„Als ob die Welt endet“: Was Beobachter bei der totalen Sonnenfinsternis am 12. August erleben können
Erstmals seit 1999 über Europa: Was Beobachtende bei der totalen Sonnenfinsternis sehen können
Stand: 09.08.2026, 06:35 Uhr
Am 12. August zieht eine totale Sonnenfinsternis erstmals seit 1999 wieder über Europa – und bringt Phänomene mit, die man sonst nie zu sehen bekommt.
Frankfurt – Eine totale Sonnenfinsternis ist ein seltenes Ereignis, das nur alle paar Jahre stattfindet. Und nicht nur das: Meist muss man sehr weit reisen, um zu erleben, wie sich der Neumond komplett vor die Sonnenscheibe schiebt. Die letzten totalen Sonnenfinsternisse fanden weit entfernt statt – unter anderem in Nordamerika, der Antarktis, Südamerika oder in Asien und Australien. Doch 2026 ist endlich wieder Europa an der Reihe – zum ersten Mal seit der totalen Sonnenfinsternis im August 1999. Die war damals auch in Teilen Deutschlands zu sehen.

Am 12. August 2026 zieht der Pfad der Totalität einen Streifen über Grönland, Island und Spanien und den Atlantik. Während man in einem großen Teil Europas „nur“ eine partielle Sonnenfinsternis sehen kann, kann man dort die Totalität erleben. Nicht gerade wenige Menschen nehmen das zum Anlass, um in den Totalitätspfad zu reisen und die totale Sonnenfinsternis mitzuerleben.
Reisen zur totalen Sonnenfinsternis: Was man dabei erleben kann
Doch warum ist das so? Was bringt Menschen dazu, einer totalen Sonnenfinsternis hinterherzureisen? Es ist die Faszination für das, was sich am Himmel abspielt – und die zahlreichen Phänomene, die eine totale Sonnenfinsternis mit sich bringt. Ein Überblick:
Dunkelheit mitten am Tag: Wenn der Mond die Sonne vollständig bedeckt, wird es mitten am Tag (oder im aktuellen Fall: kurz vor Sonnenuntergang) plötzlich dunkel. Tiere reagieren darauf ganz unterschiedlich und auch die Natur wird plötzlich ganz still.
Planeten tauchen am Himmel auf: Ist es richtig hell, sind die Planeten am Himmel nicht zu sehen – bereits 15 Minuten vor der Totalität ist es so dunkel am Himmel, dass man Planeten sehen kann. Jupiter und Merkur stehen ganz in der Nähe der Sonne, die Venus ein Stück links über der Sonne.
Nur bei einer Sonnenfinsternis zu sehen: Der Mond bewegt sich über Sonnenflecken
Doch eigentlich sollte man sich während der Sonnenfinsternis auf die Dinge konzentrieren, die man sonst gar nicht zu Gesicht bekommt – die Planeten sind immerhin nachts auch am Himmel zu sehen. Einige Dinge, die man nur während einer Sonnenfinsternis beobachten kann:
Mond bewegt sich über Sonnenflecken: Wenn am Tag der Sonnenfinsternis Sonnenflecken auf der Sonnenscheibe zu sehen sind, kann man möglicherweise beobachten, wie sich der Mond über diese dunklen Flecken schiebt. Es handelt sich bei den dunklen Flecken auf der Sonnenscheibe um kühlere Stellen, die Polarlichter auf der Erde auslösen können. Dieses Phänomen kann man auch bei einer partiellen Sonnenfinsternis beobachten – allerdings sollte man dabei unbedingt eine spezielle Sonnenfinsternisbrille tragen.
Greifen Sie mit unserem Astronomie-Newsletter nach den Sternen!

