Fabergé-Eier: Luxus mit verborgener Raffinesse
Krönungs-Ei (1897) im Fabergé-Museum in Sankt Petersburg. Bild: Gorod.Znaet /Shutterstock.com
Die kostbaren Ostereier von Peter Carl Fabergé begeistern mit raffinierten Überraschungen und erzählen vom Luxus der Zarenfamilie bis zum Wandel von 1917.
Die berühmten Ostereier der Zarenfamilie fesseln bis heute den Betrachter. Im Jahre 1882 präsentiert der Sankt Petersburger Juwelier Peter Carl Fabergé erstmalig auf der Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau seine Arbeiten. Unter den Besuchern ist auch Zar Alexander III.
Seine Gattin und er sind begeistert von den Arbeiten Fabergés. Er erhält den Auftrag, von nun an kostbare Ostereier für die Zarenfamilie zu fertigen. Die fantasievollen Ostereier und ihr Schöpfer werden weltberühmt. Jedoch findet diese Karriere mit der Oktoberrevolution von 1917 ein dramatisches Ende.
Eine Raffinesse
Peter Carl Fabergé wird 1846 als Nachkomme von Hugenotten in Sankt Petersburg geboren. Schon früh will er in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Juwelierhandwerk erlernen. Die Familie lebt für einige Zeit in Dresden, wo er sich unter anderem im Grünen Gewölbe, der Schatzkammer August des Starken, von den ausgestellten Preziosen inspirieren lässt.
Nach einer Lehrzeit in Frankfurt am Main und einer Wanderschaft durch die Hauptstädte Europas, kehrt der junge Juwelier nach Sankt Petersburg, seinem Geburtsort zurück, um dort ein Geschäft zu gründen.
Auf einer Ausstellung für Handwerk in Moskau erregt seine Juwelierkunst die Aufmerksamkeit des Zaren Alexander III., der darauf hin ein luxuriöses Osterei für seine Gattin in Auftrag gibt. Daraus erwächst der Auftrag für ein Ei in jedem Jahr.
Was die Gestaltung der Kleinodien angeht, so lässt der Zar dem Juwelier weitestgehend freie Hand. Eine Bedingung jedoch stellt er: Jedes Ei muss eine "Raffinesse" enthalten. Da im russischen Reich Ostern die bedeutendste religiöse Zeit des Jahres war, schenkten sich die Gläubigen Ostereier. Es sollte das Symbol für das Erwachsen neuen Lebens sein.
So gab es die Eier in allen denkbaren Ausführungen: Aus Holz- oder als bemalte Hühnereier. Je vermögender der Kunde, desto luxuriöser waren die Ausführungen. Dem Zaren Alexander schwebte nun ein besonderer "Liebesbeweis" für seine Gemahlin Maria Fjodorowna vor. Es sollte besonders raffiniert und exquisit in der Ausführung sein. So fand die Zarin am Ostersonntag das "Erste Hennen-Ei".
Die entzückte Zarin sah zunächst ein schlichtes, weiß emailliertes Ei aus Gold. Darin aber verbarg sich eine Kugel, die sich öffnen ließ und eine kleine goldene Henne mit Augen aus Rubinen in sich barg. Als nächste kleine Raffinesse jedoch, barg die Henne in ihrem Inneren eine Nachbildung der Kaiserkrone aus Gold und Diamanten, sowie eine goldene Kette mit Rubin-Anhänger.
Entzückt von dessen Goldschmiedekunst, verlieh Alexander III., Peter Carl Fabergé den Titel Hofjuwelier. Ab dem Jahr 1895 fertigten die Mitarbeiter seiner Werkstatt dann sogar zwei Eier pro Jahr an.
Einzigartige Kunstwerke
"Es gibt Leute, die schon genug Diamanten und Perlen haben. Juwelen zu schenken, ist manchmal nicht angebracht. Dann ist so ein kleines Ding das Richtige."
Peter Carl Fabergé
Die Zarenfamilie machte das Schenken von Ostereiern zu ihrer Tradition und Fabergés Ruhm wuchs weit über Russland hinaus. Nachdem Nikolaus der II. seinem Vater Alexander auf dem Thron gefolgt war, führte auch er diese Tradition fort. Bis zum Tode Alexanders besaß die Familie bereits zehn der Kleinodien.
