„Es ist kein 9-to-5-Job“: Bürgermeister Thomas Schleich im Interview – Start ins Amt war turbulent


Stand: 22.08.2026, 12:00 Uhr

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Hat viele Ideen, die er mit in die Stadtratsklausur nehmen will: Schongaus neuer Bürgermeister Thomas Schleich.

Hat viele Ideen, die er mit in die Stadtratsklausur nehmen will: Schongaus neuer Bürgermeister Thomas Schleich. © Hans-Helmut Herold

Thomas Schleich ist seit gut 100 Tagen Bürgermeister von Schongau. Der turbulente Start mit dem Stromausfall und dem Amoklauf am Welfen-Gymnasium hat ihn krisenerprobt gemacht.

Schongau – Mit Thomas Schleich steht seit gut 100 Tagen ein neuer, junger Bürgermeister an der Spitze des Schongauer Rathauses. Wir haben mit ihm über seine ersten Tage, Herausforderungen und Vorhaben gesprochen.

Die ersten 100 Tage sind geschafft. Haben Sie Ihre Kandidatur schon bereut?

Definitiv nicht. Ich gehe jeden Tag gerne ins Rathaus. Ich bin froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Aber, wie es so schön neudeutsch heißt: Es ist kein 9-to-5-Job. Es macht unheimlich Spaß, aber man muss abends sagen: „Jetzt ist Feierabend“, damit die Familie nicht zu kurz kommt. Und es ist auch kein Tag, wie der andere. Jeden Tag kommen irgendwelche neuen Überraschungen, und das ist das Spannende dabei.

Der Start ins neue Amt war gleich richtig turbulent. Zuerst der Stromausfall, dann die Gewalttat am Welfen-Gymnasium. Darauf kann man sich schlecht vorbereiten.

Nach dem flächendeckenden Stromausfall habe ich mir gedacht: Schlimmer geht’s gar nicht mehr. Dann die Amoktat, da gibt es vermutlich keinen Zeitpunkt, an dem man auf so etwas vorbereitet sein kann. Ich hoffe sehr, dass die beiden Mädchen und alle anderen Betroffenen sich sowohl körperlich als auch seelisch von dem Erlebten erholen können und einen guten Weg finden, damit umzugehen. Und noch einmal ein Dankeschön an alle Blaulichtorganisationen und Ersthelfer. Was diese geleistet haben, dafür kann man nicht oft genug Danke sagen. Und ja, das ist schon eine völlig neue Erfahrung, wenn man zur Arbeit kommt und plötzlich von Sat.1 bis RTL alle Sender ein Live-Interview mit einem führen möchten.

Wie gehen Sie persönlich im Nachhinein damit um und welche Konsequenzen können Sie für Schongau ziehen?

Es zeigt, dass selbst an einem vermeintlich sicheren Ort eine hundertprozentige Sicherheit leider nicht gewährleistet werden kann. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt gemeinsam mit dem Landratsamt analysieren, welche Maßnahmen wir am gesamten Schulzentrum weiter verbessern können, um den Schutz von Schülerinnen und Schülern sowie allen Mitarbeitenden bestmöglich zu gewährleisten.

Sie sind also in den ersten 100 Tagen schon wirklich krisenerprobt.

(lacht). Das muss man leider sagen.

Sie waren als Stadtrat bereits ganz nah dran an den Themen in der Verwaltung. Gab es etwas, was Sie nach Amtsantritt sehr überrascht hat?

Dass man im Stadtrat zwar viele Informationen bekommt, diese aber nur ein minimaler Bruchteil dessen sind, was im Rathaus tatsächlich aufschlägt. Wie groß die Fülle der Themen und Anliegen ist, die im Rathaus täglich zusammenlaufen, war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst.

Was war das Erste, was Sie geändert oder neu eingeführt haben?

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist und bei dem sich die Menschen jetzt gut abgeholt fühlen, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Immer wieder wurde gesagt, dass man zu wenig aus dem Rathaus erfährt. Gemeinsam mit Hans Rehbehn haben wir diesen Bereich deshalb neu aufgestellt und wir bekommen dafür viel positives Feedback. Es geht vor allem darum, transparenter zu informieren und den Bürgerinnen und Bürgern einen besseren Einblick in die Arbeit des Rathauses zu geben. Dafür nutzen wir jetzt sämtliche Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit.

Künftig gibt es also auch die Protokolle zu den Sitzungen?

Wir haben bereits damit begonnen, Zusammenfassungen der jeweiligen Sitzungen online zu stellen. So können sich die Bürgerinnen und Bürger schnell und unkompliziert darüber informieren, welche Themen im Stadtrat besprochen und welche Entscheidungen getroffen wurden. Gleichzeitig sind wir gerade dabei, unsere Homepage zu überarbeiten. Das ist für uns der nächste wichtige Schritt. Ich hoffe, dass wir bis zum Ende des Jahres schon einiges umgesetzt haben und die Bürgerinnen und Bürger dadurch noch besser informiert werden.

Was möchten Sie in den nächsten 100 Tagen angehen?

Im Herbst steht unsere Stadtratsklausur an. Dort geht es zunächst darum, dem Stadtrat aufzuzeigen, welche Themen und Herausforderungen vor uns liegen. Gemeinsam müssen wir dann entscheiden: Was wollen wir erreichen und welche Themen sind den einzelnen Stadträtinnen und Stadträten besonders wichtig. Das müssen wir anschließend mit Blick auf unsere finanzielle Situation bewerten und daraus eine klare Marschrichtung für die kommenden sechs Jahre entwickeln. Eine Abteilungsleiterklausur haben wir bereits durchgeführt. Dabei war mir besonders wichtig, zu sehen, wie die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung künftig aussehen kann. Wir haben uns unter anderem damit beschäftigt, welche Herausforderungen auf unsere Stadt zukommen könnten und mit welchen Maßnahmen wir diesen begegnen können.

Ein Beispiel hierzu?

Was passiert, wenn die Gewerbesteuereinnahmen weiter sinken? Wir sehen ja, dass es bei der Gewerbesteuer immer wieder ein Auf und Ab gibt. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Verwaltung, diese Entwicklung im Blick zu behalten und daraus abzuleiten, was wir uns leisten können und wo wir möglicherweise Prioritäten setzen müssen.

Welches Thema nehmen Sie persönlich mit in die Stadtratsklausur?

Für mich persönlich ist wichtig, dass wir das, was wir in Schongau haben, erhalten, damit unsere Stadt so lebens- und liebenswert bleibt, wie sie ist, und wir gleichzeitig die Entwicklung in die Zukunft nicht verschlafen. Aber ich bin nur eine Stimme von insgesamt 25 im Stadtrat. Wenn unser finanzieller Rahmen im Stadtrat begrenzt ist, müssen wir gut haushalten und Prioritäten setzen. Gleichzeitig müssen wir natürlich schauen, wo wir aufgrund unserer Verkehrssicherungspflicht handeln müssen. Ich habe einige Ideen und Themen im Kopf, die ich gerne voranbringen möchte.

Was wollen Sie noch loswerden?

Ich bin sehr froh, dass ich bei der Stadt so viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an meiner Seite habe. Alle sind motiviert, ziehen an einem Strang und bringen sich aktiv ein. Das macht die gemeinsame Arbeit für mich natürlich deutlich leichter.