Ex-Steuerfahnderin wird neue Finanzamt-Chefin: Karen von Berg übernimmt in Wolfratshausen
Stand: 15.08.2026, 17:00 Uhr
Kommentare

Das Finanzamt Wolfratshausen hat eine neue Leitung. Die 48-jährige Berlinerin war zuvor Steuerfahnderin und kennt die Behörde bereits aus ihrer Anfangszeit.
Geretsried/Wolfratshausen – Die leidige Steuererklärung jedes Jahr, womöglich Nachzahlungen oder gar Strafverfolgung – mit dem Finanzamt verbindet kaum jemand positive Gefühle. Die neue Chefin der Wolfratshauser Behörde, Karen von Berg, versuchte, das Image mit einer sympathischen Antrittsrede aufzupolieren. Sie wurde kürzlich mit einem Festakt offiziell in ihr Amt eingeführt. Gleichzeitig wurde ihr Vorgänger Michael Schlachta, der nach sechs Jahren nach Miesbach wechselte, verabschiedet. Die Feier mit anschließendem Stehempfang fand auf „neutralem Boden“, wie es von Berg ausdrückte, in den Ratsstuben in Geretsried, statt. Man könnte auch sagen, in der Mitte zwischen dem Hauptsitz in Wolfratshausen und der Außenstelle in Bad Tölz mit insgesamt 120 Mitarbeitern.

Die 48-jährige gebürtige Berlinerin gehört der Bayerischen Finanzverwaltung seit 2010 an. Ihre Beamtenlaufbahn begann sie am Finanzamt Wolfratshausen-Bad Tölz. Sie war Sachgebietsleiterin in München und eine Zeit lang Steuerfahnderin. „Wenn man nach einem unangemeldeten Hausbesuch zu den Leuten ,Auf Wiedersehen‘ sagt, kommt als Antwort schon mal ein ,Oh nein, bitte nicht‘“, erzählte sie.
Zurück in der Loisachstadt will die Leitende Regierungsdirektorin die gute Arbeit Schlachtas fortsetzen. Dieser hatte unter anderem die beiden Dienststellen enger vernetzt und die Digitalisierung vorangetrieben. Das Betriebsklima unter ihm war von Menschlichkeit und Fairness geprägt, wie die Personalratsvorsitzenden beider Standorte in ihren Grußworten betonten. Die Nachfolgerin kündigte an, dass ihre Tür immer für die Beschäftigten offen stehe. Sie wolle den Kontakt zu den Steuerberatern weiterhin pflegen. Für „schwierige Steuerpflichtige“ wolle sie Wege und Lösungen finden.
Habammer: Bürokratie „gibt uns Rechtssicherheit“
Festredner Christoph Habammer, Vizepräsident des Bayerischen Landesamts für Steuern, brach eine Lanze für die deutsche Bürokratie: „Sie gibt uns Rechtssicherheit“, sagte er. Dass Erleichterungen dennoch notwendig seien, auch um Unternehmen im Land zu halten, betonte der Präsident der Steuerberaterkammer München, Hartmut Schwab. Dritter Landrat Klaus Koch nannte die Finanzämter wichtige Partner der Landkreise. Diese seien auf Steuereinnahmen angewiesen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner formulierte es humorvoll: „Wenn es um die Realsteuern – also Grundsteuer und Gewerbesteuer – geht, haben Sie im Finanzamt die Arbeit und wir als Kommune bekommen das Geld. Eine Aufgabenverteilung, mit der wir sehr gut leben können.“ Es habe aber auch Herausforderungen gegeben in der Vergangenheit. Die Grundsteuerreform habe einen Kraftakt für das Finanzamt und die Steuerstelle im Rathaus bedeutet.
+++ Uns gibt's auch auf Instagram! Unter „MerkurWolfratshausenGeretsried“ finden Sie immer die spannendsten Geschichten aus unserer Region +++
Insgesamt sei seine Amtszeit von einigen „schwierigen Rahmenbedingungen“ geprägt gewesen, erinnerte sich Michael Schlachta, der mitten in der Corona-Pandemie angefangen hatte. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Heimgartenstraße „mit seinen knarzenden, alten Holzstufen“ habe immer mal wieder Reparaturen benötigt. Zuletzt sei das Dach aufwändig saniert worden. Mit einem hervorragenden Team an seiner Seite habe er jedoch auch das gemeistert. „Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen“, sagte Schlachta, der bereits seit Oktober 2025 in Miesbach sitzt. Er und Karen von Berg dankten Oberregierungsrätin Anja Weinschenk, die die lange Vertretungszeit bis zu Bergs Dienstbeginn Anfang März übernommen hatte. Bei einem Buffet und Musik der „Brunnenmusi“ blieb Gelegenheit zum Kennenlernen und Austausch. tal