Wann lohnt sich der Blick in den Nachthimmel besonders? Der Newsletter „Weltraum‑Woche“ liefert Ihnen jeden Freitag einen kompakten Überblick: die schönsten Himmels-Highlights der nächsten Tage, aktuelle Themen aus der Astronomie und was in der Raumfahrt als Nächstes ansteht. Abonnieren Sie jetzt – und bleiben Sie Woche für Woche auf dem Laufenden, was im All passiert.
Hier geht es direkt zur Anmeldung.
Sonnenfinsternis lässt überall sichelförmige Schatten entstehen
Überall entstehen sonnenförmige Schatten: Wenn die Sonne erst einmal zur Hälfte verfinstert ist, fällt es auf: Überall kann man Schatten in der Form der Sonne sehen – im Schatten der Blätter auf dem Boden oder wenn man Sonnenlicht durch ein Küchensieb fallen lässt und sich den Schatten anschaut. Die kleinen Lücken wirken wie winzige Kamera-Objektive.
Ist die Sonne rund, werfen sie runde Lichtflecken auf den Boden. Ist die Sonne während einer Sonnenfinsternis sichelförmig, kann man viele kleine Sicheln auf dem Boden sehen. Dieses Phänomen kann man nutzen, um die Sonnenfinsternis sicher und indirekt zu beobachten.
Mysteriöse „fliegende Schatten“ oder „Schattenbänder“: In den zwei Minuten vor und nach der totalen Phase einer Sonnenfinsternis kann man manchmal die sogenannten „fliegenden Schatten“ sehen. Es sind helle und dunkle Schattenlinien, die auf hellen Oberflächen besonders gut zu erkennen sind. Der letzte Streifen Sonnenlicht wird durch die bewegte Luft gebrochen und abgelenkt – so entsteht das Phänomen. Bei einer tief stehenden Sonnenfinsternis wie 2026 muss das Licht einen besonders langen Weg durch die bewegte Luft zurücklegen. Deshalb könnten die „Schattenbänder“ besonders gut zu sehen sein.
Ab etwa 80 Prozent Sonnenfinsternis wird es kühl und dunkel
Es wird dunkel und kühl: Wenn die Sonne etwa zu 80 Prozent verfinstert ist, wird es nicht nur dunkler, sondern auch merklich kühler – ein fast schon gruseliges Gefühl. „Es ist, als ob die Welt endet“, beschreibt es Jamie Carter bei Space.com. Wenn die Sonne zurückkommt, wird es dann natürlich wieder warm.
Diamantring-Phänomen: Jeder kennt die Bilder einer totalen Sonnenfinsternis, bei der die Sonne wie ein Diamantring aussieht. Diesem Phänomen gehen die sogenannten „Baily‘schen Perlen“ („Baily‘s beads“) voraus. Der Mond verdeckt die Sonne komplett, doch an einigen Stellen (dort, wo sich Mond-Täler befinden), dringt noch Sonnenlicht hindurch. Aus mehreren Lichtpunkten wird einer – das Diamantring-Phänomen. Anschließend wird es komplett dunkel. Das Ende der Totalität kündigt sich durch die umgekehrte Reihenfolge an: erst der Diamantring, dann die „Perlen“, dann taucht die Sonne langsam wieder auf. Atemberaubend!

Die Highlights der totalen Sonnenfinsternis: Diamantring-Phänomen und Sonnen-Korona
Chromosphäre der Sonne ist zu sehen: Nach dem Diamantring taucht eine dünne Linie rund um die Sonne auf – die Chromosphäre. Dabei handelt es sich um einen Teil der Sonnenatmosphäre, die nur für ganz kurze Zeit zu sehen ist.
Sonnen-Korona taucht auf: Dieses Bild einer totalen Sonnenfinsternis kennt auch jeder: Die Sonne ist schwarz und umgeben von einem hellen Strahlenkranz, der Korona. Das ist die äußere Atmosphäre der Sonne, in der unter anderem koronale Massenauswürfe ihren Ursprung haben. Paradoxerweise ist die Korona deutlich heißer als die Photosphäre, die sichtbare Oberfläche der Sonne – ein Phänomen, das Raumsonden derzeit erforschen. Die Korona ist immer da, wird aber normalerweise von der helleren Photosphäre überstrahlt. In dieser Phase der Sonnenfinsternis sollte man die SoFi-Brille abnehmen, um etwas zu sehen.
Sternschnuppen beobachten – die besten Zeiten und Orte
Laden Sie sich den Sternschnuppen-Guide HIER kostenlos nach kurzer Registrierung herunter und wünschen Sie sich bei jedem Himmelsflimmern etwas!

Während der Totalität sind möglicherweise auch Sternschnuppen zu sehen
Protuberanzen sind zu sehen: Am Rand der Sonne kann man mit etwas Glück Protuberanzen sehen – Plasmastrukturen, die von der Chromosphäre bis in die Korona reichen.
Sternschnuppen sind möglich: Die totale Sonnenfinsternis findet an dem Tag statt, an dem später auch der Sternschnuppenstrom der Perseiden seinen Höhepunkt findet. Das heißt: Bei dunklem Himmel ist es auch möglich, dass man Sternschnuppen sieht. (Quellen: Eigene Recherche, Space.com) (tab)