Die inzwischen über 300 Mitarbeiter der Goldschmiedewerkstatt Fabergé, fertigten Jahr für Jahr kostbare, erlesene Ostereier an, die immer wieder eine neue Überraschung aus kostbaren Edelsteinen und Edelmetallen enthielten. Eines enthielt einmal ein Miniaturmodell eines russischen Marineschiffes aus Gold. Im Jahre 1902 arbeiteten die Goldschmiede an einem Ei, das viele Jahre später in den Auktionshäusern versteigert werden sollte.
Das Fabergé-Ei der Familie Rothschild wurde als Verlobungsgeschenk für Baron de Rothschild angefertigt. Das rosa Ei hat eine Uhr auf der Vorderseite und ein mit Diamanten besetzter Hahn springt jede Stunde aus der Spitze des Eies.
Nach 105 Jahren im Besitz der Familie Rothschild, wurde es 2007 bei Christie's versteigert und für rund 18,5 Millionen Dollar (ca. 8,98 Millionen Pfund) an Alexander Ivanov, einen russischen Kunstsammler und Direktor des Russischen Nationalmuseums, verkauft. Heute ist es in der Eremitage in St. Petersburg ausgestellt.
Eines der schönsten Werke des Hauses Fabergé aber, ist bis heute das berühmte "Winterei". Zar Nikolaus II., gab es im Jahr 1913 für seine Mutter in Auftrag. Das Ei ist 14 Zentimeter groß und besteht aus Kristallen sowie über 4.500 Diamanten. In seinem Inneren befindet sich ein zierlicher Strauß aus weißen Anemonen, gefertigt aus Quarz mit Goldfäden.
112 Jahre später wurde das Winterei im Auktionshaus Christie's für die Rekordsumme von 22,9 Millionen Pfund (ca. 26 Mio. Euro) versteigert. Dem Auktionshaus zufolge, wurde das Ei bereits zum dritten Mal versteigert.
"Gehen Sie zu Fabergé"
Der mittlerweile berühmte Juwelier aus Sankt Petersburg aber bot in seinem Geschäft auch zahlreiche andere Preziosen für die vornehme Gesellschaft an. Die Petersburger Aristokratie hielt sich zur Teestunde jeden Tag bei Fabergé auf, um immer neue Kostbarkeiten zu erwerben – oder auch einfach nur zu bestaunen. Es gab sogar eine Auslandsfiliale in London, in der die Queen persönlich zum Stöbern vorbeischaute.
Bei Fabergé fand sich das Richtige für jeden Geschmack, war er noch so ausgefallen. So schenkte Zar Nikolaus II., Kaiser Wilhelm II. eine mit Goldornamenten verzierte Miniaturkanone. Eduard VII., König des Vereinigten Königreiches, soll ein teures Geschenk abgelehnt haben mit den Worten:
"Gehen Sie zu Fabergé, sie haben dort einen Zigarrenanzünder in Form eines Nilpferdes aus Nephrit [ein Halbedelstein aus Jade]. Wenn Sie mir etwas schenken wollen, schenken Sie mir das. Ich bin sicher, es kostet nur die Hälfte und es ist amüsant."
Unter Fabergés Kunden waren amerikanische Millionäre, indische Maharadschas und der König von Siam (heute Thailand). Man eröffnet Filialen in Moskau, London, Odessa und in Kiew. Fabergé entwirft und produziert Preziosen von ungeheurem Wert für die Königshäuser in Schweden, Norwegen und Siam.
Doch während sich die Haute Volée noch an den Kostbarkeiten des Juweliers berauscht, gärt es bereits im russischen Reich und auch der Erste Weltkrieg naht unheilverkündend. Diese Entwicklung betrifft auch das Geschäft des erfolgreichen und mittlerweile sehr wohlhabenden Juweliers.
Man passt sich aber den Gegebenheiten an und entwirft etwa ein "Militär-Ei" aus Stahl sowie ein schlichtes, heute etwas makaber anmutendes "Rotkreuz-Ei".
Die Welt verändert sich
"...Das aus dem Mittelalter sich emporhebend Bauerntum - es sucht den Führer. Und diesen Führer hat das russische Bauerntum zum ersten Mal in der Weltgeschichte im Proletariat gefunden. Und das erklärt Ihnen das Rätsel der Oktoberrevolution."
Leo Trotzki
Während die russische Oberschicht im Luxus schwelgt und die Kreativität des Juweliers Fabergé keine Grenzen kennt, lebt die Mehrheit der Bevölkerung des riesigen Reiches noch immer in bitterer Armut.
