Es geht um 100 Euro für Eltern: Freisinger Stadtrat streitet um Kindergarten-Zuschuss


Stand: 16.10.2026, 07:00 Uhr

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Ab Januar fehlen Eltern 100 Euro für die Kita im Monat. Soll die Stadt Freising einspringen trotz klammer Kassen? Stadträte äußerten verschiedene Vorschläge.

Die wichtigste Nachricht für die Eltern, deren Kinder eine der Einrichtungen der Kinderhilfe besuchen: Für sie soll sich im Alltag durch die Umstrukturierung nichts ändern.

Wohin geht die Reise mit den Kita-Gebühren? Den Freisinger Stadträten bereitet diese Frage starkes Kopfzerbrechen. © Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Freising – Hätten die Mitglieder des Finanzausschusses Freising nicht genau in dieser Sitzung einen Tagesordnungspunkt zuvor die Hand für eine bevorstehende Haushaltssperre gehoben, wäre die Debatte vielleicht anders gelaufen. So aber hatten die Stadträtinnen und Stadträte die eigene Finanznot noch ganz deutlich vor Augen, als es darum ging, Eltern von Kindergartenkindern finanziell aufzufangen. Der monatliche Beitragszuschuss in Höhe von 100 Euro, der ab Januar wegfällt, trieb das Gremium gewaltig um. Auf der Suche nach der besten Lösung des Problems wurde emotional diskutiert.

„Die Verantwortung für die konkrete Belastung der Familien liegt jetzt bei den Kommunen“, kritisierte Kita- und Schulreferentin Philomena Böhme (FSM) das Vorgehen des Freistaats. Um den Eltern die 100 Euro zu schenken, bräuchten Kommunen frei verfügbares Geld. „Und genau das haben die meisten nicht.“ Den Wegfall einer staatlichen Leistung könne man nicht dauerhaft aus städtischen Mitteln auffangen, auch, wenn man das gerne tun würde.

Ich verstehe nicht, dass wir als Stadt nicht in der Lage sind, in Sachen einkommensabhängige Kindergartengebühr einen entscheidenden Schritt weiterzukommen.

„Dass uns diese, von Söder nach dem Gießkannenprinzip ausbezahlten 100 Euro mal auf die Füße fallen werden, das war schon immer klar“, sagte Eva Bönig (Grüne). Die einzige Frage sei nun: „Nutzt man den Qualitätsbonus, um ihn in ein sehr qualitätsvolles System zu stecken, oder um die Eltern zu entlasten?“ Bönig fragte bei der Gelegenheit nach dem Stand bei den bereits beschlossenen, einkommensabhängigen Kindergartengebühren.

Werner Habermeyer (Grüne) wurde in dem Punkt deutlicher: „Ich verstehe nicht, dass wir als Stadt nicht in der Lage sind, in Sachen einkommensabhängige Kindergartengebühr einen entscheidenden Schritt weiterzukommen.“ Hätte man die, könnte man jetzt Familien entlasten, die sich 100 Euro Mehrausgaben nachweisbar nicht leisten können. Außerdem, so Habermeyer: „Wir dürfen nicht so tun, als ob die 100 Euro weg wären. Das Geld bekommen jetzt wir. Es geht nur um die Frage: Geben wir es weiter oder nicht?“

 In dem Fall muss ich mich auf die Seite der Familien stellen.

Kämmerer Johannes Hutter will nach den Haushaltsberatungen mögliche Modelle der einkommensabhängigen Kindergartengebühren vorstellen. „Aber wenn wir uns dafür entscheiden, werden wir personell aufstocken müssen.“

„Wir müssen den Wegfall des Zuschusses dringend kompensieren“, appellierte Peter Warlimont (SPD) an das Gremium. Und auch er betonte: „Wir bekommen was vom Freistaat, und das müssen wir weitergeben.“ Oberbürgermeisterin Monika Schwind verwies mehrfach darauf, dass der Zuschuss an die Kommunen nicht ausschließlich für Kindergärten, sondern für alle Kindertageseinrichtungen gedacht sei. Und genau der Punkt sei es, der eine Übernahme der 100 Euro ausschließlich für Kindergärten unfair den Krippen- und Hortkindern gegenüber mache, fand 3. Bürgermeisterin Monika Riesch. „Damit sind wir angreifbar.“

100 Euro dafür aus der Stadtkasse zu nehmen, wäre vermittelbar, wenn man es an die Einführung der einkommensabhängigen Kindergartengebühren knüpft, sagte Nicolas Graßy (Gemeinsam für Freising): „Dann könnten wir festlegen, dass wir es für Familien mit unterem und mittlerem Einkommen übernehmen.“ Da dies aber so schnell nicht umsetzbar sei, bleibe aktuell nur: 100 Euro für alle oder für keinen. „Und in dem Fall muss ich mich auf die Seite der Familien stellen.“

Das Schlimmste, was sie uns angetan hat, ist, dass uns eine Entscheidungsfreiheit aufgelastet wurde. 

Finanzreferent Simon Schindlmayr (CSU) verteidigte die Staatsregierung: „Das Schlimmste, was sie uns angetan hat, ist, dass uns eine Entscheidungsfreiheit aufgelastet wurde. Wir können entscheiden, machen wir es oder nicht.“ Doch auch er fand es „zu krass“, wie er sagte, den Eltern ab Januar 100 Euro Mehrausgaben zuzumuten. Seine Idee: 75 Euro könnte die Stadt übernehmen.

Rudi Schwaiger (CSU) warf eine pragmatische Lösung in den Raum: „Wir nehmen das Geld, das wir von der Staatsregierung bekommen, und teilen es durch die Anzahl aller Kinder in Kindergärten, Krippen und Horten. Um den Betrag, der dabei rauskommt, werden die Kita-Gebühren gesenkt.“

Anhand all dieser Ideen wird nun die Verwaltung bis zur nächsten Finanzausschusssitzung Vorschläge ausarbeiten. Dann wird es auch um die Frage gehen, ob das bis zum Ende des laufenden Kindergartenjahres oder auf Dauer gilt.