Eisläufer sind fassungslos über DESG-Präsident Matthias Große: "Da hat jemand große, große Angst"
Eisläufer sind fassungslos
"Da hat jemand große, große Angst"
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15.10.2026 | 19:43 Uhr
Das DESG-Präsidium hat die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung kurzfristig um vier Monate verschoben. Die Opposition reagiert wütend auf den nächsten Akt der Willkür - und will aktiv werden.
Hendrik Dombek kommt gar nicht mehr hinterher, wie viele obligatorische Versammlungen das DESG-Präsidium schon kurzerhand verschoben hat. Überrascht hat den Eisschnellläufer die jüngste Volte des umstrittenen Verbandschefs Matthias Große und seiner Mitstreiter nicht mehr - Wut und Frustration sind dennoch groß.
"Es wird hinausgezögert, der Druck auf die Athletinnen und Athleten wird einfach verlängert. Seit sechs Jahren, seitdem dieser Präsident im Amt ist, ist es immer schlimmer geworden. Und wir müssen uns offensichtlich jetzt darauf einstellen, dass es auch die nächsten Monate schlimm wird", klagt der Olympiateilnehmer im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst.
Gegenkandidat steht bereit
Dombek, der auch Mitglied des Präsidiums beim Verein Athleten Deutschland ist, hatte wie viele seiner Mitstreiter am Standort Erfurt seine Hoffnungen auf ein Ende der Ära Große bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) gelegt. Am Samstag, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Dresden, sollte es so weit sein. Die Opposition um den thüringischen Verband TERV hatte in Andreas Minschke einen Gegenkandidaten parat, sah sich gerüstet für eine Kampfabstimmung. Doch die DESG sagt nun: Wir treffen uns erst am 13. Februar.
"Die dafür erforderlichen abschließenden Entscheidungen der zuständigen Fördermittelgeber liegen derzeit der DESG noch nicht vor. Diese gilt es abzuwarten", heißt es in der dreiseitigen Mitteilung des Verbandes, die dem Sportinformationsdienst vorliegt.
"Äußerst problematische Entwicklung"
"Die Absage verschafft dem Präsidium zunächst einmal mehr Zeit, während die Athletinnen und Athleten weiter mit der bestehenden Unsicherheit umgehen müssen", kommentiert Dombek. Der nun von der DESG angegebene Termin liegt am Ende der Saison, danach finden nur noch die Einzelstrecken-Weltmeisterschaften statt. Zeit genug, um etwa Verträge mit dem Präsidium nahestehenden Personen zu verlängern. Das sei eine "äußerst problematische Entwicklung", findet Dombek.
"Ich habe den Kopf geschüttelt. Da hat jemand große, große Angst. Und anstatt sich wie ein Ehrenmann einer Entscheidung der Mitglieder zu stellen, sucht er sich irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Argumente", sagte Präsident Michael Schneider vom Thüringer Eis- und Rollsportverband e.V. dem SID: "Wir werden zeitnah, heute oder morgen, einen Antrag auf eine außerordentliche Verbandsversammlung der Mitglieder stellen. Dafür brauchen wir einige weitere Vereine und Verbände. Das sind 25 Prozent der Mitglieder. Da bin ich aber sehr sicher, dass wir die finden werden." Dann, so Schneider, könnte auch binnen sechs Wochen eine Versammlung einberufen werden.
Vereinbarung unter Protest unterzeichnet
Der TERV, so die Sichtweise der DESG, habe "wiederholt Grenzen einer sachlichen und konstruktiven Verbandsarbeit überschritten". Weiter sei vom thüringischen Verband beständig behauptet worden, dass man beabsichtige, den Bundesstützpunkt Erfurt zu schließen: "Diese Behauptung weisen wir entschieden zurück."
Die Erfurter Athletinnen und Athleten wiederum hatten in der vergangenen Woche "ausdrücklich unter Protest" eine Athletenvereinbarung unterzeichnet, um weitere sportliche Nachteile zu verhindern. Die Planungen der DESG vom Sommer sehen vor, dass die Topathleten nur noch in Inzell und Berlin trainieren und nicht mehr in Erfurt, wo das Gros der deutschen Elite um Toptalent Finn Sonnekalb ansässig ist. Sonnekalb hatte angesichts der Pläne zuletzt öffentlich mit einem Wechsel ins Ausland geliebäugelt. Diese Abwanderungsgedanken könnten sich nun konkretisieren.
Sportlich weiterentwickelt und verbessert
Sollte keine schnelle Lösung gefunden werden, fordert Dombek ein Eingreifen der Fördermittelgeber und eine direkte Unterstützung der Athletinnen und Athleten außerhalb der Verbandsstrukturen, während sich der Verband intern neu aufstellt. "Ob das über einen anderen Verband oder direkt über den DOSB läuft, ist für mich zweitrangig."
Denn klar ist für den gebürtigen Münchner: "Trotz der schwierigen Situation haben wir uns sportlich weiterentwickelt und verbessert. Umso kritischer sehe ich, wenn sich am Ende diejenigen damit schmücken, die selbst nicht auf dem Eis standen."
Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid