Ex-Lebensmittelkontrolleur über 42 Berufsjahre: Einmal hatte er ein Messer am Hals
Stand: 22.09.2026, 19:00 Uhr
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Holger Heinemeyer hat als Lebensmittelkontrolleur im Landkreis Diepholz mehr als vier Jahrzehnte lang Betriebe kontrolliert. Was er dabei erlebte, erzählt er im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung.
Landkreis Diepholz – Und plötzlich hatte er ein Fleischermesser am Hals. Das war vor vielen Jahren in einem Imbiss. Holger Heinemeyer erinnert sich noch gut an diesen Tag. Der 66-jährige Achimer war 42 Jahre lang Lebensmittelkontrolleur im Landkreis Diepholz. In dieser Zeit gab es die eine oder andere unschöne Begegnung. Allerdings überwiegen die positiven Erlebnisse um Längen, betont er. Mittlerweile ist Heinemeyer im Ruhestand und sagt: „Dieser Job war wie zweimal sechs Richtige im Lotto.“ Im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung gibt er einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Lebensmittelkontrolleurs.
Fleischermesser am Hals: Ex-Lebensmittelkontrolleur über sein schlimmstes Erlebnis
Bevor Heinemeyer 1984 Lebensmittelkontrolleur beim Landkreis Diepholz wurde, war er acht Jahre lang Beamter beim Bundesgrenzschutz. „Mit 16 habe ich da angefangen. Die Zeit hat mich geprägt“, sagt er. Auch wenn er die Arbeit beim Bundesgrenzschutz immer geschätzt hatte, suchte er als heimatverbundener Achimer eine neue Arbeit, um in der Region bleiben zu können. Und so bewarb er sich auf eine Stelle für einen Lebensmittelkontrolleur vom Landkreis Diepholz.
Durch den Jobwechsel kam es schließlich zur Begegnung mit dem Fleischermesser. „Das ist schon gut 20 Jahre her, aber es war das schlimmste Erlebnis in dem Beruf“, erinnert sich Holger Heinemeyer. Es habe sich um eine routinemäßige Kontrolle eines Imbisses im Landkreis Diepholz gehandelt. „Der Besitzer des Ladens kam immer näher und dann hatte ich das Messer am Hals.“ Nüchtern sagt er heute: „Ich habe die Kontrolle abgebrochen.“ Später setzte er sie allerdings mit Amtshilfe durch die Polizei fort. Das Kuriose: „Am Betrieb gab es nur wenig auszusetzen.“ Der Besitzer habe mit dem Messer „völlig überzogen reagiert“.
Ex-Lebensmittelkontrolleur zeigt Verständnis: „Dann bin ich erstmal Tröster“
Unangemessene Anfeindungen gegen ihn als Lebensmittelkontrolleur habe es immer wieder gegeben. Trotzdem zeigte Holger Heinemeyer in vielen Fällen sogar Verständnis: „Man weiß nie, welche Sorgen es bei den Leuten gerade so gibt: private Probleme, das Geschäft läuft nicht. Oft war ich in manchen Momenten die falsche Person zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Es habe gar Situationen gegeben, in denen Besitzer bei einer Kontrolle in Tränen ausbrachen. „Dann bin ich erstmal Tröster und nicht mehr Lebensmittelkontrolleur.“
Lebensmittelkontrolleure: „Wir sind die Schnittstelle zwischen Betrieben und Verbrauchern“
Deswegen will er auch nichts vom Bild des klischeehaft bösen Lebensmittelskontrolleurs wissen: „Das ist absolut falsch. Betriebe sollen uns als Ratgeber sehen. Wir sind die Schnittstelle zwischen ihnen und dem Verbraucher.“ Daher habe er auch außerhalb von gesetzlich vorgesehenen Kontrollen den Kontakt zu den Betrieben gesucht: „Ich habe Visitenkarten abgegeben und auch einfach mal nachgehört: ,Habt ihr Fragen?‘ Ich war in der Regel Tag und Nacht erreichbar.“ Das sei oft gut angekommen: „Viele wussten das zu schätzen.“ Aber es gab und gibt noch immer Betriebe, die das anders sehen, so Heinemeyer.
„Da sind auch Leute, die uns Lebensmittelkontrolleure gar nicht sehen wollen“, sagt er. „Dann heißt es schnell: ,Ihr wollt doch nur unser Geld!‘ Aber das stimmt nicht. Wir behandeln alle Betriebe fair und gleich.“ Dennoch: „Manche werden ganz frech, fangen sofort an zu blocken. Und dann kann es auch mal vorkommen, dass das Gespräch lauter wird.“ Holger Heinemeyer sagt: „Manche sehen die Notwendigkeit von Lebensmittelkontrolleuren einfach nicht.“
Dabei könne eine Kontrolle helfen, den betrieblichen Tunnelblick zu öffnen. Der regelmäßige Blick von außen sei enorm wichtig: „Manche sind so sehr in ihrem Arbeitsalltag drin, dass sie Mängel gar nicht bemerken.“ Und wenn er einen Betrieb darauf hinwies, seien die meisten dankbar gewesen, weil das Problem dann noch nicht so groß war. Eine Schließung sei oft noch zu umgehen gewesen.
Holger Heinemeyer über seinen Job als Lebensmittelkontrolleur: „Es war eine hervorragende Zeit“
Als eines der häufigsten Beispiele nennt Holger Heinemeyer die Kühlmaschine von Kühlhäusern für Lebensmittel: „Wenn die nicht regelmäßig sauber gemacht wird, besteht die Gefahr der Schimmelbildung.“ Und wenn der erstmal im Kühlhaus ist, „dann gelangt der durch den Luftstrom der Maschine an alle Lebensmittel“. Die Folge: „Das Kühlhaus muss komplett leer geräumt werden und alle Lebensmittel werden sofort vernichtet. Das kann den ganzen Betrieb blockieren.“
Natürlich habe es immer wieder Fälle gegeben, bei denen Betriebe es mit der Hygiene nicht allzu ernst nahmen. „Schädlinge sind da ein großes Thema“, sagt er und nennt Mäuse und Kakerlaken: „Es kam immer mal wieder vor, dass Fleisch im Mäusekot gelagert wurde. Und wenn wir Kakerlaken, die eigentlich nachtaktiv sind, am helllichten Tag sehen, kann man davon ausgehen, dass es irgendwo ein Nest gibt. Dann wird die Produktionsstätte von uns sofort geschlossen, weil Kakerlaken eine Menge an Krankheiten übertragen.“
Doch im Großen und Ganzen habe der Landkreis Diepholz kein Problem mit der Lebensmittelhygiene in den Betrieben. Nach nun 42 Jahren als Lebensmittelkontrolleur – und damit insgesamt 50 Jahren als Beamter – urteilt Heinemeyer: „Es war eine hervorragende Zeit. Ich bin immer mit guter Laune zum Dienst gefahren. Und ich habe dem Landkreis unheimlich viel zu verdanken. Auf den Ruhestand muss ich mich jetzt erstmal noch einstellen.“