei seiner Pressekonferenz verraten. Was war denn der Inhalt?

Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich dabei geholfen habe. Als ich gelesen habe, dass Noel Aseko kommen könnte, habe ich ihm gleich geschrieben: „Ich möchte dir nicht zu nahetreten, aber wenn da etwas dran sein sollte, dann komm auf jeden Fall zur Eintracht.“ (lacht) Noel wollte nicht zu viel verraten, aber schon nach einem kurzen Austausch habe ich gemerkt, dass ein Transfer klappen könnte. So ist es am Ende auch gekommen. Das freut mich sehr.

Auf welchen Spielertyp darf sich der Eintracht-Fan freuen?

Noel ist ein ballsicherer Spieler, der selten Bälle verliert und der Mannschaft dadurch defensiven Halt geben kann. Es ist ein guter Mix aus Ballsicherheit und aggressivem Defensivverhalten, der auf der Sechs oder der Acht Gold wert ist. Passend dazu hat er sich selbst als Typ N‘Golo Kanté bezeichnet. Da hat er sich in meinen Augen einen passenden Vergleich ausgesucht.

Und vielleicht wird er ja der Nachfolger von dem zum FC Bayern München abgewanderten Nathaniel Brown. Can Uzun, Brown und Sie waren eine Clique. Kann Aseko diese Lücke schließen?

Can und ich vermissen Nene Brown natürlich und ich denke, er vermisst uns auch. Wir haben viele coole Typen in unserem Alter, wie Younes Ebnoutalib oder Ayoube „Jupp“ Amaimouni-Echghouyab, aber auch mit Timothy Chandler und Robin Koch verstehen wir uns in der Mannschaft hervorragend. Noel könnte aber gut in unsere Gruppe hereinrutschen, das passt.

Der Wechsel von Nathaniel Brown zum FC Bayern war bemerkenswert, oder?

Es freut mich für Nene, dass alles so funktioniert hat und er glücklich ist. Der FC Bayern ist das stärkste Team in Deutschland, und er ist ja auch in der Nähe aufgewachsen. Diese Entwicklungskurve, inklusive der WM-Teilnahme, konnte man natürlich nicht erahnen. Für ihn ist es perfekt gelaufen. Nene kann stolz auf sich sein.