2. Bundesliga: Osnabrück zurück in der 2. Liga - Endet der "Fahrstuhl-Fluch" des VfL?
Stand: 04.08.2026 • 22:01 Uhr
Der VfL Osnabrück ist zurück in der 2. Fußball-Bundesliga und will sich dort länger halten als nach den sechs vergangenen Aufstiegen. Die jüngsten Tests der Niedersachsen verliefen allerdings nicht nach Plan.
Die schlechte Nachricht für Trainer Timo Schultz folgte zu Beginn der Woche. Neuzugang Jonathan Wensing wird dem VfL zu Saisonbeginn fehlen. Der offensive Mittelfeldspieler hat sich im letzten Test der Osnabrücker am vergangenen Samstag gegen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn (0:2) eine Muskelverletzung am Oberschenkel zugezogen. Heißt: "In nächster Zeit" steht er Schultz nicht zur Verfügung, wie die Lila-Weißen mitteilten.
Die erste Verletzung der Vorbereitung kommt kurz vor dem Zweitliga-Auftakt am Samstag bei Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim (13 Uhr, im NDR Livecenter) zur Unzeit. Und drückt neben den Eindrücken der mauen Auftritte des Samstags - vor der Pleite gegen Paderborn hatte es gegen Drittliga-Aufsteiger SV Meppen ein 0:3 gegeben - zusätzlich auf die Stimmung.
Erfolgsformel der Vorsaison greift noch nicht
Denn auch sportlich hatte Schultz sich "den Testtag anders vorgestellt". Er habe "bei Spielern, bei uns als Mannschaft Spielphasen gesehen, in denen wir uns nicht geschickt angestellt haben". Sein Team habe es in beiden Partien "selten geschafft, aus der Kompaktheit heraus Druck auf den Ball zu bekommen", sagte der 48-Jährige: "Und wenn wir Balleroberungen hatten, dann haben wir zu oft die falschen Entscheidungen gewählt. Dementsprechend sind wir viel zu selten in die Umschaltmomente gekommen, die uns eigentlich stark machen."
Natürlich, so Schultz, seien Testspiele immer auch dazu da, um "Erkenntnisse zu gewinnen, wo es noch hapert". Doch musste für ihn so zumindest als letzter Eindruck der Vorbereitung mit einer gewissen Ernüchterung stehen, dass die Erfolgsformel der Aufstiegssaison, das Spiel auf der Basis einer soliden Defensive offensiv zu entwickeln, kurz vor dem Zweitliga-Start nur bedingt greift.
Großer personeller Umbruch
Das ist sicher auch dem großen personellen Umbruch geschuldet, 14 Spieler haben den Verein verlassen. Unter anderem ersetzt Jonas Krumrey den in seine Heimat Schweden abgewanderten Lukas Jonsson im Tor. Die Mechanismen Kompaktheit, Pressing und Umschaltspiel, auf die Schultz auch in der 2. Liga setzen möchte, können in veränderter personeller Konstellation noch nicht in Perfektion funktionieren.
Dennoch müssen Stürmer Robin Meißner - mit 200.000 Euro neben Wensing Top-Transfer des Sommers - und Co. schnell in Tritt kommen, soll der Druck, Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln, nicht von Spieltag eins an rasch größer werden.
Das wird ein Kampf über 34 Spieltage, aber am Ende wird es Osnabrück nicht packen.
Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde
Genau das prophezeit Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde den Niedersachsen aber - und geht nicht von einem Happy End aus. "Das wird ein Kampf über 34 Spieltage, aber am Ende wird es Osnabrück nicht packen", sagte Terodde.
Für den 38-Jährgen hat das auch mit einer Kluft zu tun, die es zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga schon länger gebe und die man jetzt auch zwischen der 2. und der 3. Liga erkennen könne. "Dresden und Bielefeld haben letzte Saison lange gegen den Abstieg gespielt. Ulm und Regensburg sind das Jahr davor sang- und klanglos abgestiegen. Und vor drei Jahren ist Osnabrück auch als 18. abgestiegen", begründete er seine Einschätzung.
VfL möchte sich in der 2. Liga etablieren
Beim VfL möchte man Terodde nur allzu gerne widerlegen. Auch um der eigenen jüngeren Vergangenheit etwas entgegenzusetzen. Nach den vergangenen sechs Aufstiegen ging es für den VfL immer im ersten (vier Mal) oder im zweiten Jahr (zwei Mal) direkt wieder runter. Diesen "Fahrstuhl-Fluch" wollen die Lila-Weißen loswerden - und sich dauerhaft in der 2. Liga etablieren. Auch um sich als Verein weiter in Ruhe zu konsolidieren, schließlich liegen die unruhigen Zeiten nach dem jüngsten Zweitliga-Abstieg 2024 noch keine zwei Jahre zurück.
Vielleicht auch deshalb gab Trainer Schultz nach den ernüchternden Auftritten des vergangenen Wochenendes für das Heidenheim-Spiel eine ganz einfache Losung aus: "volle Fahrt voraus."