Fehlender Strom: Windkraftausbau wird günstiger, aber vergisst den Süden - Golem.de
Um mehr als ein Drittel ist die Prämie für Windstrom in zwei Jahren zurückgegangen, aber regionale Unterschiede vergrößern sich.
In der jüngsten Ausschreibung zum Windkraftausbau der Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) ist die zugesicherte Vergütung auf weniger als 5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gesunken. Zwei Jahre zuvor lag der Betrag durchschnittlich 53 Prozent höher, bei 7,33 statt wie jetzt bei 4,79 Cent je kWh.
Die Marktprämie ist keine feste Vergütung, sondern sichert die Betreiber von Windkraftanlagen bei der Direktvermarktung ab. Wird am Markt weniger gezahlt als der vereinbarte Betrag, kommt der jeweilige Netzbetreiber für die Differenz auf. Auch bei einer Abregelung wird die Zahlung fällig.
Während in den Sommermonaten regelmäßig sogar negative Marktpreise erreicht werden, passiert dies im Winter, wenn die Anlagen den Großteil ihres Stroms produzieren, so gut wie nie. Lediglich nachts werden Werte von 5 Cent pro kWh gelegentlich unterschritten, zumeist liegt der Börsenstrompreis(öffnet im neuen Fenster) bei 10 Cent.
Ungleichgewicht wird fortgeschrieben
Neben der deutlich gesunkenen Marktprämie, die sich bereits im Frühjahr andeutete, ist die räumliche Verteilung auffällig. Zwar werden auch Windkraftanlagen außerhalb der Ausschreibung der Bundesnetzagentur errichtet, aber mit einem jährlichen Volumen von 10 GW ist sie hauptverantwortlich für die Zunahme der Windkraftleistung in Deutschland, die bis 2030 bei insgesamt 115 GW liegen soll.
Da die Anlagen vor allem nach einer möglichst geringen Vergütung genehmigt werden, sind Betreiber in Nord- und Ostdeutschland klar im Vorteil. In den Küstenregionen ist der jährliche Ertrag besonders hoch. In den dünn besiedelten Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt gewährt eine hohe Flächenverfügbarkeit Vorteile.
Anders ist es in Bayern und Baden-Württemberg, wo der Ertrag vielerorts geringer ausfällt. Zwar werden auch dort Windkraftanlagen errichtet, die mit einer Marktprämie von unter 5 Cent betrieben werden können. Von insgesamt bestätigten 2,5 GW in der aktuellen Ausschreibung werden in den beiden Bundesländern zusammen jedoch nur 0,1 GW errichtet.
Das Problem ist, dass der günstig in Norddeutschland produzierte Strom durch Hochspannungsleitungen in den Süden transportiert werden muss, was ihn wieder verteuert. Ab 2027 soll ein neuer Mechanismus mit angepassten Gebotspreisen und der Beachtung der Stromnetzkapazitäten dieser ungleichen Verteilung entgegenwirken.
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