Fäkalien im Wasser, Rost, undichte Muffen: Turnhalle in Oberbayern muss saniert werden


Stand: 30.07.2026, 20:30 Uhr

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Hallbergmoos muss ihre Dreifachturnhalle für rund zwei Millionen Euro sanieren. Gutachter haben erhebliche Schäden festgestellt. Für die Gemeinde eine Hiobsbotschaft.

Hallbergmoos – Die Dreifachturnhalle am Freiherr-von-Hallberg-Platz in Hallbergmoos steckt tief in der Krise: Unter dem Estrich des sogenannten Stiefelgangs schwappt fäkalienhaltiges Wasser, die Leitungen sind korrodiert und verrostet. Wie Merkur-Reporterin Eva Oestereich berichtet, hat der Gemeinderat nun einen Prüfauftrag für eine Kernsanierung erteilt – die Kosten werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt.

Bauamtsmitarbeiter Hans Bayer legte dem Gemeinderat die Befunde vor: Leckortungen, Kamerabefahrungen und Estrichöffnungen hätten gezeigt, dass punktuelle Reparaturen nicht ausreichen. Die überdimensionierte, teilweise verzinkte Leitungsanlage begünstige Stagnation und Korrosion. Zur Wahl standen zwei Varianten – eine Bestandsanierung einzelner Bereiche für 1,0 bis 1,2 Millionen Euro oder eine umfassende Kernsanierung im laufenden Betrieb für rund zwei Millionen Euro. Die Verwaltung sprach sich klar für Letzteres aus.

Stark sanierungsbedürftig ist die Dreifachturnhalle am Freiherr-von-Hallberg-Platz in Hallbergmoos. Der Gemeinderat stimmte der millionenschweren Ertüchtigung jetzt zu.

Stark sanierungsbedürftig ist die Dreifachturnhalle am Freiherr-von-Hallberg-Platz in Hallbergmoos. Der Gemeinderat stimmte der millionenschweren Ertüchtigung jetzt zu. © Oestereich

Baureferent Hermann Hartshauser (Einigkeit) und Sportreferent Markus Streitberger (FW) unterstützten diesen Kurs. Alles andere wäre, so Hartshauser, „Flickwerk“. Nach rund 35 Jahren seien die Leitungen so stark verschlissen, dass bei einem Austausch einzelner Abschnitte bald an anderer Stelle neue Schäden zu erwarten wären. Streitberger regte an, für die Bauzeit über Übergangscontainer nachzudenken, um den Schul- und Vereinssport aufrechtzuerhalten

Marcus Mey (CSU) stellte die Notwendigkeit der Maßnahme nicht infrage, kritisierte jedoch die überraschende Häufung kostspieliger Sanierungsfälle, die den Rat inzwischen in jeder Sitzung beschäftigen. Er forderte deshalb eine Übersicht aller anstehenden Maßnahmen in den kommenden zwei bis drei Jahren, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Bürgermeister Benjamin Henn (FW) gab ihm Recht – angesichts zu erwartender Sanierungskosten zwischen 10 und 15 Millionen Euro, die in den nächsten Jahren auf die Gemeinde zukommen. Die Dreifachturnhalle am Freiherr-von-Hallberg-Platz liegt im Gemeindegebiet von Hallbergmoos im Landkreis Freising. Kämmerer Thomas Grüning dankte Mey ausdrücklich für seine Einlassung, die er „zu 100 Prozent“ unterstützt. Grüning sprach von einem „schockierenden Erlebnis“, dass kurz nach Verabschiedung des Nachtragshaushalts bereits die nächste Millionenausgabe anstehe. Als Finanzierungsmöglichkeiten blieben, so der Kämmerer, im Wesentlichen nur Grundstücksverkäufe oder neue Kredite.

Florian Rothmeyer (Grüne) hinterfragte die jahrelange Durchfeuchtung des Estrichs: „Wie kann es sein, dass das keiner bemerkt hat?“ Bayer verwies auf Aussagen eines Versicherungsgutachters, der von „multikausalen Schäden und Ursachen“ ausgehe – darunter poröses Silikon, undichte Verschraubungen, beschädigte Leitungen sowie möglicher Grundwassereintritt am Fundament. Ein abschließendes schriftliches Gutachten liegt noch nicht vor. Der Beschluss wurde als Prüfauftrag für mögliche Realisierungsvarianten, Kosten und Förderungen formuliert. Ob sich überhaupt ein Planungsbüro findet, ist offen: Ein erster Markttest der Verwaltung blieb ohne jede Rückmeldung interessierter Planer.