Bekannte Künstler wie der russische Maler Ilja Repin halten in berührenden Bildern wie den "Wolgatreidlern", das Elend der einfachen Bevölkerung fest. Kinder sterben auf den Straßen den Hungertod und das Elend der einfachen Bauern ist unbeschreiblich.
Nur Angehörige der vermögenden und einflussreichen Familien haben Zugang zu Bildung und gesundheitlicher Versorgung. Schon lange fordern bitterarme Bauern eine Enteignung der Großgrundbesitzer. Viele von ihnen gehen für diese Forderungen in Gefängnisse, aus denen sie nie zurückkehren.
Die Versorgungslage für die einfache Bevölkerung und deren Bildungsstandard ist katastrophal. Russland beteiligt sich zudem am Ersten Weltkrieg. In dem riesigen Land kommt es darauf hin zu Hungerrevolten und Streiks.
Die Februar-Revolution ist dann ein erster Vorbote für die Ereignisse, die nicht nur das Ende des Hauses Romanow einleiten, sondern auch für den Hofjuwelier des Zaren eine dramatische Entwicklung verkünden. So findet die kostspielige Ostertradition der Zarenfamilie Romanow 1917 ihr endgültiges Ende. Noch vor Ostern hatten Revolutionäre den Zaren entmachtet und ihn zur Abdankung gezwungen.
Die Mitglieder der Romanow-Familie werden gefangen genommen und ermordet. Das Eigentum der Zarenfamilie wird konfisziert, darunter auch die berühmten Ostereier des Hauses Fabergé.
Für Peter Carl Fabergé bricht eine Welt zusammen. Seine Geschäfte werden enteignet, zerschlagen und verstaatlicht. Die Familie muss ins Ausland fliehen. 1919 heißt es: "Dieses wundervolle Haus wurde vollständig zerstört. Absolut alles wurde mitgenommen." Viele der ehemaligen Mitarbeiter des Juweliers kommen in den Wirren der Revolution ums Leben.
Die prächtige, diamanten-glänzende Welt des Hofjuweliers des Zaren verschwindet für immer. Eine neue Zeit bricht heran, die keinen Platz mehr hat für glamouröse Spielereien der Oberschicht. Nach der Revolution von 1917, wurden die Kostbarkeiten Fabergés zunächst mit anderen Besitztümern des Zarenhauses nach Moskau überführt.
Ab den 1920er Jahren begann dann der Verkauf der Kostbarkeiten. Peter Carl Fabergé emigriert mit seiner Familie über Wiesbaden in die Schweiz. Hier stirbt er 1920 verbittert in Pully bei Lausanne. Die Meisterwerke seiner Werkstatt aber, finden bis heute in den Auktionshäusern der Welt für exorbitante Summen neue Liebhaber.
Die Rohstoffe für die Fabergé Meisterwerke
Im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts war die Exploration von Rohstoffen noch sehr rückständig. Das riesige Reich lebte zu über 90 Prozent von der Landwirtschaft. Es existierte noch immer die Leibeigenschaft, die erst 1881 von Zar Alexander II., abgeschafft wurde.
Industrialisierung war, anders als im Europa der industriellen Revolution weitestgehend unbekannt und für den systematischen Abbau von Rohstoffen mangelte es an Infrastruktur und ausgebildeten Fachleuten. In der Zarenzeit war der Abbau von Bodenschätzen vor allem auf den Ural (Eisen, Kupfer, Gold) und den Kaukasus konzentriert.
So blieb der Ural jahrhundertelang das Montanindustrielle Kernland des Zarenreiches für Metalle und Erze. Trotz der enormen Vorkommen an Bodenschätzen im russischen Reich, hemmten der technische Rückstand und ein veraltetes feudales System eine breite Industrialisierung. So stammten viele der Diamanten für das Haus Fabergé im späten 19.- und frühen 20. Jahrhundert aus den britisch dominierten südafrikanischen Minen. Sie beherrschten damals den Weltmarkt.
Handelsplätze für den internationalen Diamantenhandel waren schon damals die Städte Paris und Antwerpen. Hier erstand auch das Haus Fabergé seine edlen Rohmaterialien von etablierten Händlern. Fabergé verwendete als Schliffe überwiegend Rosendiamanten (Rose-Cut) und Altschliff-Diamanten (Old-mine-cut), die für den damaligen Hofgeschmack üblich waren.