Euro-Office: Neue Open-Source-Desktop-App fordert Microsoft heraus
Das europäische Open-Source-Projekt Euro-Office macht den nächsten Schritt. Eine neue Desktop-Anwendung soll Microsoft 365 Konkurrenz machen. Trotz technischer Fortschritte und Offline-Funktionen bleibt die Software wegen ihrer Ursprünge umstritten.

WinFuture/KI-generiert
Start der neuen Desktop-App
Immer weitere europäische Behörden und Einrichtungen wollen unabhängiger von amerikanischen IT-Konzernen werden und verbannen Software wie Microsoft Office. Stattdessen setzen sie auf Open-Source-Alternativen. Aus diesem Grund hatte Nextcloud in Zusammenarbeit mit Ionos und anderen Firmen Euro-Office angekündigt - eine unabhängige europäische Alternative zu Word, Excel und Co. Nun haben die beteiligten Firmen verkündet, dass in den kommenden Wochen eine dedizierte Desktop-Anwendung für Windows, MacOS und Linux auf den Markt kommt.
Bisher ließ sich Euro-Office ausschließlich im Webbrowser nutzen. Das neue Programm ermöglicht Anwendern nun das lokale Bearbeiten von Textdokumenten, Tabellen und Präsentationen. Eine Internetverbindung ist dabei nicht erforderlich. Neben der Offline-Fähigkeit soll die aktualisierte Version auch eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit sowie verbesserte Filterfunktionen und Dokumentenvorschauen bieten.
Weitere Verbesserungen
Die neue Applikation ist Teil eines größeren Updates der Kollaborationsplattform. Die Entwickler haben die Software ihren eigenen Aussagen zufolge in enger Zusammenarbeit mit der Nutzerschaft und öffentlichen Verwaltungen erweitert. So stellt das System Projektgruppen künftig etwa dedizierte und gemeinsame Arbeitsbereiche für Dateien sowie Aufgaben zur Verfügung.
Auch andere Werkzeuge erhalten durch die Kooperation mit Partnern jetzt nützliche Erweiterungen. Die Tabellenanwendung unterstützt in Zukunft relationale Spalten, die Raumsuche im Kalender wurde verbessert und ein integrierter Assistent bietet fortan eine lokale Texterkennung für Bilder und Dokumente.
Umstrittener Ursprung
Trotz der europäischen Ausrichtung ist das Projekt umstritten. Die Basis bildet der Quellcode von OnlyOffice, einem Projekt mit Wurzeln in Russland. Wie Nextcloud in seiner Ankündigung zum Release erklärt, versteht man sich dennoch als souveräne Lösung. Dennoch zeigen Analysen, dass weite Teile des Codes von Entwicklern in russischen Zeitzonen stammen. Zudem gab es in der Vergangenheit Lizenzstreitigkeiten.
Das Projekt Euro-Office startete ursprünglich als Initiative, um eine datenschutzkonforme Infrastruktur für europäische Behörden und Schulen aufzubauen. Durch die Bereitstellung der Desktop-Clients schließen die Entwickler zwar eine Lücke im Vergleich zu proprietären Angeboten, müssen sich aber immer noch mit Vorwürfen zum Ursprung des Programms auseinandersetzen. Anwender sollen die Installationsdateien für die jeweiligen Betriebssysteme jedoch bald über die Plattform der Anbieter herunterladen und lokal einrichten können.
Was meint ihr zu der neuen Desktop-App und den Diskussionen um den Quellcode? Teilt eure Gedanken und Bedenken gerne unten in den Kommentaren mit uns.
Download LibreOffice - Quelloffene Office-Suite
Zusammenfassung
- Das europäische Euro-Office erhält jetzt eine eigene Desktop-Anwendung
- Das neue Programm läuft künftig unter Windows sowie MacOS und Linux
- Texte und Tabellen lassen sich damit auch ganz ohne Internet bearbeiten
- Die Software basiert trotz europäischem Fokus auf Code von OnlyOffice
- Wegen der russischen Wurzeln der Basis steht die Büro-Suite in der Kritik
Siehe auch:
- Euro-Office startet: LibreOffice lässt kein gutes Haar am Konkurrenten
- Zoff um alternatives Euro-Office: OnlyOffice beklagt Lizenzverstöße
- Schluss mit Microsoft: Europäische Firmen bauen eigene Office-Suite
- LibreOffice teilt heftig aus: Konkurrent OnlyOffice sei 'fake Open-Source'
- Open Source: Schleswig-Holstein hat MS Outlook erfolgreich verbannt