Erster Auftritt nach dem Urlaub: Merz im NRW‑Waldbrandgebiet – „Das ist Klimawandel“
Stand: 22.08.2026, 17:21 Uhr
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Friedrich Merz hat am Samstag das Waldbrandgebiet in Hürtgenwald besucht. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit Wochen.
Hürtgenwald – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Samstag, 22. August, den Ortsteil Gey in der Eifelgemeinde Hürtgenwald besucht – jenes Gebiet, das vergangene Woche am härtesten von einem verheerenden Waldbrand getroffen wurde. Für Merz war es der erste öffentliche Termin nach seinem Sommerurlaub.

Der Kanzler ließ keinen Zweifel daran, was er als Ursache hinter solchen Ereignissen sieht: den Klimawandel. „Wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel“, sagte Merz vor Ort. Dabei richtete er deutliche Worte an alle, die den Klimawandel anzweifeln: „Und ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist.“
Kanzler macht Klimawandel für Waldbrand verantwortlich
Gleichzeitig mahnte der Kanzler zur Vorbereitung: Man werde alles daransetzen, den Klimawandel einzudämmen, „aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben“, so Merz. Bund, Länder und Gemeinden stünden gleichermaßen in der Pflicht, sich auf solche Extremereignisse einzustellen.
Ausdrücklich dankte der Kanzler allen Helferinnen und Helfern, die an der Brandbekämpfung beteiligt waren – darunter Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Bundeswehr sowie Kräfte aus der Land- und Forstwirtschaft. „Ohne die Zusammenarbeit zwischen allen diesen Beteiligten wäre das nicht so glimpflich ausgegangen“, betonte Merz. Er sprach von „großartigen Organisationen“ und hob das Ehrenamt besonders hervor: „Ohne die zahlreichen Menschen, die Millionen Menschen in Deutschland, die in den ehrenamtlichen Tätigkeiten unterwegs sind, könnten wir unser Gemeinwesen nicht aufrechterhalten.“ Auf dem Höhepunkt des Großeinsatzes waren rund 1.400 Einsatzkräfte gleichzeitig im Einsatz.
Waldbrand vernichtete bis zu 400 Hektar – rund 1.800 Menschen evakuiert
Das Feuer war am Donnerstag der Vorwoche aus bislang ungeklärter Ursache ausgebrochen – menschliches Fehlverhalten gilt als mögliche Erklärung. Die Flammen näherten sich Wohngrundstücken bis auf 250 Meter. Aus Sicherheitsgründen mussten etwa 1.800 Bewohner des Ortsteils Gey ihre Häuser verlassen; zwei Tage später konnten sie zurückkehren. Bei der Evakuierung erlitt eine ältere Person Herzprobleme, mehrere Einsatzkräfte wurden leicht verletzt.

Nach Angaben des NRW-Landesbetriebes Wald und Holz wurden zwischen 300 und 400 Hektar Wald vernichtet oder beschädigt. Zum Vergleich: 400 Hektar entsprechen einer Fläche von zwei mal zwei Kilometern. Am vergangenen Donnerstag erklärte der Bürgermeister das Feuer offiziell für gelöscht; das betroffene Waldgebiet bleibt gesperrt.
Um die Ausbreitung der Flammen zu verhindern, setzte die Feuerwehr Gegenfeuer ein. Bergepanzer der Bundeswehr schlugen bis zu 15 Meter breite Schneisen in den Wald. Gleichzeitig waren bis zu elf Löschhubschrauber aus mehreren Bundesländern in der Luft. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch Weltkriegsmunition, die noch immer im Boden des Hürtgenwaldes liegt – das Gebiet war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen.
Der Kanzler kündigte eine gründliche Analyse des Einsatzes an. „Wir werden auswerten, was hier gut gelaufen ist, aber wir werden auch auswerten, was noch fehlt“, sagte Merz. Als konkreten Schwachpunkt nannte er die Kommunikationsinfrastruktur: „Das müssen wir noch verbessern.“ Am kommenden Dienstag und Mittwoch soll das Bundeskabinett beraten, wie Deutschland künftig besser auf solche Großschadenslagen vorbereitet sein kann.
Proteste beim Besuch – und Erklärung des Kanzlers
Begleitet wurde Merz bei seinem Besuch von NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU). Aus der Bundesregierung war er damit der erste hochrangige Vertreter, der das Brandgebiet aufsuchte. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte seinen Urlaub in der Lüneburger Heide bereits vor einer Woche unterbrochen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Merz‘ Visite verlief nicht ohne Gegenwind: Demonstranten hielten Plakate mit der Aufschrift „Der Wald brennt und Friedrich pennt“ in die Höhe. Der Kanzler erklärte dazu, er habe bereits am vergangenen Wochenende mehrfach mit dem zuständigen Landrat telefoniert und angeboten, zu kommen. Dieser habe ihn jedoch gebeten: „Kommen Sie danach.“

Auch aus der Opposition kam Kritik. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warf Merz bei RTL und ntv Untätigkeit vor: „Friedrich Merz scheint zu hoffen, wenn er im Urlaub ist und niemand ihn sieht, auch niemand auf die Idee kommt, dass er zuständig sein könnte, die Folgen der Klimakrise zu bekämpfen.“