„Jeder macht Fehler“ – Monika und Friedrich Daniels über ihre 60 Ehejahre


Stand: 22.08.2026, 12:00 Uhr

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Vertraut mit den Jahren: Monika und Friedrich Daniels blicken auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück, auf ein Leben mit Arbeit und Reisen, Familie und Freunden und vor allem viel Zusammenhalt.

Vertraut mit den Jahren: Monika und Friedrich Daniels blicken auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück, auf ein Leben mit Arbeit und Reisen, Familie und Freunden und vor allem viel Zusammenhalt. © Foto: Elvan Polat

Monika und Friedrich Daniels sind 60 Jahre verheiratet. Sie bauten sich ihr gemeinsames Leben in Ermschwerd von Grund auf selbst auf.

Ermschwerd – Eine Glückwunschkarte zur diamantenen Hochzeit zu finden, ist heutzutage offenbar gar nicht so einfach. Tochter Anke Riehm hat es versucht, selbst im Blumenladen. Dort habe man ihr erklärt, solche Karten seien inzwischen „Ladenhüter“. Eine Blankokarte tue es schließlich auch. Monika und Friedrich Daniels können darüber schmunzeln. Seit dem 19. August sind sie 60 Jahre verheiratet und feiern das am heutigen Samstag mit Familie und Freunden.

Begonnen hat ihre Geschichte eher zufällig. Friedrich Daniels, heute 86, stammt aus Neuss, hatte in München gelebt und arbeitete schließlich als Maurer im Raum Kassel. 1963 führte ihn sein Weg nach Ermschwerd zu einer Tante seiner späteren Frau. Dort begegnete er Monika. „Ich hatte da überhaupt keine Absichten“, erinnert sich die heute 79-Jährige. Doch Friedrich kam wieder, man verabredete sich. 1965 folgte die Verlobung, ein Jahr später die Hochzeit. Tochter Anke wurde 1967 geboren, Sohn Mario 1972. Heute gehören fünf Enkel und fünf Urenkel zur Familie.

Als 60 gemeinsame Ehejahre noch vor ihnen lagen: Monika und Friedrich Daniels an ihrem Hochzeitstag 1966. Dass aus einer zufälligen Begegnung einmal eine große Familie mit Kindern, Enkeln und Urenkeln wachsen würde, konnten sie damals noch nicht ahnen.

Als alles begann: Monika und Friedrich Daniels an ihrem Hochzeitstag 1966. Dass aus einer zufälligen Begegnung einmal eine große Familie mit Kindern, Enkeln und Urenkeln wachsen würde, konnten sie damals noch nicht ahnen. © Repro

Die gemeinsamen Jahrzehnte waren von Arbeit geprägt. 1971 begann Friedrich mit dem Bau des eigenen Hauses in Ermschwerd. „Hier stand kein einziges Haus. Keine Straße, nichts“, erzählt er. Ihr Haus war das erste im neuen Baugebiet, selbst Strom gab es zunächst nicht. 1972 zog die Familie ein, obwohl noch längst nicht alles fertig war. Der Maurer arbeitete viel, häufig auch nach Feierabend. „Wir hatten den Vater eigentlich nur am Wochenende“, erinnert sich Anke Riehm. Monika Daniels war ebenfalls berufstätig, zunächst bei der Zigarrenfabrik Engelhardt, später 25 Jahre als Köchin. Familienfeste fanden häufig zu Hause statt. Wurde die Runde größer, kam ein Tisch hinzu und manchmal saßen die Gäste so lange zusammen, dass am nächsten Morgen gemeinsam gefrühstückt wurde.

Zeit zum Reisen fanden die Daniels dennoch. Paris, Mallorca, Italien, Tschechien und die Türkei gehörten zu ihren Zielen. Lange Urlaube waren finanziell nicht immer möglich, dafür nutzten sie kürzere Busreisen, wenn sich die Gelegenheit bot. Für die erste Türkei-Reise benötigte Friedrich allerdings einen kleinen Schubs. Eine Arbeitskollegin Monikas wollte dorthin, seine Frau buchte kurzerhand mit. Friedrich sorgte sich ums Fliegen und fragte: „Was soll ich da überhaupt essen?“ Monika blieb gelassen: „Ich hatte schon gebucht.“ Am Ende sei er begeistert gewesen. Dass 60 gemeinsame Jahre nicht nur aus guten Zeiten bestehen, verschweigen beide nicht. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, sagt Friedrich. Es habe Reibereien und finanziell schwierige Jahre gegeben. Entscheidend sei gewesen, gemeinsam weiterzumachen. „Je länger man zusammenlebt, desto stärker wird die Bindung.“

Was 60 Ehejahre tragen kann, beschreiben Monika und Friedrich Daniels ohne große Worte. Zusammenhalten, nachgeben und einander Fehler zugestehen. „Jeder macht Fehler“, sagt der 86-Jährige. Man dürfe deshalb nicht gleich „alles wegschmeißen“. Heute feiern die Daniels ihre diamantene Hochzeit mit Familie und Freunden in den Wichtelstuben in Ermschwerd. Schon früher wurde im eigenen Haus zusammengerückt, gemeinsam gefeiert und einander geholfen. Diese Nähe ist geblieben.

Tochter Anke Riehm hat für die kommenden Jahre einen besonderen Wunsch. „Dass man noch ein paar Jahre nach Hause gehen kann.“ Denn ein Elternhaus bleibt auch für erwachsene Kinder ein Zuhause, solange Mutter und Vater dort sind. (Elvan Polat)