(+) Wilhelmsburg will E-Scooter deutlich ausbremsen
Hamburg
Herumliegende Roller und Ärger über zu hohes Tempo: Ein Stadtteilgremium fordert neue Maßnahmen – doch es gibt ein Problem.
Für die einen sind sie eine praktische Alternative zum Fahrrad, für die anderen ein Sicherheitsrisiko – vor allem für Fußgänger. Seit die E-Scooter im Jahr 2019 in Hamburg Einzug hielten, hat sich die Anzahl der Roller vervielfacht. Um diese Entwicklung zu kontrollieren, präsentierte die Stadt deshalb in Zusammenarbeit mit den Anbietern immer neue Regeln, Bußgelder und Verbotszonen. Doch einigen reicht das nicht. Aus Wilhelmsburg kommt jetzt ein neuer Vorstoß.
„Für viele Bewohnerinnen und Bewohner in Wilhelmsburg ist die häufig verkehrswidrige Nutzung der E-Scooter ein Ärgernis und das unverantwortliche Abstellen auf Gehwegen und Freiflächen stellt für sehbehinderte und mobilitätseingeschränkte Menschen eine erhebliche Gefahr dar“, heißt es in einer aktuellen Empfehlung des Beirats für Stadtteilentwicklung in Wilhelmsburg.
Wilhelmsburg: Ärger über falsch gesparkte E-Scooter im Stadtteil
Eltern mit Kinderwagen oder Spaziergänger müssten auf die Straße ausweichen, vor der S-Bahn-Haltestelle und dem Busbahnhof gebe es zudem keine markierten Scooter-Abstellplätze. Der Beirat ist ein ehrenamtliches Gremium, das aus Vertretern der 14 Quartiere besteht und vom Regionalausschuss für drei Jahre gewählt wird. Neben mehr Abstellflächen fordert er auch, die zulässige Höchtgeschwindigkeit der elektrischen Roller von 20 auf 15 Kilomter pro Stunde zu reduzieren.
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Allerdings wird letzteres wohl nicht umsetzbar sein: „Für E-Scooter gilt bundesweit eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h“, erklärt ein Sprecher des Scooter-Anbieters Voi auf MOPO-Nachfrage. Man weise die Nutzer aber ausdrücklich daraufhin, die Geschwindigkeit an die jeweilige Verkehrssituation anzupassen.
„Slow Speed Zones“ können in Deutschland nicht umgesetzt werden
In Düsseldorf hatte die Stadt vor zwei Jahren versucht, eine sogenannte „Slow Speed Zone“ einzurichten. In dieser wird die Geschwindigkeit der Scooter automatisch vom Fahrzeug angepasst und entsprechend verlangsamt. Das Pilotprojekt scheiterte allerdings aufgrund von fehlenden rechtlichen Voraussetzungen.
Auch in der im Dezember 2025 beschlossenen Scooter-Novelle des Bundes findet sich diese Möglichkeit zur Geschwindigkeitsdrosselung per GPS nicht. Der Bundesrat hat die Bundesregierung daraufhin zwar ausdrücklich aufgefordert, das zeitnah in einer Folgenovelle rechtssicher zu regeln. In der Realität könnte das aber noch eine ganze Weile dauern.
In Hamburg gibt es immer neue Abstellflächen für E-Scooter
Die Forderung nach zusätzlichen Abstellflächen unterstütze man wiederum ausdrücklich, betont der Voi-Sprecher. Gerade an Verkehrsknotenpunkten wie am S-Bahnhof Wilhelmsburg sei das sinnvoll, man sei offen für eine gemeinsame Begehung mit dem Stadtteilbeirat.
Über das Hamburger Stadtgebiet verteilt gibt es bereits um die 80 solcher Abstellzonen. Im März 2026 kündigte die Verkehrsbehörde zudem an, bei 100 Haltestellen sogenannte digitale Abstellflächen einzurichten. Diese sind nicht auf dem Asphalt sichtbar, sondern existieren rein virtuell. Wer versucht, seinen Scooter dort abzustellen, kann die Miete für den Scooter nicht beenden. Seit 2021 sind außerdem „Patrouillen“ der Anbieter unterwegs, um an den Hotspots, wie den Landungsbrücken, umgeworfene Roller wieder ordentlich aufzustellen.
Anbieter zahlen in Hamburg Gebühren für jeden E-Scooter an die Stadt
Im Februar 2025 hatten die Stadt und die Anbieter einen Rahmenvertrag geschlossen. Vereinbart wurde unter anderem eine Sondernutzungsgebür pro E-Scooter oder E-Bike, die die Anbieter an die Stadt zahlen. Im Jahr 2025 wurden dadurch 820.000 Euro eingenommen.
Die hohe Summe kommt nicht überraschend: In Hamburg gibt es immerhin mehr als 22.000 E-Scooter von fünf unterschiedlichen Anbietern, im Jahr 2019 waren es gerade einmal 4000 gewesen. Mit über zwölf Millionen Fahrten im Jahr 2025 waren die Scooter zudem deutlich beliebter als das rote Stadtrad, das nur rund 1,4 Millionen Ausleihen verzeichnete.