Elbe-Pegel Magdeburg bei 41 Zentimetern – Rekord offen
Niedrigwasser in Sachsen-Anhalt
Elbe-Pegel in Magdeburg sinkt auf 41 Zentimeter – Rekord noch nicht bestätigt
Stand: 09.08.2026 16:17 Uhr
Die Elbe führt in Sachsen-Anhalt weiterhin extrem wenig Wasser. Am Pegel Magdeburg-Strombrücke weist ELWIS für Sonntagmorgen 41 Zentimeter aus; PEGELONLINE meldete später einen Rohwert von 40 Zentimetern. Ein neuer Niedrigwasserrekord ist für Magdeburg bislang nicht offiziell ausgewiesen, während Wittenberg seinen bisherigen Tiefststand bereits unterschritten hat. DLRG und NABU warnen vor Gefahren für Menschen und Natur.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Der Wasserstand der Elbe am Pegel Magdeburg-Strombrücke ist weiter gesunken. Das zeigen Daten des Informationsportals ELWIS der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Dort werden für Sonntagmorgen um 6 Uhr 41 Zentimeter ausgewiesen – nach jeweils 42 Zentimetern am Freitag und Samstag.
PEGELONLINE meldete um 11.15 Uhr einen aktuellen Rohwert von 40 Zentimetern. Als niedrigsten bekannten Wasserstand führt ELWIS allerdings weiterhin 45 Zentimeter aus dem Jahr 2019 auf. Ein neuer Rekord ist damit bislang nicht offiziell ausgewiesen.
Was zeigt der Pegel?
Ein Pegelwert zeigt nicht, wie tief ein Fluss ist. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde wird der Wasserstand von einem festgelegten Pegelnullpunkt aus gemessen. Dieser kann sogar oberhalb der Flusssohle liegen. Da die Bezugspunkte und örtlichen Bedingungen an jedem Pegel unterschiedlich sind, lassen sich Werte verschiedener Messstellen nicht unmittelbar miteinander vergleichen, erklärt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.
Wittenberg meldet neuen Tiefststand der Elbe
In Wittenberg ist ein Rekord gebrochen worden: Die Elbe hat dort den niedrigsten Wasserstand erreicht, der jemals gemessen wurde. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2019 und lag bei 67 Zentimetern. Am Dienstag wurden 58 Zentimeter gemessen. Beim Elbehochwasser 2002 erreichte der Wasserstand am Pegel Wittenberg 7,06 Meter – den höchsten dort bekannten Wert.
DLRG warnt vor Risiken bei Niedrigwasser
Bei Niedrigwasser ist ein Fluss für Schwimmer nicht immer ungefährlicher. Darauf weist die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hin. Ihr Sprecher, Martin Holzhause, erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, es könne sogar gefährlicher sein als ein gut gefüllter Fluss. Holzhause verweist auf Hindernisse unter Wasser wie Felsen oder Schrott. Dadurch steige das Verletzungsrisiko.
Video: Elbpegel erreicht Rekordtiefstwerte (1 Min)
Auch Strömungen oder Strudel könnten bei Niedrigwasser stellenweise stärker ausfallen, sagt Holzhause weiter. Wenn es beispielsweise eine Fahrrinne gibt, in die sich das Wasser zurückzieht, dann kann es laut dem Experten sein, dass das Wasser auf wenig Raum sogar schneller fließt und durchaus "Personen von den Füßen reißen" kann.
Holzhause rät, dass nur gute Schwimmer in strömenden Gewässern schwimmen sollten. Man solle sich in dem benutzten Flussabschnitt gut auskennen, vorsichtig sein und keine Risiken eingehen. Am sichersten sei das Schwimmen an bewachten Badestellen. Das sei an Badeseen und in Schwimmbädern. Im Freigewässer passieren laut Holzhause die meisten Unfälle.
Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt bleibt gesichert
Schwimmer sollten laut DLRG zudem beachten, dass weniger Wasser auch schlechtere Wasserqualität bedeutet. Die Keimbelastung ist höher und die Lebensretter warnen vor möglichen gesundheitlichen Folgen.
Video: Trockenheit bedroht Fischzucht (2 Min)
Während die Flüsse gerade vergleichsweise wenig Wasser führen, ist die Versorgung mit Trinkwasser in Sachsen-Anhalt weiter gesichert. Der Talsperrenbetrieb des Landes erklärte, dass die Rappbodetalsperre im Harz in etwa so gefüllt sei, wie auch in den vergangenen 20 Jahren.
NABU warnt vor Stress für Flüsse und Tiere
Auch der Nabu warnt vor den Folgen der historischen Tiefststände für Natur, Wasserhaushalt und die Energieversorgung. "Die Pegelstände zeigen, unter welchem Stress unsere Flusslandschaften stehen", sagt Jens Richter, Landesgeschäftsführer des NABU Sachsen-Anhalt.
Video: Das Wetter für Sachsen-Anhalt für den 6. August (1 Min)
Nach Angaben des NABU beginnt die Krise für die Natur schon lange, bevor die Schifffahrt Probleme bekommt. Wenn Flüsse immer weniger Wasser führen, erwärmen sie sich demnach schneller und enthalten weniger Sauerstoff. Fische und andere Tiere finden dann immer schlechtere Lebensbedingungen vor. Flache Ufer und Seitenarme trocknen aus – das sind laut NABU wichtige Rückzugsorte und Kinderstuben für viele Arten gehen verloren. Der Verband fordert deshalb, wieder mehr Wasser in der Landschaft zu speichern, zum Beispiel durch naturnahe Auen und Moore.
Sachsen-Anhalt hält an der Elbe als Wasserstraße fest
Sachsen-Anhalt will trotz der immer trockeneren Sommer an der Elbe als Wasserstraße festhalten. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) sagte dem MDR, notwendig seien Maßnahmen, damit in normalen Sommern das ein oder andere Schiff mehr fahren könne. Man sollte sich davon verabschieden, dass die Elbe nur naturbelassen sei.
MDR (André Damm, Maren Wilczek, Mario Köhne, Tatiana Gropius, Hannes Leonard); zuerst veröffentlicht: 04. August 2026